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Handschriften digital

Die ersten digitalisierten Handschriften aus der Sammlung der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol sind in der Digitalen Bibliothek der Universität Innsbruck frei zugänglich.

Die Erschließung der mittelalterlichen und neuzeitlichen Handschriften der ULB Tirol nach den Richtlinien der Österreichischen Akademie der Wissenschaften konnte 2017 erfolgreich abgeschlossen werden. Die Ergebnisse liegen in zehn gedruckten Teilbänden des „Katalogs der Handschriften der ULB Tirol in Innsbruck“ vor. Seit 2012 werden die Erschließungsdaten im zentralen, an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften angesiedelten Portal zu Handschriften in österreichischen Bibliotheken www.manuscripta.at zusammengeführt und weitergepflegt. Um die wertvollen und unikalen Bestände der Forschung leichter zugänglich zu machen, aber auch zum Schutz dieses wichtigen kulturellen Erbes, wurden in den vergangenen Jahren Vorbereitungen für die systematische Digitalisierung der historischen Sammlungen der ULB Tirol getroffen.

Die Anschaffung des „Grazer Buchtisches“ im Sommer 2020 war der Auftakt zur praktischen Umsetzung des Vorhabens. Dieser speziell für Handschriften entwickelte Kameratisch mit Buchwippe ermöglicht eine weitgehend berührungsfreie und damit objektschonende Digitalisierung. In einem Pilotprojekt werden bis Frühjahr 2021 die Handschriften Neustifter Provenienz digitalisiert und in der Digitalen Bibliothek der Universität Innsbruck (betreut von der ULB Tirol) bereitgestellt.

Das im 12. Jahrhundert gegründete Augustiner Chorherrenstift Neustift in Vahrn bei Brixen (Südtirol) wurde unter Bayerischer Herrschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts vorübergehend aufgehoben. Die wertvollen Bestände aus der Stiftsbibliothek gelangten an die ULB Tirol. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde ein Teil der Handschriften an Italien abgegeben und wieder an ihren ursprünglichen Aufbewahrungsort Neustift überstellt. 78 Handschriften, von denen 50 mit Sicherheit, die übrigen möglicherweise ursprünglich aus Neustift stammen, befinden sich heute noch im Besitz der ULB Tirol. Die 92 heute (wieder) in Neustift befindlichen mittelalterlichen Handschriften wurden in den letzten Jahren ebenfalls erschlossen (s. hier), der Katalog wird 2021 erscheinen. Volldigitalisate sind bereits verfügbar (s. hier). Durch die derzeitige Digitalisierung der Neustifter Handschriften an der ULB Tirol wird eine virtuelle Rekonstruktion der Bestandszusammensetzung der historischen Klosterbibliothek ermöglicht, um dieses einzigartige handschriftliche Kulturgut zumindest digital wieder in seiner Gesamtheit zugänglich zu machen. Besonders interessant gestaltet sich dies für einige Sammelhandschriften, die Ende des 18. Jahrhunderts im Zuge der damaligen Neubindung in ihre Einzelteile zerlegt wurden und heute teilweise in Italien, teilweise in Österreich aufbewahrt werden.

Zu den Neustifter Handschriften an der ULB Tirol zählen mehrere inhaltlich herausragende Stücke wie Cod. 960, die sogenannte Neustifter-Innsbrucker Spielhandschrift, Cod. 961, der älteste der bekannten Textzeugen von Hans Vintlers Blumen der Tugend und Cod. 922, die einzige vollständig erhaltene Handschrift des Deutschenspiegels (Spiegel deutscher Leute), eines Rechtsbuchs aus dem 13. Jahrhundert.

 

Kontakt:

Universitäts- und Landesbibliothek Tirol

Abteilung für Sondersammlungen

ulb-sosa@uibk.ac.at

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