FORSCHUNGSPROJEKTE

 

» DIE RUSSISCHE MODERNE IM INTERMEDIALEN SPANNUNGSFELD VON LITERATUR UND FILM. Komparatistische Analysen unter besonderer Berücksichtigung des Frauenbildes und der (weiblichen) Körpersprache

Mittelgeber: Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung / Vizerektorat für Forschung der Universität Innsbruck

Projektleiterin: Dr. Dunja Brötz

Laufzeit: 1. August 2008 – 31. Dezember 2008

Die Spuren der drei berühmten russischen Dichter Alexander Puschkin, Fjodor Dostojewskij und Anton Tschechow lassen sich bis heute in den verschiedensten Kunstrichtungen und auch in den modernen Medien aufspüren. Im Projekt »Die russische Moderne im Spannungsfeld von Literatur und Film« wurde die Bedeutung dieser drei Dichter für den internationalen Film untersucht, denn ihre Werke stellen bis heute ein enormes Anregungspotential für Filmemacher und Regisseure dar. Dies beweist allein die Tatsache, dass Dostojewskijs Werk Verbrechen und Strafe (besser bekannt unter dem Titel Schuld und Sühne) zu den meistverfilmten Romanen aller Zeiten zählt. Besonderes Augenmerk wurde im Rahmen des Forschungsvorhabens auf die Untersuchung der weiblichen Figuren und der nonverbalen Kommunikation gelegt, denn die Zusammenhänge zwischen den innovativen Protagonistinnen und der Körpersprache in den Werken der drei genannten Dichter wurden bisher noch kaum erforscht. Ein Ziel war es deshalb die Bedeutungsunterschiede zwischen im Film gezeigter und in Literatur beschriebener, menschlicher Körpersprache herauszuarbeiten und zu analysieren.


 

» EXPERIMENT DER FREIHEIT – RENAISSANCE UND REVOLUTION. Zwei Leitthesen zur russischen Moderne im europäischen Vergleich

Mittelgeber: FWF – Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung

Laufzeit: 1. September 2005 – 1. Februar 2008

Projektleiterin: Prof. Dr. Maria Deppermann, Projektmitarbeiterinnen: Dr. Barbara Aufschnaiter und  Dr. Dunja Brötz

Auch im Folgeprojekt zu »Experiment der Freiheit. Russische Moderne im europäischen Vergleich« (Siehe unten) basierte die Ausgangssituation auf der Erkenntnis, dass die Russische Moderne in der Forschung zu sehr als nationale Sonderentwicklung und zu wenig im internationalen Vergleich betrachtet wird. Obwohl sie in der europäischen Moderne immer schon eine herausragende Stellung einnahm, wurde sie innerhalb der neuen, auf Westeuropa fixierten Forschung zur Ästhetischen Moderne vernachlässigt. Im Rahmen des Projektes wurde versucht, die Russische Moderne als Makroepoche zu analysieren, deren Ursprung – ebenso wie jener der westeuropäischen Moderne – in der ersten »Sattelzeit« um 1800 zu finden ist. Sie wurde als ein nationales und universales Kulturphänomen betrachtet, welches auf der Ästhetik und Poetik der Romantik (1820-1850) basiert. Der Romantik entstammt auch das nationale Spezifikum der Russischen Moderne: die Identitätsdebatte zwischen Westlern und Slawophilen, die die Thematik des »realistischen« Romans (insbesondere Dostojewskij) speiste. Die Russische Moderne entfaltete sich in drei Stadien: 1. Literatur, Kunst und Kultur der nationalen Bewusstwerdung (1860–1890), 2. Literatur, Kunst und Kultur des kosmopolitischen Fin de siècle (1890–1921) und 3. Literatur, Kunst und Kultur der Historischen Avantgarde der Zwanziger Jahre. Das reiche Innovationsangebot der Russischen Moderne für die gesamteuropäische Kultur wurde in einzelnen Publikationen der Projektleiterin und der Projektmitarbeiterinnen im interkulturellen und intermedialen Maßstab untersucht.



