Notation Neustift
Cantionarium mit Notation (Innsbruck, ULB Tirol, Cod. 457, Bl. 99r) // © Universitäts- und Landesbibliothek Tirol

Musik in Neustift

Die Musik spielte in Neustift seit jeher eine herausragende Rolle. Im Rahmen der intensiven musikalischen Tätigkeit, die im Stift praktiziert wurde, entstanden vor Ort auch zahlreiche Musikhandschriften.

Insbesondere der Choralgesang wurde zur feierlichen Gestaltung der Liturgie intensiv praktiziert. Lob dafür findet sich in der Reisebeschreibung des Dominikaners Felix Faber von Ulm, der auf seiner Pilgerfahrt in das Heilige Land  im April 1483 im Stift Halt machte und eine Nacht dort verbrachte:

„Es sind dort gereifte und ehrerbietige Männer, und ich glaube, ich habe nie einen genaueren und besseren Chorgesang als in diesem Kloster gehört.“ (Die Reisen des Felix Faber durch Tirol in den Jahren 1483 und 1484. Aus dem Lateinischen übersetzt von Josef Garber [Schlern-Schriften 3]. Innsbruck, München 1923, S. 9)

Neben der intensiven musikalischen Tätigkeit entstanden vor Ort auch zahlreiche Musikhandschriften. Vollständig erhalten geblieben sind allerdings nur Werke ab dem 15. Jahrhundert, darunter auch das Zollner-Graduale, ein zweibändiges und das wohl bekannteste handschriftliche Werk der Neustifter Stiftsbibliothek. Die großformatigen Gradualbände, die zwischen 1439 und 1446 entstanden, wurden über Jahrhunderte hinweg in der Stiftskirche verwendet. Aufgrund des Überformats ist eine Digitalisierung bis dato nicht erfolgt.

Drei weitere Handschriften aus dieser Zeit überliefern Werke aus dem gregorianischen Repertorium: Die in Neustift befindlichen Handschriften mit den Signaturen Nr. 139 (olim Sign. 14819), Nr. 940 und Sign. 15063 waren nie an die ULB Tirol gelangt.

Heute noch an der ULB Tirol befinden sich ein musiktheoretisches Werk De organica musica (Innsbruck, ULB Tirol, Cod. 732) und der gut erforschte Cod. 457, eine bedeutende Sammlung einfacher polyphoner liturgischer Musik.

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