Forschungsschwerpunkte - Projekte

In meinen bisherigen Forschungen habe ich mich mit empirischen und theoretischen Fragen im Spannungsfeld zwischen Inklusions- und Exklusionsforschung, sozialer Ungleichheitsforschung, der Soziologie der Sozialpolitik, der Biographieforschung und der Wissenssoziologie beschäftigt.

Methodisch habe ich den Schwerpunkt auf die qualitativen rekonstruktiven Methoden gelegt und an einer Verknüpfung von wissenssoziologischen Semantik- und Diskursanalysen und Biographieforschung einerseits, andererseits an der Weiterentwicklung visueller Methoden (vgl. Globisch/Ernst 2007) gearbeitet.

In meinem Dissertationsprojekt („Radikaler Antisemitismus. Inklusions- und Exklusionssemantiken von links und rechts in Deutschland“) habe ich mich mit „Konstruktionen des Anderen“ auf der Ebene medialer Erzeugnisse beschäftigt. Ziel war es einerseits, die Antisemitismusforschung an die neuesten Entwicklungen der soziologischen Theorie anzuknüpfen, andererseits Semantiken in sich widerstreitenden Handlungkontexten zu untersuchen. Auf dem Prüfstand stand daher die Luhmannsche These einer relativ kontextunabhängigen Semantik. Mit Hilfe einer Kombination aus Fallrekonstruktionen und Inhaltsanalysen wurde das linke und das rechte Spektrum in Deutschland über 10 Jahre (1989-2009) hinweg untersucht. Ergebnis war eine Rekonstruktion und analytische Differenzierung antisemitischer, israelfeindlicher und rassistischer Semantiken in beiden verschiedenen Spektren, die auf einen generalisierten Antisemitismusbegriff verwies, jedoch die handlungsspezifischen Kontexte bei der Entstehung von Semantiken sowie Variationen in der Einbettung und Konstruktion der Wir-Gruppen zum Ergebnis hatte.

In einem weiteren Projekt ("Die radikale Rechte und der Zweite Weltkrieg") habe ich mich mit den historischen Bezügen und gegenwärtigen Entwicklungen der europäischen Rechten beschäftigt, welches im Rahmen des interdisziplinären Forschungsnetzwerkes (Villigster Forschungsforum) „Nationalsozialismus, Antisemitismus und Rassismus“ entstanden ist. Dort spielten Fragen der historischen Genese der europäischen Rechten sowie deren gegenwärtigen Dynamiken zwischen temporären Bündnissen und ideologieimmanenten Zerfall eine Rolle. In Zusammenarbeit mit zwei Kolleg_innen aus der Geschichtswissenschaft entstand die Tagung „Die radikale Rechte und der Zweite Weltkrieg, die von der Alfried-Krupp-Stiftung und der ZEIT-Stiftung gefördert wurde. Aus diesem Projekt entstanden mehrere Publikationen (vgl. Globisch/Pufelska/Weiß 2011, Globisch 2010)

In meinen anschließenden Studien zu Armutsdynamiken standen neben Inklusions- und Exklusionssemantiken die institutionellen und subjektseitigen Handlungsspielräume im Rahmen (sozial-)politischer Reformen im Vordergrund. Die Forschungen der Armutsdynamiken sind regional wie international vergleichend angelegt. Im  Vordergrund stehen hier die Aneignungsprozesse aktivierender Sozialpolitik im Spannungsfeld zwischen Diskurs und Biographie. Dabei spielen Fragen nach den Pfadabhängigkeiten und der Verfestigung und Überwindung der Armutslage genauo eine Rolle wie milieu- und biographie-, geschlechts- und migrationsspezifische Krisenroutinen. Meine Habilitationschrift (Zwischen Autonomie und Heteronomie: Die Arbeitslosen der Aktivierungsgesellschaft) fokussiert auf Frage der Handlungsspielräume von sowohl Beraterinnen der Sozialverwaltung sowie arbeitslosen Transferleistungsempfänger_innen und nimmt damit sowohl professions-, organisations- sowie milieu- und biographietheoretische Fragen in den Blick.