WiltenKatalog der mittelalterlichen Handschriften im Prämonstratenser Chorherrenstift Wilten

Die 34 im Prämonstratenser Chorherrenstift Wilten in Innsbruck befindlichen Handschriften wurden in zwei Teilprojekten (1994/95 bzw. 2006–2009) erschlossen und 2012 in einem eigenen Katalogband veröffentlicht:

Gabriela Kompatscher Gufler, Daniela Mairhofer, Claudia Schretter: Katalog der mittelalterlichen Handschriften im Prämonstratenser Chorherrenstift Wilten. Redigiert von Petra Ausserlechner. Mit Beiträgen von Petra Ausserlechner, Ferdinand Dexinger, Stefan Engels, Siegfried Furtenbach, Josef Oesch, Maria Stieglecker (Denkschriften der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, phil.-hist. Kl. 425 = Veröffentlichungen der Kommission für Schrift- und Buchwesen des Mittelalters, Reihe II, Bd. 10). Wien 2012. Online-Edition

Inhaltliche Schwerpunkte bilden theologische und liturgische Werke für den praktischen Kloster- und Schulbetrieb. Besonders erwähnenswert ist eine Handschrift aus dem 13. Jahrhundert mit Statuten des Prämonstratenserordens.

Durch die mittlerweile erfolgte Erschließung jener Wiltener Bestände, die sich seit der zwischenzeitlichen Aufhebung des Stiftes im Jahre 1808 an der ULB Tirol befinden, und den Versuch einer Zusammenschau der in anderen Institutionen befindlichen Streubestände ist eine virtuelle Zusammenführung der Handschriften möglich.

gefördert durch: Stift Wilten, Land Tirol                                               
Laufzeit: 1994–1995, 2006–2009
Träger: Stift Wilten in Kooperation mit der ULB Tirol                  
Projektbeteiligte: ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Gabriela Kompatscher Gufler, Ass.-Prof. Mag. Dr. Daniela Mairhofer, MMag. Dr. Claudia Schretter-Picker
unter Mitarbeit von: Mag. Petra Ausserlechner, o. Univ.-Prof. DDr. Ferdinand Dexinger, Dr. Stefan Engels, DDr. Siegfried Furtenbach, Ass.-Prof. i. R. Dr. Josef Oesch, Mag. Dr. Maria Stieglecker MAS

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Bestandsgeschichte

Das Stift Wilten wurde 1138 durch die Einführung der regulierten Chorherren des Prämonstratenser Ordens auf Veranlassung des Brixner Diözesanbischofs gegründet und durch Papst Innozenz II. bestätigt. Über die frühe Bibliotheksgeschichte in Wilten ist nur sehr wenig bekannt. Obwohl keinerlei Bücherverzeichnisse aus dem Mittelalter überliefert sind, kann wohl von Anfang an von einer Büchersammlung ausgegangen werden: Es gab ein Skriptorium (z. B. Michael Ausse), zudem sind Nachrichten über Buchentlehnungen belegt. Ein erster Bibliotheksraum, eingerichtet durch Abt Ingenuin Mösl (1458–1464), wurde unter Abt Alexius Stoll (1470–1492) ausgebaut und vermutlich als Kettenbibliothek angelegt. Eine Blüte erfuhr die Bibliothek im 14. und 15. Jahrhundert. Aus dieser Zeit stammt der größte Teil der heute noch erhaltenen mittelalterlichen Handschriften, zu denen in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zahlreiche Inkunabeln dazukamen.

Nach dem Niedergang des Klosters im 16. Jahrhundert und den daraus resultierenden Schwierigkeiten auch für die Bibliothek gelangte diese im Verlauf der Gegenreformation zu neuer Blüte, die auch die ganze Barockzeit über anhielt. Der Ausbau der Büchersammlung durch Ankauf, Neubindungen und Katalogisierung unter den Äbten der Barockzeit und nicht zuletzt der Bau einer neuen Saalbibliothek zeugen von diesem Aufschwung.

1808 wurde das Stift durch die bayerischen Behörden aufgehoben und die wertvolleren Bestände der Universitätsbibliothek Innsbruck (heute ULB Tirol) übergeben; diese wurden nach der Wiedererrichtung des Stiftes 1815 trotz aller Bemühungen der Äbte Markus Egle (1784–1820) bzw. Alois Röggl (1820–1851) nur zu einem kleinen Teil wieder zurückgegeben. Die Handschriften und die Mehrzahl an Inkunabeln verblieben an der ULB Tirol (darunter 3 Blockbücher und 75 Inkunabeln). Im 19. Jahrhundert wurden dafür zahlreiche Handschriften und Inkunabeln, die teilweise aus anderen, nicht mehr bestehenden Bibliotheken stammten (z. B. Schnals, Fiegersche Stiftung in Hall), durch den bibliophilen Abt Alois Röggl neu erworben. Aufgrund wirtschaftlicher Notlagen war das Stift 1877 und in der Zwischenkriegszeit im 20. Jahrhundert gezwungen, wertvolle Objekte zu verkaufen. Mit der Aufhebung des Stiftes durch die Nationalsozialisten 1939 wurden Bibliothek und Archiv dem Reichsgauarchiv unterstellt, 1943 waren die Bücher zum Schutz vor Bombenangriffe im Stift Stams gelagert, die Rückführung erfolgte 1954. Im Zuge der Stiftsrenovierung 1976–1988 wurde die Bibliothek erweitert und der Bestand an 80.000 Bänden neu katalogisiert. Die Geschichte der Bibliothek und ihrer historischen Bestände fand 1988 in einer Monographie eine ausführliche Beschreibung (W. Neuhauser, Bibliotheca Wilthinensis [Innsbrucker Beiträge zur Kulturwissenschaft. Sonderheft 63]. Innsbruck 1988).

Gegenüber anderen Klosterbibliotheken sind aus dem Stift Wilten aufgrund seiner wechselvollen Geschichte nur relativ wenige Handschriften erhalten. In der Stiftsbibliothek befinden sich heute insgesamt 34 Handschriften (27 mittelalterliche, sieben neuzeitliche). 14 Handschriften, davon neun mittelalterliche und fünf neuzeitliche, sind mit Sicherheit dem sogenannten Altbestand zuzuordnen. Dabei handelt es sich um jene Handschriften, die nach der vorübergehenden Aufhebung des Klosters 1808 in Wilten verblieben sind. Die Zugehörigkeit zum Altbestand zeigt sich durch je eine Signatur aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Für vier weitere Handschriften (drei mittelalterliche und eine neuzeitliche) kann die Zugehörigkeit zum Altbestand aufgrund fehlender Besitzvermerke oder Signaturen der Stiftsbibliothek Wilten nur vermutet werden.

Die restlichen heute in der Stiftsbibliothek noch erhaltenen 16 Handschriften (15 mittelalterliche und eine neuzeitliche) sind Neuerwerbungen zumeist aus der Haller Bibliothek (Fieger) durch Abt Alois Röggl (s. o.).

 

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