Barocke Bibliothek Neustift
Rot gefärbter Schnitt (Innsbruck, ULB Tirol, Cod. 387) // © Universitäts- und Landesbibliothek Tirol

Die barocke Bibliothek

Zahlreiche Neustifter Handschriften weisen typische äußere Merkmale auf, die auf die Neuordnung im 18. Jahrhundert zurückgehen.

Neben dem Neustifter Holzschnitt-Exlibris, das in einigen Exemplaren am Spiegel des Vorderdeckels eingeklebt ist, ist v.a. der im 18. Jahrhundert entstandene Einbandtypus charakteristisch für die Neustifter Handschriften.

Da aus der Zeit der Klosteraufhebung unter bayerischer Herrschaft keine Übergabelisten erhalten sind, erfolgte die Zuweisung der Neustifter Handschriften an der ULB Tirol in der Regel aufgrund solcher äußeren Merkmale.

Nur sieben Handschriften an der ULB Tirol enthalten das typische Neustifter Holzschnittexlibris und damit einen unzweifelhaften Hinweis auf den Vorbesitzer. Der überwiegende Teil wird aufgrund des typischen Einbandes bzw. Einbandrückens (hellbraunes Rückenleder mit Golddruck, braun-schwarz-gesprenkeltes Papier an den Deckeln, roter Schnitt) Neustift zugewiesen. Darüber hinaus gibt es andere Einbandtypen, die möglicherweise für eine Provenienz aus Neustift sprechen. So haben mehrere Handschriften in Neustift und an der ULB Tirol einen blau gefärbten Rücken mit typischer weißer Aufschrift; auch über 300 Druckwerke mit ebensolchem blauem Rücken sind erhalten.

In wenigen Fällen, die an der ULB Tirol zur Neustifter Provenienz-Gruppe gezählt werden, war Neustift wohl lediglich Zwischenstation auf dem Weg der abtransportierten Bücher, z.B. trifft dies auf die Handschriften aus dem Augustiner-Chorherrenstift St. Michael an der Etsch zu (Innsbruck, ULB Tirol, Cod. 835 und 850). Eine weitere Handschrift aus St. Michael, Cod. 706, gelangte direkt nach Aufhebung des Stiftes 1794 an die ULB Tirol und wurde 1919 wieder an Italien abgetreten; heute wird sie unter der Signatur ms. 1588 im Castello del Buonconsiglio in Trient aufbewahrt.

Auch bei einer Gruppe von Handschriften aus dem Augustinerinnenkloster im Halltal, das 1500 nach St. Martin in Gnadenwald und 1522 nach St. Martin in Schwaz übersiedelte, wird angenommen, dass sie sich zuletzt in Neustift befunden haben. Einen Beleg dafür gibt es allerdings nicht.

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