Handschriften im Augustiner-Chorherrenstift Neustift

Geschichte der Bibliothek und ihrer Bestände

Neustift Kloster1140 wurde Hartmann, damaliger Propst des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg bei Wien, zum Bischof von Brixen gewählt. Bereits zwei Jahre später gründete er unweit der Bischofsresidenz Kloster Neustift, das unter Konrad II. von Rodank (1178–1200) eine erste kulturelle Blüte erlebte. Schon bald war es aufgrund der außerordentlichen Pflege des Choralgesangs, der Schreibstube und der zahlreichen bedeutenden Künstler, die für das Stift arbeiteten, weitum bekannt. So schreibt der Augsburger Dominikaner Felix Faber in seinem Reisebericht von 1483/84 wie folgt: „Neustift besitzt eine große Kirche mit kostbarem Ornat und eine gute Bücherei.“ Die dortige Bibliothek stellt tatsächlich seit dem Spätmittelalter trotz großer Verluste durch mehrfache Brände, im Zuge des Bauernkriegs 1525 und durch die Klosteraufhebung im Jahre 1807 bis heute die größte der zahlreichen Tiroler Klosterbibliotheken dar.

Der Großteil der Handschriften in der Stiftsbibliothek Neustift ist dem 15. Jahrhundert zuzuordnen. Daraus und aufgrund der überaus großen Zahl an Inkunabeln ist zu schließen, dass die Bibliothek damals erneuert wurde, indem neue BücherNeustift Übergabe gekauft bzw. alte Werke ersetzt wurden. Dies wurde forciert durch die günstige Lage des Klosters an der Nord-Süd-Handelsroute.

1809 wurde der Großteil der Bücher, darunter ca. 800 Inkunabeln und etliche Handschriften, nach Innsbruck gebracht, nur wenige dürften trotz Vorwahlrecht der Münchner Hofbibliothek nach München gekommen sein. Nach Wiedererrichtung des Stiftes im Jahre 1816 wurde die Rückstellung der Bücher zwar bereits im folgenden Jahr versprochen, zur Durchführung kam es allerdings erst 1833. Dabei verzichtete Propst Leopold Erlacher auf bereits katalogisierte Bücher, die Inkunabelsammlung und die Handschriften. 99 Codices musste Innsbruck aber schließlich aufgrund des Friedensvertrages von St. Germain 1919 an den italienischen Staat übergeben. Diese befinden sich heute wieder im Chorherrenstift und legen Zeugnis über die berühmte Neustifter Malerschule im 15. Jahrhundert ab.

Zum Handschriftenbestand

Neustift ZollnerUnter den Handschriften befinden sich einige Exemplare von hoher Qualität, sowohl die äußere Gestaltung als auch den Inhalt betreffend. Die illuminierten Handschriften bezeugen Neustift Diagrammdie berühmte Neustifter Malerschule des 15. und 16. Jahrhunderts, die wohl in Zusammenhang mit dem Wirken des Tafelmalers Michael Pacher zu sehen ist. Zu den kunsthistorisch herausragenden Werken zählen das Missale für den Neustifter Propst Augustin Posch (1519-1527), angefertigt vom Chorherrn Stefan Stettner, sowie das Graduale von Friedrich Zollner. 

Inhaltlich zeichnen sich die Handschriften durch ihre Vielseitigkeit aus: theologische, juristische, philosophische, literarische, historische sowie naturwissenschaftliche Texte. Insbesondere sind jene Werke hervorzuheben, in denen sich der Geist des Humanismus widerspiegelt. Sprachlich dominieren die lateinischen Handschriften.

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