Mag. Dr. Armin Wolf MBA

Politikwissenschaft, Soziologie, Publizistik und Zeitgeschichte

 

Armin Wolf

  

 





 

Try. Fail. Try again. Fail better.

 

ZiB2 – Anchorman Dr. Armin Wolf ist gebürtiger Innsbrucker. Er hat seine Karriere in Tirol mit einem Studium an der LFU Innsbruck begonnen und in Wien fortgesetzt. Wir haben Dr. Wolf zu seiner Karriere und seinen Zielen befragt.

 

In der Medienlandschaft arbeiten sehr viele Studienabbrecher. Sie haben nicht nur ein Diplomstudium, sondern nun auch ein Doktorat abgeschlossen – an der LFU Innsbruck. Wie sehen Sie Ihre Studienzeit?

 

Ich habe nie „nur“ studiert, sondern musste vom Tag nach meiner Matura an immer arbeiten, um mein Studium zu finanzieren. Und relativ schnell habe ich dann mehr gearbeitet als studiert und dann überhaupt lange unterbrochen. Beendet habe ich mein Diplomstudium übrigens in Wien. Da waren wir 4.000 Politikstudenten - in Innsbruck, als ich 1985 begonnen habe, waren wir 70. Das Doktorat habe ich dann wieder in Innsbruck gemacht, weil ich meine Dissertation bei Prof. Plasser schreiben wollte, DEM Experten zum Thema politische Kommunikation.

 

Warum haben Sie sich für ein Doktorat entschieden?

 

Weil ich ein spannendes Thema für meine Diss hatte – prominente Quereinsteiger in der Politik – und weil mich Wissenschaft immer fasziniert hat. Außerdem bin ich nicht sicher, ob ich bis zur Pension Journalist bleiben will. Und sollte ich je irgendwas im Uni- oder FH-Sektor machen wollen, ist ein Doktorat natürlich sinnvoller als ein Magisterium.

 

Was macht aus Ihrer Sicht die Faszination des Journalismus aus? Haben Journalisten einen besonderen gesellschaftlichen Auftrag?

 

Man kann überall dabei sein, wo was los ist und jeden (fast) alles fragen. Und man wird auch noch dafür bezahlt. Für neugierige Menschen gibt es keinen besseren Beruf. Den gesellschaftlichen Auftrag von Journalisten hat die BBC mal sehr schön definiert, finde ich: „Wir wollen dazu beitragen, dass unsere Seher und Hörer qualifizierter am demokratischen Diskurs teilnehmen können.“ Man könnte es auch etwas pathetischer mit dem großen Wort „Aufklärung“ beschreiben.

 

Was war Ihr Schlüsselerlebnis und entscheidend für die Berufswahl?

 

Das „Schlüsselerlebnis“ war, dass mich der damalige Chefredakteur im ORF-Landesstudio Tirol im Mai 1985 als Praktikanten aufgenommen hat. Hätte er das nicht gemacht, wäre ich vielleicht doch Politikwissenschaftler an der Uni geworden.

 

Was war Ihre schwärzeste Stunde bzw. Ihr schönstes Erlebnis in Ihrer beruflichen Laufbahn?

 

So richtig schwarze Stunden gab es bisher eigentlich keine - und schöne Erlebnisse ganz viele. Ein besonderer Moment war natürlich der Robert-Hochner-Preis letztes Jahr. Robert war nicht nur ein Freund und ein toller Mensch, sondern wahrscheinlich der beste Fernseh-Moderator, den der ORF je hatte. Einen Preis zu gewinnen, der nach ihm benannt ist, hat mich extrem gefreut. Das schönste war aber vielleicht, als ich letztes Jahr nach schlappen 40 Semestern nebenberuflichem Studium mein Doktoratsstudium doch noch abgeschlossen habe - mit einem Notenschnitt von 1,0. So richtig strebermäßig.

 

Einer der beliebtesten Berufe ist Journalist. Welche Qualitäten muss jemand haben, der sich in der Medienwelt behaupten will?

 

Neugier, Allgemeinbildung, Urteilsvermögen, Fleiß, maximale Unabhängigkeit, Skepsis, keinen falschen Respekt vor Autoritäten, die Fähigkeit zur Selbstkritik, eine gewisse sprachliche Gewandtheit, rasche Auffassungsgabe, Flexibilität.

 

Was sollen angehende Journalisten studieren oder zur Qualifizierung machen?

