Die "Historiae Morborum" des Dr. Franz von Ottenthal

Datenbank zur medizin- und sozialhistorischen Untersuchung eines Hochtales im alpinen Kernraum (ein Interreg IIIA-Projekt)

(Elisabeth Dietrich-Daum, Andreas Oberhofer, Sabine Pitscheider, Elena Taddei, Alois Unterkircher)

 

Über 50 Jahre lang, von 1847 bis 1899, ordinierte Dr. Franz von Ottenthal als Allgemeinmediziner in Sand im Südtiroler Tauferer Ahrntal. Er notierte Namen, Alter und Wohnorte der PatientInnen, übersetzte ihre Beschwerden und Wünsche ins Lateinische, stellte seine Diagnose, verordnete Medikamente, vermerkte deren Erfolg oder Misserfolg und seine Einnahmen. Er hinterließ insgesamt 244 Hefte mit über 87.000 Krankengeschichten - die "Historiae Morborum".

ottenthal

Die Quelle präsentiert sich als tabellenförmige Niederschrift, die in einem von der Europäischen Union, dem Land Südtirol und dem Land Nordtirol finanzierten sechsjährigen Projekt in eine Datenbank übertragen wird. Ziel ist es, die Aufzeichnungen des Landarztes Ottenthal einer breiten wissenschaftlichen Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die "Historiae Morborum" dokumentieren über Jahrzehnte den Gesundheitszustand einer vorwiegend ländlichen, in einem geographisch und wirtschaftlich benachteiligten Raum lebenden Bevölkerung. Sie sind aber nicht nur Geschichten von Krankheiten und ihrer Verläufe oder pharmazeutischen Fortschritts, sondern geben auch Einblicke in das soziale Gefüge eines inneralpinen Tales und zeichnen das Leben und die Probleme einzelner Menschen nach. Mit dieser Perspektivisierung fügt sich das Projekt sehr gut in die Konzeption des Arbeitsbereichs „Medikale Kulturen“ innerhalb des fakultären Forschungsschwerpunkts „Schnittstelle Kultur“.

http://www.uibk.ac.at/ottenthal