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860 Titel entfallen auf den Bereich Allgemeines, 1.131 auf Philosophie. Die bei weitem größte Bestandsgruppe stellt die Theologie dar (6.265 Titel). Die Mehrzahl dieser Werke war ehemals klösterlicher Besitz. Neben zahlreichen Bibelausgaben in lateinischer und deutscher Sprache - sowohl von katholischer als auch protestantischer Seite - finden sich insbesondere Kommentare zu einzelnen Teilen der Bibel. Bemerkenswerte Bestände an reformatorischer und gegenreformatorischer Literatur, größtenteils in zeitgenössischen Ausgaben, stammen vor allem von den Jesuiten und aus dem Augustiner-Chorherrenstift Neustift.

So besitzt die Bibliothek rund 200 Luther-Ausgaben des 16. Jahrhunderts, aber ebenso Werke anderer reformatorischer Schriftsteller und ihrer katholischen Gegenspieler. Breiteren Raum nehmen auch die kanonistischen Werke ein, darunter Sammlungen und Kommentare nahezu aller bedeutenden Kirchenrechtslehrer des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Kirchengeschichtliche Literatur ist ebenfalls in großer Auswahl vorhanden; sie schließt auch Papst- und Missionsgeschichte sowie die Geschichte einzelner Diözesen und Klöster mit ein. Bemerkenswert ist vor allem die relativ große Anzahl an Werken zur süddeutschen und italienischen Kirchenhistorie. Größere Teilbestände bilden ferner die Hagiographie, Predigten sowie Schriften von Kirchenvätern, Kirchenlehrern und Dogmatikern. Weniger gut repräsentiert sind Liturgica, Gebetbücher und theologische Tagesliteratur, z. B. Leichenpredigten und Aszetica.

Den Bereichen Politik, Wirtschaft und Verwaltung sind 967 Titel zuzuzählen, dem Gebiet Recht 3.568. Viele Werke dieser Sachgruppen, vor allem aus dem 16. und 17. Jahrhundert, stammen aus der Bibliotheca regiminalis, einer Art Verwaltungsbibliothek, die aus Beständen der alten Hofbibliothek im Wappenturm Mitte des 17. Jahrhunderts eingerichtet wurde. Neben Gesetzessammlungen aus dem Habsburgerreich finden sich auch Landesgesetze, Stadtgesetze sowie Abhandlungen über Politik und Rechtswissenschaft, außerdem Gerichtsentscheidungen und Prozeßordnungen. Zu erwähnen sind ferner rund 1000 juristische Dissertationen des späteren 17. Jahrhunderts, in größerem Umfang des 18. Jahrhunderts aus dem deutschen Sprachgebiet.

Unter den 209 Militaria, die ursprünglich Bestandteil der Hofbibliotheken waren, sind insbesondere Werke des 16. und 17. Jahrhunderts über Festungen bemerkenswert. Annähernd gleich umfangreich ist die Literatur zu Erziehung und Bildung (243 Titel). Die Volkskunde ist mit nur 98 Titeln vertreten. 293 Werke betreffen die Naturwissenschaften allgemein, 335 die Mathematik (darunter Lehrbücher aus ehemaligem Klosterbesitz), 412 Physik, Astronomie und Astrologie (großteils aus dem 16. und 17. Jahrhundert). Neben astronomischen Berechnungstabellen und Prognostiken (Praktiken) ist auf zahlreiche Werke aus dem Grenzbereich zwischen Astronomie und Astrologie hinzuweisen, die überwiegend aus höfischen Bibliotheken (Ambras, Wappenturm-Bibliothek) stammen, ebenso wie die Sammlungen von Horoskopen und die Werke zur Alchemie und zu den Geheimwissenschaften

142 Titel sind der Chemie zuzuordnen, 391 der Geologie und Biologie. Auffallend groß ist mit 2.242 Titeln der Bestand zu Medizin und Pharmazie. Ein großer Teil der Werke des 16. und 17. Jahrhunderts kam aus dem Hofbereich, vor allem aus der Ambraser Bibliothek Ferdinands II., die besonders gut mit Schriften zu Anatomie, Infektionskrankheiten und venerischen Krankheiten ausgestattet war. Auch Abhandlungen zur Chirurgie, hauptsächlich zur Feldmedizin, und Kräuterbücher - sowohl aus klösterlichem als auch aus höfischem Vorbesitz - sind gut repräsentiert. Zu erwähnen sind darüber hinaus zahlreiche medizinische Dissertationen aus dem 17. und vor allem 18. Jahrhundert

Insgesamt 314 Titel sind zu Technik und Hauswirtschaft (inklusive Kochbücher) vorhanden, 437 zu Kunst, Architektur, Theater und Spiel. 1.171 Werke widmen sich den Gebieten Sprache und Literatur, wobei die wissenschaftlichen Abhandlungen, Grammatiken und Wörterbücher zu den klassischen Sprachen bei weitem überwiegen. Zur deutschen Sprache und Literatur liegen größtenteils Titel aus dem 18. Jahrhundert vor. Der Bestand an Belletristik beläuft sich auf 2.244 Titel. Inkludiert sind hierin sowohl antike Klassiker-Ausgaben, italienische und französische Romane als auch Novellen, Memoiren sowie Briefsammlungen aus dem Mittelalter und der Neuzeit. Der Anteil an deutscher Belletristik im weitesten Sinne ist eher gering.

Fast ebenso umfangreich wie die Literatur zur Theologie ist jene zu den Bereichen Geographie und Geschichte (5.920 Titel). Vorbesitzer der Werke des 16. und 17. Jahrhunderts waren wiederum in überwiegendem Maße Ambras und die Wappenturm-Bibliothek sowie die Bibliotheca regiminalis. Erwähnenswert ist ein schöner Bestand an Atlanten, Reiseberichten und Landesbeschreibungen. Die Geographica sind zu einem beträchtlichen Teil in einer gesondert aufgestellten Sammlung vereint. Das historische Buchgut zur Geschichte besteht in erster Linie aus Abhandlungen zur Geschichte der österreichisch-ungarischen Monarchie und zur deutschen Reichsgeschichte. Aus dem 17. Jahrhundert liegt eine große Anzahl an Werken zu den Türkenkriegen und zum Dreißigjährigen Krieg vor. Nicht unbedeutend ist auch der Anteil an Büchern zur italienischen, spanischen und französischen Geschichte, während die Werke zur osteuropäischen Geschichte weniger ins Gewicht fallen. Ebenfalls gut vertreten sind historische und landeskundliche Darstellungen aus dem 16. Jahrhundert über neuentdeckte Gebiete der Welt.

Vgl. Walter Neuhauser, Eva Ramminger, Sieglinde Sepp in: Handbuch der historischen Buchbestände in Österreich 4. Hildesheim 1997, 130-131