 

Was sie besonders interessiert. Was man mit Leidenschaft macht, macht man meistens ganz gut. Wenn es nicht unbedingt Publizistik ist, umso besser. Für Innenpolitik ist noch immer Jus sehr gut oder auch Geschichte, für Außenpolitik jedenfalls Sprachen - es gibt z.B. kaum österreichische Journalisten die Arabisch können oder Chinesisch. Daneben sollte man möglichst viele Praktika in möglichst vielen verschiedenen Redaktionen machen, um Erfahrungen zu sammeln und zu sehen, was einem liegt.

 

Wohin wird sich ihrer Meinung nach der Journalismus in Österreich entwickelt - noch mehr Medienkonzentration?

 

Der Journalismus wird noch PR-getriebener sein, in den Redaktionen wird noch mehr gespart, die Journalisten müssen noch mehr „technische“ Aufgaben übernehmen wie Layout in der Zeitung und Dreh oder Schnitt im Fernsehen und für noch mehr verschiedene Plattformen produzieren. Der Medienbetrieb wird noch mehr als heute ökonomisch dominiert sein und noch weniger publizistisch. Die Journalisten werden immer besser ausgebildet sein und doch immer seltener ordentliche Arbeitsverträge haben. Die Konkurrenz wird noch größer werden.

 

Herr Dr. Wolf, Sie sind gebürtiger Innsbrucker, der schon lange in Wien lebt und arbeitet. Stimmt es, dass sie eigentlich einmal Universitätsprofessor werden wollten. Wenn ja, welches Fach? Warum haben Sie sich anders entschieden?

 

Ich habe begonnen, Politik zu studieren, weil ich Uni-Professor für Politikwissenschaft werden wollte. Journalist bin ich dann geworden, weil ich beim ORF als freier Mitarbeiter deutlich besser bezahlt wurde als an der Uni als Student und mir mein Leben finanzieren musste. Die journalistische Arbeit hat mir aber Riesenspaß gemacht und irgendwann war es dann mein Beruf.

 

Sie sind an der LFU Innsbruck als Lehrbeauftragter tätig. Was begeistert Sie an der Lehrtätigkeit mit Studierenden? Was können die HochschülerInnen bei Ihnen studieren?

 

Ich habe immer gerne unterrichtet und mache das schon ziemlich lange - auch an anderen Unis und FHs und in der ORF-Ausbildungsabteilung. Ganz ursprünglich wollte ich ja - wie viele Journalisten - Lehrer werden. In Innsbruck halte ich ein Proseminar über die „Praxis des Interviews in Hörfunk und Fernsehen“ im Rahmen des Medienschwerpunktes an der Politikwissenschaft.

 

Was möchten Sie noch gerne beruflich erreichen?

 

Beruflich erreichen will ich heute das Gleiche, wie schon als ganz junger Journalist mit 20: Das, woran ich gerade arbeite, so gut zu machen, wie ich nur kann. Und es morgen besser zu können als gestern. In dieser Beziehung bin ich sehr ehrgeizig - was Posten betrifft eher nicht.

 

Was ist Ihr Lebensmotto?

 

„Der Kopf ist rund, damit die Gedanken ihre Richtung ändern können.“ Ganz hübsch finde ich auch Samuel Beckett: „Try. Fail. Try again. Fail better.“

 

Was würden Sie den Studierenden an der LFU Innsbruck mit auf den Weg geben?

 

Have fun!

 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

Zur Person:

 

Der gebürtige Innsbrucker (Jahrgang 1966) studierte Politikwissenschaft, Soziologie, Publizistik und Zeitgeschichte in Innsbruck und Wien (Mag. Dr. phil.), sowie Betriebswirtschaft in Berlin (MBA).

Seine journalistische Laufbahn begann Armin Wolf unmittelbar nach der Matura als Radioreporter im ORF-Landesstudio Tirol. Es folgten Stationen als Außenpolitik-Redakteur bei Ö1 und als USA-Korrespondent in Washington. Seit 1995 arbeitet er für das ORF-Fernsehen, seit 2010 ist er stellvertretender Chefredakteur der TV-Information.

Bekannt wurde Armin Wolf als Moderator der „ZiB 2“ (seit 2002) und der ORF-„Sommergespräche“. Für seine Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnet, u.a. als „Journalist des Jahres“ und mit drei „Romys“ als beliebtester TV-Moderator. 2013 erschien sein jüngstes Buch „Wozu brauchen wir noch Journalisten?“ (Picus-Verlag, Wien).