Kurzbeschreibung des Forschungsprojekts

Das Forschungsprojekt FRAISE (= Französisch in Interaktion in der Schule) wird seit 2012 am Institut für Romanistik unter der Leitung von Carmen Konzett durchgeführt.
 Zunächst wird in diesem Projekt ein Longitudinalkorpus von Videoaufnahmen aus dem Französischunterricht erstellt, das den gesamten Zeitraum einer typischen 6-jährigen gymnasialen Französisch- Schullaufbahn abbildet. Zwischen dem Sommerhalbjahr 2012 und dem laufenden Schuljahr 2016/17 wurden dazu Videoaufnahmen in zwei (bzw. drei) Klassen eines Tiroler Gymnasiums gemacht, die den regulären Französischunterricht möglichst unverfälscht mit zwei Kameras einzufangen versuchen. D.h. das Aufnahmesetting ist natürlich und nicht experimentell, es werden so wenige Eingriffe in den Unterricht vorgenommen wie möglich (z.B. in Bezug auf die Sitzordnung, die räumliche Anordnung der Möbel und Geräte), und der Unterricht wird in seinem Ablauf nicht beeinflusst. Allerdings wird bei der Auswahl der zu filmenden Unterrichtsstunden bereits im Vorfeld darauf geachtet, dass es sich nach Möglichkeit um Stunden mit (höherem) Sprechanteil der SchülerInnen handelt.

In den Videoaufnahmen, die im Rahmen von FRAISE entstehen, werden hauptsächlich linguistische und interaktionale Phänomene untersucht, insbesondere der Verlauf des Erwerbs von „Interaktionskompetenz“ (cf. Hall & Pekarek Doehler, 2011). Im Zuge der Datenanalyse kommen aber fast zwangsläufig auch didaktische Fragestellungen und Probleme in den Blick, da schulische Interaktion immer auch in irgendeiner Weise von didaktischen Überlegungen geprägt ist, und weil sowohl Lernende als auch Lehrpersonen in ihren sprachlichen und nicht-sprachlichen Handlungen beinahe ständig auf diesen didaktischen Kontext orientieren. Das Projekt FRAISE füllt daher nicht nur eine Lücke im Forschungsbereich CA-SLA – in welchem Langzeitstudien aus dem öffentlichen Schulunterricht eine Seltenheit sind – sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Spracherwerbs- und Fachdidaktikforschung.