» LITERATUR UND POLITIK ANHAND DES BALKANKONFLIKTES

Mittelgeber: TWF – Tiroler Wissenschaftsfonds
Projektleitung: Martin Sexl, Projektmitarbeiterin: Julia Oberlohr
Laufzeit: 1. Juli 2006 – 30. Juni 2007

In diesem Projekt ging es um eine literaturwissenschaftliche Aufarbeitung der Thematisierung des Balkan- und Jugoslawienkonfliktes (vor allem der 1990er-Jahre) in literarischen und semidokumentarischen Texten. Im Zentrum standen die österreichischen Schriftsteller Peter Handke, Norbert Gstrein und Milo Dor sowie deren Rezeption (etwa in Tages- und Wochenzeitungen).

Drei Monographien waren das Ergebnis des Projektes:

Martin Sexl / Arno Gisinger: Hotel Jugoslavija. Die literarische und mediale Wahrnehmung der Balkankonflikte. StudienVerlag, Innsbruck 2008, 208 pp.

Martin Sexl: Zoran Konstantinović im Gespräch. Literatur – Wissenschaft – Gesellschaft – Politik, innsbruck university press, Innsbruck 2009, 74pp.

Martin Sexl / Arno Gisinger: Imagined Wars. Mediale Rekonstruktionen des Krieges. innsbruck university press, Innsbruck 2010, 176pp.


 

» EXPERIMENT DER FREIHEIT. Russische Moderne im europäischen Vergleich

Mittelgeber: FWF – Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung

Projektleiterin: Prof. Dr. Maria Deppermann; Projektmitarbeiterinnen: Mag. Barbara Aufschnaiter und Mag. Dunja Brötz

Laufzeit: 1. Februar 2002 – 15. Juli 2005

Ziel des Projektes war es, die Russische Moderne als wesentlichen, aber sträflich vernachlässigten Bereich des kulturellen Gedächtnisses in Europa nach dem neuesten Stand der Forschung (zur Semiotik, Komparatistik, Slawistik, zur ästhetischen Moderne, zu Avantgarde und kulturellem Gedächtnis) zu analysieren. Da die Russische Moderne als Makroepoche in der Forschung zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch immer zu sehr als nationale Sonderentwicklung und zu wenig im internationalen Vergleich betrachtet und ihre herausragende Leistung im Rahmen der »ästhetischen Moderne« (Adorno) nicht angemessen erkannt und dokumentiert wurde, sollte sie im europäischen Maßstab komparatistisch neu bewertet werden, und zwar ohne ideologische Scheuklappen. Die kulturelle Einheit der spannungsgeladenen Epoche sollte methodisch rekonstruiert und neu perspektiviert werden als »une composante contrastée« (Chevrel). Untersucht wurde die Russische Moderne anhand folgender Hypothesen und Prämissen: das »Experiment der Freiheit« als Leitidee, künstlerisches Credo und Impuls für ästhetische Innovationen; die Problemspannung von »Renaissance und Revolution« als heuristisches Begriffspaar der Kulturtypologie. Sie verbinden exemplarisch Autoren wie Puschkin als Gründerfigur, Dostojewskij als Portalfigur und Tschechow als Integrationsfigur der ästhetischen Moderne in Russland.


 

» DIE LITERATUR DER ROMA UND SINTI

Mittelgeber: FWF – Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung

Projektleiterin: Univ.-Prof. Dr. Fridrun Rinner; Projektmitarbeiterinnen: Beate Eder-Jordan und Prof. Mozes F. Heinschink

Laufzeit: zwei Projekte in den 1990er-Jahren

Die Literatur der Nicht-Roma war wesentlich daran beteiligt, das Stereotyp des »Zigeuners« zu erschaffen, zu tradieren und somit zu verfestigen; in ihrer eigenen Literatur hingegen eintwerfen die Roma ein komplexes Bild des Menschen, der sich hinter dem Stereotyp verbirgt. Der »Zigeuner«/die »Zigeunerin« sind Konstruktionen der Nicht-Roma, die durch ihre Diskurse den Roma das Mensch-Sein absprachen – mit fatalen Folgen. In ihrer Literatur »erschreiben« sich die Roma wieder das Mensch-Sein.

Im Mittelpunkt der Projekte stand die Untersuchung der spezifischen Entstehungsbedingungen und Charakteristika sowie der identitätsstiftenden Funktionen von Roma-Literatur aus komparatistischer Perspektive.