Figurationen der italienischen Migration im Kino
Tagung/Workshop an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

FilmstreifenKairoFilme

Datum: Do. 31.03. (Beginn: 14 Uhr) bis Sa. 02.04.2011 (Ende: 14 Uhr)
Ort: Claudiasaal (Herzog-Friedrich-Str.3,II, Innsbruck Altstadt)
Organisation: Sabine Schrader, Daniel Winkler

Migration und Staatsbildung sind in Italien vielleicht so eng miteinander verknüpft wie die Geschichte des Films mit der Nationsbildung, wird doch der Historienfilm zum Film par excellence Italiens. An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert migrieren zahlreiche Süditaliener in den Norden Italiens und nach Amerika, während im italienischen Stummfilm der geeinten Nation heroische Bilder verliehen werden, die lange nachwirken. Die verschiedenen Ausprägungen des Migrationskinos erzählen demgegenüber seit den 1950er Jahren, oft retrospektiv, von einem Italien, das neben dem Masternarrativ der Familie v.a. von dem der Krise bzw. dem vom (historischen) Mythos Amerika und Nordwesteuropa geprägt ist – sei es in Form einer projektiven Identifizierung der Emigrant/innen oder eines (Genre-) Spiels.

Italien ist durch Migrationserfahrungen stärker geprägt als viele anderen europäischen Länder: durch eine bis heute währende interne Migration von Süd nach Nord, die im Neorealismus einen starken Wiederhall findet, eine Massenemigration, v.a. nach Westeuropa und Süd-/Nordamerika, die im kollektiven Imaginären auch mit dem Mafiafilm verbunden ist, sowie eine erst wenige Jahre andauernde Immigrationsbewegung aus dem südöstlichen Mittelmeerraum, die im Rahmen des Nuovo Cinema Italia der letzten Jahrzehnte ihre filmische Verarbeitung erfährt. Diese drei Formen der Migration sind nicht nur cinematographische Sujets, sondern prägen die italienische Filmgeschichte auch auf der Genreebene, tragen u.a. zum Stellenwert des Historiendramas in der italienischen Filmgeschichte bei.

Ziel der Tagung/ des Workshops ist es sowohl in diachroner als auch in synchroner Perspektive die Phänomene der a) Emigration, b) Süd-/Nordmigration und c) Immigration zu beleuchten. Es wird bewusst keine Beschränkung auf FilmemacherInnen mit Migrationshintergrund oder auf das italienische Autorenkino gemacht.

Untersuchungsgegenstand können im Sinne eines transnationalen Kinos auch B-Movies und nicht italienische Produktionen sein.

Grundsätzlich sollen kulturwissenschaftliche mit filmästhetischen Fragen gekreuzt werden, dabei würden wir uns wünschen, wenn – von Einzelstudien ausgehend – ein Überblick über die jeweils relevanten Genres und die damit einhergehenden Repräsentationsformen der Migration entsteht:

  • Über welche ästhetischen Verfahren und Filmgenres werden welche Narrative bzw. Figurationen der Migration vermittelt?
  • Wie ist das Verhältnis von klassischen Genres (Melodram, Historienfilm, Mafiafilm) und Genrehybridisierung?
  • Wie werden Migrationserfahrungen authentifiziert bzw. metaphorisiert?
  • Wie wird Bewegung im Film realisiert? Wie ist das Verhältnis von offenen und geschlossenen Räumen?
  • Wie können sich im italienischen Kontext im Vergleich zu anderen europäischen Kinos Genres wie das (E-)Migrationskino in Hinblick auf die Produktion und die Filmgeschichtsschreibung etablieren?

Die Tagung/ der Workshop richtet sich insbesondere an NachwuchswissenschaftlerInnen. Neben ItalianistInnen sind Beiträge aus der Französistik, Amerikanistik, Germanistik sowie der Film-, Kultur- und Geschichtswissenschaften erwünscht.

Das Programm und weitere Informationen finden Sie hier ab Mitte Januar 2011.


Fotos mit freundlicher
Genehmigung von Kairosfilm

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