Freitag, 15.04.2016

Gastvortrag

Probleme der Gemeinsprache in Fachtexten:
Korpuslinguistische Verfahren zur Aufdeckung von Mehrdeutigkeit und unpräzisen Ausdrucksweisen

 

10:15 - 11:45 Uhr

Ulrich Heid
Prof. Dr. Ulrich Heid
 © Paula Rathjen, Universität Hildesheim

SR 2, 3.Stock, Institut für Translationswissenschaft

 

 

Vortragender

Dr. Ulrich Heid
Professor für Computerlinguistik, Universität Hildesheim

 

Kontakt

Univ.-Prof. Dr. Pius ten Hacken
Institut für Translationswissenschaft
  +43 512 507-42450   Pius ten Hacken

 

Inhalt

In einer international tätigen Firma wie Daimler AG werden sehr viele Fachtexte produziert, sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch. Bei der Erstellung solcher Texte ist es wichtig, dass sie genau und eindeutig formuliert werden. Die TexterstellerInnen übersehen aber leicht die Probleme, die sich dabei ergeben. Eine korpusbasierte Analyse hilft aber, die Problemstellen in so einem Text zu finden. In der Präsentation wird für eine ganz spezifische Textsorte erklärt, wie dies funktioniert.

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Guter Stil: der Computer als Hilfe

Am 15. April 2016 war Prof. Dr. Ulrich Heid in Innsbruck zu Gast. Er ist Professor für Computerlinguistik an der Universität Hildesheim und gehört zu den erfolgreichsten Computerlinguisten im deutschsprachigen Raum. In Innsbruck hat er von einem Forschungsprojekt berichtet, das er in Zusammenarbeit mit der Daimler AG durchführt. In solch einer international tätigen Firma werden sehr viele Fachtexte produziert, sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch. Bei der Erstellung entsprechender Texte ist es wichtig, dass sie genau und eindeutig formuliert werden. Die TexterstellerInnen übersehen aber leicht die Probleme, die sich dabei ergeben.

Einerseits handelt es sich dabei um grammatikalische Mehrdeutigkeiten. Wenn jemand schreibt “die Beschreibung der Schnittstellen enthält das Kapitel XY”, so könnte die Beschreibung das Kapitel enthalten oder das Kapitel die Beschreibung. Andererseits gibt es Wörter, die Vagheit herbeiführen. Wenn jemand schreibt “langes Drücken des Knopfs bewirkt…”, so bleibt unklar, wie lange der Knopf gedrückt werden muss. ÜbersetzerInnen kennen derartige Probleme. Sie treten genauso auf, wenn die Texte übersetzt werden müssen. Um solche Probleme automatisch zu erkennen, wird spezialisierte Software entwickelt. Wichtig dabei ist, dass nicht zu häufig Probleme signalisiert werden, wenn es keine gibt. Sonst wären die AutorInnen, die die Software benutzen, schon bald so irritiert, dass sie aufhören, auf die Meldungen zu achten. Gleichzeitig sollten auch keine Probleme übersehen werden. Das Projekt, das Ulrich Heid vorgestellt hat, hat als Ziel, Software zu entwickeln, die mögliche Probleme in der Formulierung von fachsprachlichen Texten angibt, aber nur dann, wenn sie tatsächlich bestehen.

Um entsprechende Software zu entwickeln, werden große Mengen Text analysiert und von Hand annotiert. Manche Probleme lassen sich auf diese Weise ziemlich gut erkennen. In anderen Fällen ist die automatische Erkennung viel schwieriger. Wie bei vielen anderen sprachlichen Computeranwendungen ist es auch hier die menschliche Intelligenz, die schlussendlich den Ausschlag geben sollte.

Ulrich Heids Vortrag wurde rege besucht und sehr gut aufgenommen, sowohl von Studierenden und Lehrenden der Translationswissenschaft, als auch von anderen Instituten der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät.

Text: Pius ten Hacken
Foto: © Paula Rathjen, Universität Hildesheim