Forschung

Was wollen wir?

Das KMU & Tourismus Team beschäftigt sich mit für das Land Tirol höchst relevanten Fragestellungen rund um Klein- & Mittel- und Familienunternehmen mit besonderer Berücksichtigung des Tourismus. Dabei beleuchten wir sowohl die Angebots- (Unternehmen) als auch die Nachfrageseite (Kunden). Es ist unser Ziel, einerseits wissenschaftliche Beiträge in Top-Journalen zu publizieren, andererseits aber auch Hilfestellung bei praxisrelevanten Problemlösungen für unsere Region zu liefern.

"KMU & Tourismus" bietet hierzu forschungsgeleitete Unterstützung. Außerdem ist es uns wichtig, wissenschaftlich fundierte und praxisrelevante Lehre durchzuführen. So möchten wir StudentInnen in die Wirtschaft, aber auch die Wirtschaft zu unseren StudentInnen bringen!

Warum braucht es uns?

Die Bedeutung der KMU Forschung zeigt sich in der Existenz einer Vielzahl von Lehrstühlen und Forschungsinstituten, aber auch in der Prominenz internationaler Top-Journale (Journal of Small Business Management, Small Business Economics, International Small Business Journal, International Journal of Entrepreneurial Venturing etc.), die sich ausschließlich mit kleinen oder mittleren Unternehmen beschäftigen.

Die Forcierung der KMU und Entrepreneurship-Forschung im Allgemeinen und für den Tourismus im Besonderen ist aufgrund folgender Besonderheiten wichtig:

Tourismusunternehmen sind zum Großteil Klein- oder gar Mikrounternehmen (Getz & Carlsen, 2000), die besonderen Charakteristika unterworfen sind. Über 92% aller Unternehmen in der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft haben durchschnittlich weniger als 10 Mitarbeiter, in der Hotellerie über 72% der Unternehmen (Peters & Buhalis, 2013; WKO, 2010).

Tourismusunternehmen sind außerdem zum Großteil Familienunternehmen (Getz & Carlsen, 2005). Das System „Familie“ beeinflusst unternehmerische Entscheidungen in allen Belangen, so dass nicht ausschließlich betriebswirtschaftliche Prämissen gelten (Hammer & Hinterhuber, 1994). Strategische Entscheidungen, interne Prozesse, aber auch die Leistungserstellung an Sich erfolgt nach spezifischem Muster, so dass sich in der Realität durchaus auch Wettbewerbsvorteile von touristischen Familienunternehmen ausmachen lassen (siehe hierzu bspw. Peters & Kallmünzer, 2015). Die vordringlichste Diskussion wird derzeit über der Gestaltung der Nachfolge geführt, wobei weitere Themen wie Qualifikation, Karrierepfadentwicklung oder Familien-Branding beleuchtet werden sollten (siehe hierzu bspw. Peters et al., 2012; Märk et al. 2010).

Zudem sind diese Tourismusunternehmen stets Teil einer touristischen Wertkette. Der zu produzierende Wert wird also von einer Vielzahl von Unternehmen bereitgestellt und nur mit viel Aufwand kann ermessen werden, welche Leistung für den Kunden am Ende des Urlaubs den Kernwert darstellt. Somit wird die Messung des Innovationspotenzials einzelner Unternehmen deutlich erschwert, zum anderen zeigt sich aber, wie wichtig eine Abstimmung einzelner oder gemeinsamer Produktentwicklungsprozesse ist (Pikkemaat & Peters, 2006).

Wertkreation findet zudem vermehrt gemeinsam mit den Kunden statt. „Customer Co-Creation“, d.h. die Partizipation des Kunden an den nutzenstiftenden Aktivitäten eines Unternehmens ist einer der bedeutendsten Marketing- und Managementwissenschaftlichen Forschungsströme der letzten Jahre. Für die Tourismusindustrie bietet diese Forschungsausrichtung einen Mehrwert, da sie (1) die Motivationsfaktoren von Kunden zur „Co-Creation“ aufzeigt, (2) untersucht, wieweit das Unternehmen den Kunden bei der „Co-Creation“ unterstützen kann und (3) die Auswirkungen der „Co-Creation“ auf die finanzielle und nicht-finanzielle Performance eines Unternehmens evaluiert. Es gilt daher aufzuzeigen, wie Tourismusunternehmen durch die Nutzung der Kompetenzen Ihrer Kunden die Unternehmensleistung steigern und gleichzeitig den wahrgenommenen Nutzen für den Kunden erhöhen können (siehe hierzu bspw. Grissemann & Stokburger-Sauer 2012).

Wie gehen wir's an?

Wir haben einige Kernthemen in der Forschung ausgearbeitet, die zum einen Forschungslücken sind, zum anderen aber auch in der (touristischen und KMU) Praxis eine große Rolle spielen. Bei vielen dieser längerfristigen Forschungsprojekte werden wir durch die Abschlussarbeiten von Doktoranten und MasterstudentInnen unterstützt. 

  

Wir werden auch mit den Innsbruck 2016 International Children Games kooperieren und einige Fragestellungen angehen, die sich mit den Effekten solcher Events auf die Region beschäftigen.

We will also cooperate with the Innsbruck 2016 International Children Games which takes place in January 2016 and analyse the effects of these games on tourism and on certain stakeholder groups in the region.

Literatur:

  • Getz, D., & Carlsen, J. (2000). Characteristics and goals of family and owner-operated businesses in the rural tourism and hospitality sectors. Tourism Management, 21(6), 547–560.
  •  Getz, D., & Carlsen, J. (2005). Family business in tourism. Annals of Tourism Research, 32(1), 237–258.
  •  Grissemann, U. S., & Stokburger-Sauer, N. E. (2012). Customer co-creation of travel services: The role of company support and customer satisfaction with the co-creation performance. Tourism Management, 33(6), 1483-1492.
  •  Hammer, R., & Hinterhuber, H. H. (1994). Die Sicherung der Kontinuität von Familienunternehmen als Problem der strategischen Unternehmensführung. In O. Rechenauer & C. Stumpf (Eds.), Die mittelständische Familienunternehmung: die Integration der beiden Subsysteme Familie und Unternehmung in den 90er Jahren (pp. 13–24). Frankfurt am Main: Peter Lang.
  • Peters, M., Raich, M., Märk, S., & Pichler, S. (2012). The role of commitment in the succession of hospitality businesses. Tourism Review, 67(2), 45–60.
  • Märk, S., Kraus, S., & Peters, M. (2010). Der Einfluss der Familie auf den Unternehmer: Eine qualitativempirische Untersuchung von Familienunternehmen auf Basis der Stewardship-Theorie. Zeitschrift für KMU und Entrepreneurship, 58(1), 31–59.
  • Peters, M., & Buhalis, D. (2013). SMEs in Tourism Destinations. In C. Costa, E. Panyik, & D. Buhalis (Eds.), Aspects of tourism: Vol. 60. Trends in European tourism planning and organisation (pp. 93–101). Bristol: Channel View Publications
  • Peters, M., & Kallmuenzer, A. (2015). Entrepreneurial orientation (EO) in family firms: the case of the hospitality industry. Current Issues in Tourism, forthcoming.
  • Pikkemaat, B., & Peters, M. (2006). Towards the measurement of innovation - A pilot study in the small and medium-sized tourism industry. Journal of Quality Assurance in Hospitality and Tourism, 3/4(6), 89-112.
  • WKO, Wirtschaftskammer Österreich (2010). Tourismus in Zahlen. Wien: WKO.