Dienstag, 24.05.2016

mehrsprachige Konferenz

Global gesehen:
Von Booten, Bergen und Zäunen

13:00 - 16:30 UhrGlobal gesehen. Von Booten, Bergen und Zäunen
Dolmetschtrainingsanlage (DTA), Geiwi-Turm, 1. OG
Innrain 52, 6020 Innsbruck

 

Vortragende/r

Begrüßung:
Mesut Onay, Vorsitzender des gemeinderätlichen Ausschusses für BürgerInnenbeteiligung, Petitionen und Zivilgesellschaft der Stadt Innsbruck
Vortragende:
Gilles Reckinger, Ethnologe
Matteo de Checchi, Journalist und Blogger
Laura Alsina Ona, Freiwillige
Thomas Lechner, Jurist
Katharina Redl, Dolmetscherin und Dolmetschtrainerin
Matthias Monreal, CEO von interprAID
Moderation:
Hubert Rinner, Translationswissenschaft

  Programm 

 

Kontakt

Dipl.-Dolm. Elvira Iannone
Institut für Translationswissenschaft
  +43 512 507-42468   Elvira Iannone

  Ankündigung

 

Von Booten, Bergen und Zäunen… INTRAWI-Konferenz zum Thema Flucht

Nach der erfolgreichen Veranstaltung zur Langen Nacht der Forschung „Piraten, Gin Tonic und Partnerwahl“ waren die Erwartungen an die zweite Dolmetschkonferenz am Institut für Translationswissenschaft, die am 24. Mai 2016 unter dem Titel „Global gesehen: von Booten, Bergen und Zäunen“ stattfand, natürlich hoch. Die TeilnehmerInnen wurden auch diesmal nicht enttäuscht.


Ein so aktuelles und weitreichendes Thema wie Flucht lässt sich kaum an einem Nachmittag abhandeln. Doch das war auch nicht die Zielsetzung der Konferenz „Global gesehen: von Booten, Bergen und Zäunen“. Vielmehr ging es darum, das Thema aus verschiedenen und – vielleicht für manche – neuen Blickwinkeln zu beleuchten. Nach einer kurzen Begrüßung und Einführung durch Mesut Onay (Bild 02), dem
Vorsitzenden des gemeinderätlichen Ausschusses für BürgerInnenbeteiligung, Petitionen und Zivilgesellschaft der Stadt Innsbruck, stellte sich Gilles Reckinger (Bild 03) vom Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie in seinem Vortrag die Frage, ob es für einen Ethnologen denn zulässig sei, sich als Forscher in einen Slum zu begeben. Anlass zu diesen Überlegungen war seine eigene Forschung in Kalabrien – das Projekt „Bitter Oranges“ zur Ausbeutung von Plantagenarbeitern. Daran knüpfte der auf ihn folgende Redner an: Matteo De Checchi (Bild 04) berichtete eindrücklich über seine Erfahrung als Journalist in Süditalien in solchen Slums und zeigte auf, dass sich für viele Menschen nach der Flucht nicht nur der Traum von einem besseren Leben nicht erfüllt, sondern sogar in einer neuen Form von Sklaverei enden kann. Genauso beeindruckend war der Vortrag von Laura Alsina Ona (Bild 05) über ihre Arbeit als Freiwillige in „ihrer“ Stadt, Melilla, die zu einem der wichtigsten Übergangsorte in Nordafrika für MigrantInnen und Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa geworden ist – trotz eines mehrere Meter hohen Zauns.

Nach diesem Blick über die Grenzen und den eigenen Tellerrand brachte Thomas Lechner (Bild 06), ehemaliger Referent am Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl, den ZuhörerInnen das asyl- und fremdenrechtliche Verfahren in Österreich aus juristischer Sicht ein wenig näher.

Die zwei letzten RednerInnen des Tages gingen auf den Aspekt des Dolmetschens, sowohl für Flüchtlinge als auch für MigrantInnen, ein. Katharina Redl (Bild 07) berichtete über ihre langjährige Erfahrung als Dolmetscherin für Flüchtlinge und zeigte auf, wie wichtig gut geschulte DolmetscherInnen in diesem Bereich sind, nicht nur im eigentlichen Asylverfahren, sondern auch in der Rechtsberatung oder in der Psychotherapie. Den thematisch dazu passenden Abschluss der Konferenz machte Matthias Monreal (Bild 08), der seine „community interpreting platform“ interprAID vorstellte, die es Menschen ermöglicht, über einen Videocall die Hilfe von DolmetscherInnen in Anspruch zu nehmen.

Hubert Rinner vom INTRAWI führte durch einen höchst interessanten Nachmittag mit vielen Informationen, Diskussionen und Emotionen. Vielleicht wurde die eine oder andere Frage beantwortet, aber mindestens genauso viele neue sind wohl dazugekommen (Bild 01). Mit ein bisschen Glück bringt dieser Nachmittag bald neue Kooperationen zustande, beispielsweise zum Thema Süditalien.

Wer die zweite Dolmetschkonferenz verpasst hat, muss sich nun ein wenig gedulden: Am Institut für Translationswissenschaft werden jedes Sommersemester Konferenzen zu verschiedenen, aktuellen Themen organisiert und von Studierenden der MA-Spezialisierung Konferenzdolmetschen simultan in die Institutssprachen Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch, Russisch und Spanisch gedolmetscht. Sie dürfen gespannt sein, zu welchen Themen das INTRAWI im nächsten Frühjahr/Sommer einladen wird!

Text: Hubert Rinner
Fotos: Elvira Iannone