Tirolensie Mai

Tirolensie des Monats Mai

Wer an Innsbrucks Kulturszene denkt, wird weder am Leokino noch am Cinematograph vorbeikommen.

Gerade zweitgenannter Standort lässt beim Verfasser dieser Zeilen immer noch den Besuch einer "Faust"-Verfilmung Mitte der 1990er-Jahre aufleben - schließlich war es "gelebte" Literaturgeschichte im Rahmen einer schulischen Exkursion.

Dem Werden und dem Wirken dieser beiden kulturellen Institutionen hat sich nun Verena Teissl im vierten Band der Reihe "Kulturorte", erschienen im Verlag Tyrolia, gewidmet. Mit der Entstehung der "alternativen Filmkultur" im Ausland und wie sie in den 1970er-Jahren in Innsbruck Fuß fasste, leitet die Kulturwissenschaftlerin über ins Jahr 1972, in dem der "Cinematografische Salon" als erstes Studentenkino gegründet wurde. 1984 öffnete der "Cinematograph" nach mehreren Übersiedelungen innerhalb des Stadtgebiets am bis heute bestehenden Standort in der Museumstraße.

Begleitet werden diese kulturhistorischen Impressionen von Programm-Ausschnitten und Fotografien; aus den Aufnahmen blitzt unter anderem auch 1974 der „Nosferatu“ von Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau heraus - ein Streifen, der 2022 übrigens sein 100jähriges Jubiläum feiert.

Beleuchtet wird auch die Geschichte des Leokinos, sein besonderer Stellenwert im österreichischen Programmkino-Sektor sowie der Raum für feministisches Kinogeschehen in Innsbruck, die Kooperation mit der Universität und der Weg des „International Film Festival Innsbruck“.

Verena Teissl bietet einen vielfältigen und informativen Einblick in kreative, manchmal auch aufregende „Lichtspiel-Zeiten“ und liefert im Vorwort bereits eine gelungene Erklärung für das Phänomen Kino:

"Der Ort Kino und die Kinotechnik sind konkurrenzlos, wenn es um die Wirkung von Filmerleben geht..." 

 

Bewegte Bilder, bewegte Zeiten: Cinematograph und Leokino: Geschichte einer cineastischen Einrichtung

Verena Teissl [Verfasserin]; Günter Richard Wett [Fotograf]

Innsbruck: Wien: Tyrolia-Verlag 2022, 95 Seiten

ISBN: 9783702240295

Christian Kössler, Mai 2022

 

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