Tirolensie Oktober

Tirolensie des Monats Oktober

Pünktlich zum 750sten Bestehen ist 2021 auch ein äußerst interessanter Blick auf Kitzbühel „im Zeichen der Literatur“ erschienen. Auf eine Stadt, die wie wohl keine andere in Österreich mit dem Wintersport und doch eher selten mit schriftstellerischem Tun assoziiert wird.

Ein detaillierterer Blick aber lohnt sich, denn Karl Prieler hat in seinem aktuellen Werk sehr genau hingeschaut. In einer Art Zeitreise lässt er Kitzbühel im Lichte der Reiseliteratur des 19. Jahrhundert auftauchen und arbeitet sich über Weltkriege und dunkle Zeiten bis hin zum Kapitel „Literarische Vergangenheitsbewältigung“, für die Helmut Schinagl und Herbert Rosendorfer stellvertretend stehen.

Ein im wahrsten Sinne des Wortes eigenes Kapitel für sich stellt das Hahnenkammrennen dar. Sportlich als Event von Weltformat gefeiert und zelebriert, spielt es in der Literatur interessanterweise eine völlig untergeordnete Rolle. 1981 dient es jedoch als perfekter Nährboden für zwei satirische Erzählungen eines wohlbekannten Tiroler Autors, der sich mit dem alpinen Mega-Spektakel auseinandersetzt. Und so schimmern durch Felix Mitterers Texte aus dem Werk „An den Rand des Dorfes“ bereits die Vorboten der „Piefke-Saga“, wie es Prieler so bezeichnend schreibt.

Dass auch der Regionalkrimi vor der Gamsstadt nicht Halt macht, ist ebenso logisch wie nur konsequent – der gebürtige Kitzbüheler Georg Haderer lässt in seinem ersten Kommissar-Schäfer-Roman ebendort ermitteln und schlägt damit auch wieder eine Brücke… zum Wintersport.

Schließlich fahren Krimis wie Skirennen in der Regel einen Parallelslalom: Spannend und mit ungewissem Ausgang…

 

Literaturstadt Kitzbühel : im Schatten von Tourismus und Sport

Karl Prieler

Innsbruck: Universitätsverlag Wagner

2021, 100 Seiten

ISBN: 9783703065545

Christian Kössler, ULB Tirol

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