16.01.2018

Gastvortrag

Kommunikation im Ausnahmezustand
- mögliche Wege aus der Krise

13:45 Uhr, PC-Raum, 4.Stock
Herzog-Siegmund-Ufer 15
A-6020 Innsbruck

Vortragender
Patrick Kindermann
Rotes Kreuz Tirol Rettungsdienst - Qualitätsmanagement

Kontakt
ao.Univ.-Prof. Dr. Cornelia Feyrer
Institut für Translationswissenschaft
  Cornelia Feyrer

  Ankündigung GV Patrick Kindermann 16.01.2018


Wenn von einer Sekunde zur anderen alles anders ist: Kommunikation im Ausnahmezustand

Auch dieses Jahr konnte das INTRAWI Patrick Kindermann vom Roten Kreuz Tirol mit einem Gastvortrag in der Lehrveranstaltung Einführung in die Medizin für TranslatorInnen (Leitung: Cornelia Feyrer) begrüßen. Am 16.01.2018 sprach Kindermann, der im Bereich Qualitätsmanagement Rettungsdienst tätig ist, über Kommunikation im Ausnahmezustand: Mögliche Wege aus der Krise. Der Vortrag stieß nicht nur bei Studierenden des INTRAWI mit Spezialisierung auf den Fachbereich Medizin auf reges Interesse, sondern führte auch FachkollegInnen aus dem Rettungsdienst ans INTRAWI.

Patrick Kindermann - Gastvortrag am 16.01.2018Patrick Kindermann, der über eine langjährige Erfahrung im Rettungseinsatz und als Disponent der Leitstelle verfügt, ermöglichte in seinem Vortrag Studierenden des Institutes für Translationswissenschaft (INTRAWI) einen eindrucksvollen Einblick in die Logistik und den Ablauf von Noteinsätzen. Der Vortrag vermittelte aber auch einen nachhaltigen Eindruck der in der Notfallsituation von den RetterInnen zu bewältigenden Ausnahmesituation der Betroffenen, denen es effizient mit dem richtigen Maß an Empathie und nicht nur fachlichem, sondern auch kommunikativem Einfühlungsvermögen zu helfen gilt. Es wurde deutlich, dass ein Rettungseinsatz nicht nur die kompetente rasche Hilfe durch das Rettungsteam am Einsatzort umfasst. Er beginnt bei der telefonischen Koordinierung und Betreuung bis zum Eintreffen der Rettungskräfte und schließt über den eigentlichen Einsatz hinaus auch die Nachbereitung und Begleitung nicht nur der PatientInnen, sondern u.U. auch der Angehörigen mit ein – eine Komponente, die einmal mehr zeigt, wie wichtig die richtige Kommunikation in der richtigen Sprache zum richtigen Zeitpunkt ist. Natürlich ist dieses Thema gerade für angehende TranslatorInnen von imminenter Bedeutung.

Kompetent agieren, reagieren und auch kommunizieren in einer für Betroffene wie auch für RetterInnen belastenden Stresssituation, damit umgehen müssen, dass von einer Sekunde zur anderen auf einmal alles anders und man auf Hilfe von Fremden angewiesen ist und Entscheidungen anderen überlassen muss, das sind Erfahrungen, die an physische und emotionale Grenzen führen. In diesen Situationen und über diese Situationen zu kommunizieren, sei es in der Muttersprache und umso mehr, sei es in der Fremdsprache, ist eine Herausforderung per se. Einen Ansprechpartner zu haben, der sich auch zuständig fühlt und kompromisslos für Fragen zur Verfügung steht, ist gerade in einer Situation wichtig, wo man die Kontrolle abgeben, sich selbst oder einen Angehörigen in die Hände unbekannter Menschen übergeben und darauf vertrauen muss, dass diese Menschen das Richtige tun. Dafür stehen die Einsatzkräfte, die MitarbeiterInnen der Leitstelle und das Qualitätsmanagement des Rettungsdienstes.

Der besondere Wert des Vortrages, der nicht nur Fragen und Themen eines zentralen Bereiches der Gesundheitskommunikation aufzeigte und anhand von authentischen Beispielen aus der Praxis illustrierte, sondern auch im richtigen Maß betroffen machte und den ZuhörerInnen die nicht nur medizinisch-fachliche, sondern auch kommunikative Komplexität eines solchen Rettungseinsatzes vor Augen führte, lag für die Studierenden des INTRAWI nicht zuletzt darin, dass er künftige FachübersetzerInnen und DolmetscherInnen für ihre Verantwortung als KommunikatorInnen im Rahmen ihrer potentiellen Tätigkeit im Gesundheitswesen sensibilisierte. Patrick Kindermann gelang es einmal mehr, einen konkreten Eindruck der Anforderungen zu vermitteln, mit denen DolmetscherInnen und ÜbersetzerInnen in ihrem Beruf in der Medizinkommunikation konfrontiert werden könnten. In diesem Sinne spricht das INTRAWI Patrick Kindermann seinen Dank für seine Bereitschaft aus, immer wieder mit großem Engagement in die Tätigkeit der Notrufzentrale einzuführen.

Text: Cornelia Feyrer
Foto: Martina Mayer

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