Oliver von Malm

...vom Einsiedlerdasein in Kaltenbach über Oslo, London und Peking nach München.
Oliver von Malm
(Credit: Klaus Pichler / ÖAW)


 

 

 

 

 

Was hat Sie damals an die Universität Innsbruck gezogen? Ich wohnte damals in Zürich und wartete noch auf einen Studienplatz in Medizin. Da hatte ich plötzlich als ich im Wald joggen war und mir eine Wasserradkonstruktion ansah, die Eingebung, Architektur zu studieren. Es war im Feber 2006 und es war nur in Innsbruck möglich das Studium im Sommersemester zu beginnen. Als ich in Innsbruck anrief sagte mir eine sympathische Stimme, dass es kein Problem sei und ich einfach vorbeikommen und mich einschreiben solle. Gleichzeitig hatte ich noch eine günstige Wohnmöglichkeit auf einer Berghütte im Zillertal. So begann meine Zeit in Innsbruck.

Denke ich an Innsbruck, denke ich sofort an… eine sehr prägende Zeit in meinem Leben. Zunächst das Einsiedlerdasein auf der Hütte in Kaltenbach und das Pendeln zur Uni, dann die intensive Studentenzeit, Wochen und Nächte im Zeichensaal AZ4 in dem ich auch oft übernachtet habe, statt zurück auf die Berghütte zu fahren.

Was war für Sie ein unvergessliches Erlebnis Ihrer Studienzeit? Das Entwerfen in Portugal mit Prof. Giencke.

Gab es Momente oder Personen in Ihrem Studium, die Sie besonders geprägt haben? Es waren viel die langen Schichten im Zeichensaal, die ich besonders häufig mit meinem Kollegen Christoph Eppacher dort verbracht habe. Man hat sich gegenseitig motiviert und dadurch ein hohes Qualitätsniveau erreichen können.

Aus meinem Studium habe ich noch… viele nette Kollegen mit denen ich mich immer wieder austausche.

Waren Sie im Ausland? War das für Sie aus heutiger Sicht wichtig? Ich hatte das Glück, bei zwei meiner Professoren, die auch sehr bekannte Architekten sind, ein Praktikum machen zu können. Nach dem 3. Semester war ich für 6 Monate in Oslo bei Kjetil Thorsen in seinem Büro Snohetta sowie nach dem 6. Semester für 8 Monate bei Patrik Schumacher in London und Peking für Zaha Hadid Architects. Diese beiden Praktika haben mich sehr geprägt. Auch wenn ich heute in einem komplett anderen Thema als Architekt tätig bin, bediene ich mich weiterhin der digitalen und entwerferischen Fähigkeiten die ich mir in dieser Zeit angeeignet habe.

Wie hat sich Ihr Weg vom Studium bis heute entwickelt? Im Endeffekt habe ich das Thema meiner Masterarbeit, die Entwicklung einer günstigen Bauweise für Behausungen in Slums im globalen Süden bis heute weitergeführt und mache dies nun zum einen hauptberuflich mit meiner gemeinnützigen GmbH Start Somewhere und zum anderen promoviere ich aktuell in diesem Bereich. Das Schulgebäude, das ich in meiner Masterarbeit entworfen hatte haben wir tatsächlich Ende letzten Jahres fertig gebaut.

Haben Sie nach dem Studium eine andere berufliche Richtung eingeschlagen? Nein, ich würde in jedem Fall wieder Architektur studieren. Physik oder Philosophie interessieren mich zwar auch aber ich denke da würde ich den künstlerischen Anspruch vermissen. Ebenso muss ich ehrlich gestehen, dass ich dazu nicht die spezielle Begabung gehabt hätte, wie manche meiner Mitschüler damals.

Welche im Studium erworbene Qualifikation hilft Ihnen im heutigen Beruf am meisten? Das unvoreingenommene Zugehen auf Problemstellungen unterschiedlichster Natur. Im Architekturstudium an der Uni Innsbruck war die Diversität der Aufgaben und Institute sehr hoch, was ich immer sehr geschätzt habe. Alles andere als "schulmäßig".

Was war bis jetzt Ihr schönstes Erlebnis in Ihrer beruflichen Laufbahn? Zu sehen, dass ich tatsächlich mit der Entwicklung des Bausystems 5 feste Arbeitsplätze in einer Betonsteinmanufaktur im Kibera Slum schaffen konnte. Und zu sehen, dass es tatsächlich funktioniert, auch aus der Ferne ein großes Projekt wie den Schulbau zu koordinieren wodurch ich durch Corona in 2020 gezwungen war.

Was möchten Sie gerne noch erreichen – beruflich oder privat? Ich möchte gerne, dass mehr und mehr Menschen unabhängig anfangen das Bausystem zu nutzen und davon profitieren. Selbst möchte ich das System gerne noch konstruktiv und materialtechnisch im nachhaltigen Sinne weiterentwickeln. Privat bin ich sehr zufrieden wie es ist.

Was würden Sie heute anders machen? Nichts.

Studierenden rate ich… nicht zu schnell zu studieren, sich Zeit nehmen für das was einen wirklich interessiert, den Dingen auf den Grund gehen, ins Ausland gehen, Erfahrungen sammeln mit Praktika und Erasmus und ganz wichtig: Studieren was einem Spaß macht, nicht was man studieren sollte aus welchen Gründen auch immer.

Was war zu Studienzeiten Ihr Lieblingsort in Innsbruck/an der Universität? Das Hafelekar. Der Ausblick vor der Abfahrt über die Direttissima.

Was verbindet Sie heute noch mit der Universität? Die Dissertation im Rahmen des ÖAW DOC Stipendiums.

Ich wollte immer schon einmal... beim Hafelekar hinten runter fahren. Ich hoffe ich mach es eines Tages noch.

 

 

 

Stand: Juni 2021

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