Ascoli Satriano – Archäologische Forschungen

(Astrid Larcher, Florian Martin Müller)

 

grabung 

kieselmosaik 

schale 

Seit dem Jahr 1997 konnte das Institut für Archäologien der Universität Innsbruck Grabungskampagnen im kleinen süditalienischen Städtchen Ascoli Satriano in Nordapulien durchführen, einem Ort, der in vorrömischer Zeit als eines der Zentren der Daunischen Kultur zunehmend an Bedeutung gewann. Die Kultur der Daunier, einer Völkerschaft wohl illyrischer Herkunft, kann hauptsächlich durch Grabfunde in die Zeit zwischen dem 9./8. und dem 4. Jh.v.Chr. datiert werden, denn ganz offensichtlich wurde der Gestaltung und Ausstattung der Gräber großer Wert beigemessen, während die Behausungen aus organischem, vergänglichem Material nur teilweise auf Steinfundamenten standen und damit archäologisch nur sehr schwer fassbar sind. Ihre Siedlungen hatten dörflichen Charakter mit Gruppen von Hütten, und ihre Gräber befanden sich direkt im Bereich der Wohnstätten. Als kultische Anlagen können größere Gebäude mit festen Steinfundamenten oder Plätze mit ritueller Niederlegung von Gegenständen und Keramik identifiziert werden.

Die Forschungen der Universität Innsbruck konzentrieren sich auf zwei Bereiche: den Colle Serpente, den Hauptsiedlungshügel von Ascoli Satriano, der sich heute als Parco Archeologico dei Dauni einer breiten Öffentlichkeit präsentiert, sowie die Giarnera Piccola, einen ausgedehnten v.a. als Gräberfeld genutzten Bereich an einem der Hänge des Ortes. Während hier noch jährliche Grabungskampagnen - gleichzeitig auch als Lehrgrabungen im Rahmen des Studiums der Archäologien - stattfinden, sind die Arbeiten auf dem Colle Serpente abgeschlossen, und die Aufarbeitung sowie die anschließende Publikation des bisherigen Fundmaterials wird 2006 - 2009 im Zuge des FWF-Projektes "Archäologische Forschungen in Ascoli Satriano (Provinz Foggia / Italien)" durchgeführt werden. Im Rahmen einer Dissertation, finanziert durch ein Doktorats-Stipendium der „Nachwuchsförderung der Leopold-Franzens-Universität 2005“ ("Daunische Kieselpflasterungen als kulturhistorisches Phänomen"), wird auch speziellen Fragestellungen nachgegangen.

Die archäologischen Forschungen in Ascoli Satriano sehen sich als Teilbereich des Schwerpunktes Schnittstelle Kultur: Kulturelles Erbe – Kunst – Wissenschaft – Öffentlichkeit, da parallel zu den wissenschaftlichen Tätigkeiten ein großes Augenmerk auf die breite Vermittlung und Präsentation der Forschungsergebnisse gelegt wird. Auf dem Colle Serpente sind die architektonischen Überreste im aus EU-Mitteln finanzierten Parco Archeologico dei Dauni konserviert und z.T. in rekonstruierter Form für das interessierte Publikum zugänglich gemacht worden. Die laufend restaurierten Fundstücke sollen zudem in naher Zukunft in einer neu zu konzipierenden Dauerausstellung in einer "Sala Austriaca" im Museo Archeologico "Pasquale Rosario" ausgestellt werden. Im Rahmen von Vorträgen, auch vor Ort in Ascoli Satriano selbst, wird die Bevölkerung über die aktuellen Grabungsergebnisse informiert und nicht zuletzt möchte die Projekt-Homepage (http://grabung-ascoli-satriano.uibk.ac.at) zu einer weiteren Verbreitung der Forschungsergebnisse beitragen.