Jänner 2017

Praxiskurs

INTRAWI-Studierende beim Praxiskurs Konferenzdolmetschen der Europäischen Akademie Otzenhausen

 

Kontakt
MMag. Thomas Timlin
Institut für Translationswissenschaft
  Thomas Timlin

 

EAOIm Jänner 2017 nahmen 3 INTRAWI-Studentinnen (Sara Aufinger, Heidi Abenthung, Ina Pavlik) am Praxiskurs Konferenzdolmetschen der Europäischen Akademie Otzenhausen (EAO) teil und hatten in einer fünftägigen Konferenzsimulation zur globalen Flüchtlingskrise die Möglichkeit, Fertigkeiten aus dem Unterricht umzusetzen und auszubauen. Ein Erfahrungsbericht von Ina Pavlik.

Am ersten Abend bekamen wir gemeinsam mit 19 weiteren Studierenden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz das Programm sowie die Kabineneinteilung für die fünf folgenden Tage, während denen wir unsere im Studium erworbenen Kenntnisse im Rahmen einer realen Dolmetschsituation umsetzen sollten. Insgesamt absolvierten alle TeilnehmerInnen sechs Simultandolmetscheinsätze von jeweils 1,5 Stunden zu zweit in der Kabine. Jeder Vortrag dauerte ungefähr 45 Minuten und anschließend gab es eine 45-minütige Diskussion im Publikum.

Zusätzlich zum Dolmetschen in der Kabine gab es jeden Tag beim Mittagessen eine kurze Tischrede, die jeweils von einer Teilnehmerin vorgetragen und von einer weiteren konsekutiv gedolmetscht wurde. Auch eine Führung durch die Kunstsammlung der EAO wurde flüsternd verdolmetscht. Weitere Programmpunkte waren das tägliche Sprechtraining (45 Minuten) und Einsprechen am Vormittag (15 Minuten) sowie zwei Vorträge zum Berufsbild DolmetscherIn und zu den Berufsverbänden. Außerdem hatten wir die Möglichkeit, einen persönlichen Termin mit der Sprechtrainerin zu vereinbaren.

Nach jedem Dolmetscheinsatz bekamen wir ein sehr ausführliches Feedback von den DozentInnen. Nachdem wir konsekutiv gedolmetscht hatten, erhielten wir zusätzlich auch noch von der Sprechtrainerin ein Feedback zu Stimme und Körperhaltung.

In dieser Konferenzsimulation wurden wir mit diversen herausfordernden Situationen konfrontiert, denen DolmetscherInnen in der Praxis immer wieder begegnen. Manche Reden waren sehr emotional, andere stammten von Nicht-Muttersprachlern, gewisse Reden wiesen sehr technisches Vokabular auf, außerdem gab es auch Reden, die vorgelesen wurden usw. Bei der Diskussionsrunde, die anschließend an jede Rede stattfand, wurde häufig sehr schnell gesprochen und zwischen den Sprachen gewechselt.

Bei jedem Einsatz in der Kabine wurde ein Chef d’équipe bestimmt. Dieser war dafür zuständig, die Unterlagen der SprecherInnen zu verwalten und allen DolmetscherInnen als Ansprechperson zur Verfügung zu stehen. Natürlich bekamen wir oft keine Unterlagen oder erst sehr spät abends bzw. am Tag des Einsatzes selbst direkt in der Kabine. Dort mussten außerdem noch die Mikrofone kontrolliert sowie die jeweiligen Kanäle für die Sprachen festgelegt werden. Darüber hinaus war der Chef d’équipe die Ansprechperson bei Problemen in den Kabinen während der Rede. Er hatte auch die Aufgabe, die Relaiskabinen zu bestimmen, die während der Diskussionen immer sehr gefordert waren.

Für mich persönlich war die Kursteilnahme eine interessante und herausfordernde Erfahrung. Einerseits wurden wir Österreicherinnen in den Feedbackrunden immer wieder darauf hingewiesen, dass wir kein Bundesdeutsch sprechen. Das österreichische Standarddeutsch schien nicht wirklich akzeptiert zu werden. Außerdem wurde bei der Vorstellung der Berufsverbände nicht auf Österreich und die Schweiz eingegangen. Andererseits fand ich die Gestaltung des Praxiskurses gut gelungen. Man hatte die Möglichkeit all das zu üben, wofür im Unterricht oftmals keine Zeit ist und Antworten auf zahlreiche Fragen zu finden: Was mache ich, wenn ich kein Relais bekomme? Was mache ich, wenn sich der Tonfall während der Diskussion erhitzt? Wofür ist der Chef d’équipe eigentlich zuständig?

Als besonders wertvoll habe ich den Austausch und die Zusammenarbeit in der Kabine mit Studierenden von anderen Universitäten empfunden. Man konnte voneinander lernen und profitierte vom Erfahrungsschatz der Anderen. Daher denke ich, dass dieser Kurs eine gute Möglichkeit bietet, um Erfahrungen zu sammeln, sich auszutauschen und mehr Routine zu erlangen.

 

Text und Foto: Ina Pavlik

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  Europäische Akademie Otzenhausen