Die Abteilung 'Rätoromanisch' am Institut für Romanistik

Das Rätoromanische im Allgemeinen und das Dolomitenladinische im Besonderen bilden seit der Gründung des Instituts im Jahre 1904 und der Berufung von Theodor Gartner auf den fünf Jahre zuvor an der Universität Innsbruck eingerichteten Lehrstuhl für „Romanische Philologie“ einen kontinuierlichen Institutsschwerpunkt. Im Besonderen sind in diesem Zusammenhang die Namen von Karl von Ettmayer, Ernst Gamillscheg und Alwin Kuhn zu nennen. In jüngerer Zeit vertraten vor allem Guntram A. Plangg und Maria Iliescu das Rätoromanische und wendeten ihm in ihren Forschungen auch ständige Aufmerksamkeit zu.

Im Jahre 1972 gründete Guntram A. Plangg die Abteilung „Rätoromanisch“, die er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 2001 auch leitete. Seither ist Heidi Siller-Runggaldier dafür verantwortlich. Bis zum Herbst 2005 wirkten als Mitglieder des Instituts auch Julia Kuhn und Paul Videsott in der Abteilung mit. Paul Videsott wurde im Herbst 2006 auf den neu eingerichteten Ladinistik-Lehrstuhl an der Bildungsfakultät der Universität Bozen berufen, Frau Kuhn ist seit Herbst 2005 an der Wirtschaftsuniversität in Wien tätig. Beide widmeten der Onomastik – darin im Besonderen der Toponomastik – einen breiten Teil ihrer rätoromanistisch ausgerichteten Arbeiten. Paul Videsott beschäftigte sich darüber hinaus auch mit soziolinguistischen, sprachplanerischen und sprachpolitischen Fragestellungen der Ladinia und aktualisierte jährlich für mehrere internationale Bibliographien die Übersicht über die Neuerscheinungen in der Rätoromanistik.

Die Hauptaufgabe der Abteilung besteht darin, die Forschung im Bereich des Rätoromanischen voranzutreiben. Zwei laufende Projekte größeren Umfangs sind in diesem Zusammenhang zu nennen:

a. Tiroler Namenbuch: Das Projekt wurde von Guntram A. Plangg im Jahre 1994 begonnen und steht seither unter seiner Leitung. Es ist der Erfassung und wissenschaftlichen Beschreibung der Tiroler Orts- und Flurnamen gewidmet. Dazu publizierte Guntram A. Plangg, unter wechselnder Mitarbeit von Hans Tyroller, Gerhard Rampl und Robert Klien, bereits eine ganze Reihe von Faszikeln im Rahmen der von ihm herausgegebenen Reihe „Arbeitspapiere der Romanistik Innsbruck“.

b. Sprachen im Vergleich. Deutsch – Ladinisch – Italienisch. Das Projekt wird von Heidi Siller-Runggaldier zusammen mit den beiden Germanisten Horst Sitta (Universität Zürich) und Peter Gallmann (Universität Jena) durchgeführt. Im April 2008 ist der erste Band zum Verb (222 Seiten) erschienen. Die drei Sprachen werden darin gemeinsam besprochen und dabei jeweils vergleichend einander gegenübergestellt. Im Besonderen werden in diesem Band berücksichtigt: die Bildung der einzelnen Verbformen, die Tempusformen, die Aspektformen, die Modusformen, die Passivformen, die infiniten Verbformen, die periphrastischen Verbkonstruktionen, die Verben mit Präfix oder Verbzusatz, die reflexiven Verben und die Valenz des Verbs; ein sach- und ein Wortindex runden den Band ab.

Die Abteilung sieht ihre weiteren Aufgaben darin, kulturelle Institutionen und zum Rätoromanischen forschende Wissenschaftler zu beraten, die Planung und Austragung wissenschaftlicher Tagungen zum Rätoromanischen zu unterstützen und Kontakte zwischen Wissenschaftlern und rätoromanischen Kulturinstituten sowie Kulturvereinigungen herzustellen, auszubauen und zu festigen. Als Präsident des Kulturbeirats des Ladinischen Kulturinstituts Majon di Fashegn ist Guntram A. Plangg in Fassa an prominenter Stelle engagiert. Heidi Siller-Runggaldier unterhält als gebürtige Grödnerin enge Kontakte zu allen wichtigen kulturellen und politischen Institutionen Ladiniens und ist regelmäßig in verschiedene von diesen geplante und durchgeführte Aktivitäten eingebunden. Besonders intensiv ist die Zusammenarbeit mit dem Ladinischen Kulturinstitut Micurà de Rü in St. Martin in Thurn (Gadertal) sowie dem Ladinischen Pädagogischen Institut und dem Ladinischen Schulamt (beide in Bozen).