02.06.2014

Exkursion

Brüssel-Exkursion zur Europäischen Kommission,
Generaldirektion Dolmetschen

 

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Univ.-Prof. Dr. Lew Zybatow
Institut für Translationswissenschaft
  Lew Zybatow

Vom 2. bis zum 4. Juni besuchten zwölf unserer Studierenden in Begleitung von Prof. Lew Zybatow das Dolmetsch-Mekka der EU, um erste Einblicke in den Berufsalltag der Profis der Europäischen Kommission zu bekommen.

MA-Studierenden der Spezialisierung Konferenzdolmetschen stellen sich einige Fragen, die einem immer wieder im Kopf herumgeistern: Hat man selbst überhaupt das Zeug dazu, diesen Beruf auszuüben? Gibt es genug Arbeit? Ist die angestrebte Karriere überhaupt die richtige? Die Frage aller Fragen für den überzeugten Dolmetschstudierenden jedoch bleibt folgende: Ist es für einen Normalsterblichen überhaupt möglich, der Elite der europäischen Dolmetscherzunft beizutreten? Dieser Ausflug sollte endlich einige Antworten liefern und gleichzeitig ein einzigartiges Erlebnis und eine wertvolle Erfahrung für die teilnehmenden Studentinnen und Studenten des Intrawi sein.

Die erste Möglichkeit, Antworten zu finden, bot gleich der erste Tag. Um 9.30 Uhr wurden unsere Studierenden zusammen mit jenen des Zentrums für Translationswissenschaft Wien im Konferenzzentrum „Albert Borschette“ von den EU-Dolmetscherinnen Andrea Huppman, Martina Dethlefs und der Referatsleiterin der deutschen Kabine, Carlota Jovani, empfangen. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde wurden erste Einblicke in das Aufnahmeverfahren für Dolmetscher gewährt. Nach einigen Vorträgen am Vormittag gab es Mittagessen in der Kantine, wo man den dort anwesenden Dolmetschern deren Mittagspause mit tausend Fragen über ihren Beruf versüßen durfte. Gestärkt ging es am Nachmittag dann zum ersten Mal ans Eingemachte: Bei einem Mock-Test durften bzw. mussten zwei der Studierenden an einer Simulation des Aufnahmetests teilnehmen. Sieht man von den rund 25 Zuschauern im Konferenzraum ab, sollte so den zwei mehr oder minder Freiwilligen aufgezeigt werden, wie eine reale Prüfungssituation vonstatten läuft. Zwei Wiener Studentinnen stellten sich der Aufgabe und hatten das Vergnügen, eine aus dem französischen vorgetragene Rede vor den kritischen Augen – und vor allem Ohren – der „Prüfungskommission“ und dem zum Teil unbekannten Publikum konsekutiv ins Deutsche zu dolmetschen. Dass diese Prüfung kein Zuckerschlecken ist, bewies die anschließende Bewertung der Prüferinnen, die in die Kategorie ziemlich hart, aber fair fiel. Anschließend durften sich die meisten in der Kabine an einer Simultanverdolmetschung versuchen, um sich schon ein wenig auf die nächsten Tage einzustimmen.

Die folgenden beiden Tage sollten schließlich den Höhepunkt dieser Exkursion darstellen. Bei offiziellen Sitzungen einiger Gremien der EU-Kommission durften die Studierenden in so genannten stummen Kabinen Platz nehmen, um dort unter realistischen Bedingungen ihre Simultanverdolmetschungen zum Besten zu geben ohne von jemandem gehört zu werden. Während vormittags vorwiegend versucht wurde, diese Aufgabe zu meistern, traten nach dem Mittagessen bei vielen schon die ersten Verschleißerscheinungen auf. Umso bewundernswerter war es mit anzusehen, wie die Profis hochkonzentriert die stundenlangen Sitzungen meisterten ohne jemals ins Schwanken zu geraten.

Wenn auch kurz, waren diese drei Tage in Brüssel sehr aufschlussreich und für manche gar richtungsweisend. Ob in dieser kurzen Zeit auf all die Fragen auch Antworten gefunden wurden, bleibt offen. Dass dieser Ausflug dennoch einen wichtigen Gesamtüberblick lieferte und dadurch Informationen verarbeitet und wertvolle Erfahrungen gesammelt wurden, darüber dürften sich alle Beteiligten einig sein. Unsere Delegation aus Innsbruck kann auf alle Fälle auf ein außergewöhnliches Erlebnis zurückblicken, dass auch zukünftigen Dolmetschaspiranten nur zu empfehlen ist.

Text: Andreas Inama