Neustift Geschichte_Aquarell

Augustiner Chorherrenstift Neustift, Aquarell, um 1800, aus den Pfarrakten von Christkindl bei Steyr (Innsbruck, ULB Tirol, 100.010) // © Universitäts- und Landesbibliothek Tirol

Von Neustift nach Innsbruck und zurück

Vor rund 900 Jahren gründete der Brixner Bischof Hartmann das Augustiner Chorherrenstift Neustift im nahegelegenen Vahrn, das sich zu einem wichtigen kulturellen und spirituellen Zentrum der Region entwickelte.

1140 wurde Hartmann, damaliger Propst des Augustiner-Chorherrenstiftes Klosterneuburg bei Wien, zum Bischof von Brixen gewählt. Bereits zwei Jahre später gründete er unweit der Bischofsresidenz das Kloster Neustift, das unter Propst Konrad II. von Rodank (1178–1200) eine erste kulturelle Blüte erlebte. Schon bald war es aufgrund der außerordentlichen Pflege des Choralgesangs, der Schreibstube und der zahlreichen bedeutenden Künstler, die für das Stift arbeiteten, weitum bekannt.


„Neustift besitzt eine große Kirche mit kostbarem Ornat und eine gute Bücherei.“ Dem Augsburger Dominikaner Felix Faber ist die Neustifter Stiftsbibliothek einen Eintrag in seinem Reisebericht von 1483/84 wert. Noch heute ist sie die größte der zahlreichen Klosterbibliotheken im Tiroler Raum.


Im 18. Jahrhundert wurde unter Propst Leopold de Zanna (1767–1787) der heutige zweigeschossige barocke Bibliothekssaal errichtet, geplant und ausgeführt vom Baumeister Antonio Giuseppe Sartori aus Sacco bei Rovereto. Die hier aufgestellten Bände wurden mit dem Ziel, ein einheitliches Erscheinungsbild zu schaffen, teilweise neu gebunden oder zumindest mit einem neuen Rücken versehen, darunter auch mehrere Handschriften.


Im Zuge der Säkularisierung unter bayerischer Herrschaft wurde das Kloster 1807 aufgehoben. Zwei Jahre später wurde der Großteil der Bücher, darunter ca. 800 Inkunabeln und etliche Handschriften, nach Innsbruck gebracht, nur wenige dürften trotz Vorwahlrecht der Münchner Hofbibliothek nach München gekommen sein.


Nach Wiedererrichtung des Stiftes im Jahre 1816 wurde die Rückstellung der Bücher zwar bereits im folgenden Jahr versprochen, zur Durchführung kam es allerdings erst 1833. Dabei verzichtete Propst Leopold Erlacher auf bereits katalogisierte Bücher, die Inkunabelsammlung und die Handschriften.


100 Codices musste Innsbruck schließlich aufgrund des Friedensvertrages von St. Germain 1919 an den italienischen Staat übergeben. 85 davon befinden sich heute wieder im Chorherrenstift, daneben sieben weitere, die nie an die ULB Tirol überstellt worden waren.


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