LINGUISTIKKURSE IN FRANZÖSISCHER SPRACHE IM INTERNET

Elisebha Platzer


EINLEITUNG

Es soll im folgenden Text aufgezeigt werden, welche Arten von Linguistikkursen in französischer Sprache im Internet vorhanden und wie sie aufgebaut und strukturiert sind.

Aus der Analyse haben sich zwei Unterscheidungskriterien ergeben: es werden Linguistikeinführungen (also eine Zusammenschau von Morphologie, Phonologie, Semantik etc.) und die Aufbereitung linguistischer Einzelthemen (hier wird ausschließlich z.B. die Phonetik thematisiert) angeboten. Neben einer allgemeinen Beschreibung wird dann jeweils ein Kapitel aus den dargestellten Linguistikeinführungen genauer geschildert, um einen besseren Einblick in den Kurs zu ermöglichen.

Die Websites wurden mit Hilfe von Katalogen und Suchmaschinen wie Excite, Altavista, Yahoo, Hotbot, die auch von der Homepage der Französistik der Leopold- Franzens- Universität Innsbruck abgerufen werden können, gefunden.

 

LINGUISTIKEINFÜHRUNGEN

SUR LES SENTIERS DE LA LINGUISTIQUE:

"Sur les sentiers de la linguistique" http://french.chass.utoronto.ca/linguistique/sentiers/ ist eine von Henriette Gezundhajt erstellte Website, die 1997 entstanden ist und noch weiter bearbeitet wird. Henriette Gezundhajt gibt eine Einführung in die Linguistik, indem sie den dargestellten Inhalt in Kapitel unterteilt:

  1. Langage et communication:
  2. Approches linguistiques:

(3) Phonétique et phonologie: Dieses Kapitel ist auf bemerkenswerte Weise gestaltet. Es werden nicht nur die Arbeitsfelder und Methoden der Phonetik und der Phonologie erklärt, sondern auch akustische Links, Hörbeispiele, angeboten und es wird immer wieder auf neue Websites hingewiesen, die zur Vertiefung der Themen dienen sollen. So ist die Website von Henriette Gezundhajt mit den Websites http://www.unil.ch/ling/phon/index.html, http://qsilver.queensu.ca/french/Cours/215/index.html, http://depts.washington.edu/otoweb/,

http://french.chass.utoronto.ca/linguistique/prosodie/pmartin vernetzt. Wie schon aus der Internet- Adresse ersichtlich ist, hat man es hier mit einer kanadischen Website zu tun. Deshalb werden besonders in diesem Abschnitt Beispiele angeführt, die auf die Realisierungsvarianten des Französisch, das in Québéc gesprochen wird, hinweisen.

(4) La linguistique face au mot: "Etudes du lexique", ein Unterkapitel des eben genannten Abschnittes, wird nun genauer behandelt werden. Als erster Schritt erklärt die Autorin die Relation zwischen den Begriffen vocabulaire und lexique. Die verschiedenen vocabulaire bilden zusammen das lexique (dies wird anhand einer Graphik veranschaulicht). Weiters wird zwischen vocabulaire actif/ fondamental und vocabulaire passif/spécialisé und lexicologie und lexicographie unterschieden. Die analyse sémique, also die Beschreibung von Worten durch Seme, Semanteme und Virtueme, die wiederum untergliedert werden können in -animé und +animé, -concret und +concret, -humain und +humain, wird erklärt. Das Verhältnis der Worte zueinander beschreibt die Autorin durch Hyperonymie, Hyponymie, Pantonymie, Synonymie, Antonymie, Polysemie, Homonymie, Paronymie. In das Unterkapitel "Liens logiques" ordnet sie die rélation implicative, die rélation analogique und die rélation topologique. Die Sapir- Whorf- Théorie wird durch Bilder belegt, und das letzte Unterkapitel behandelt die emprunts et variations.

(5) Analyse de la phrase: hier wird ein Link zur Semantik angegeben http://www.msh-paris.fr/texto/index.html

(6) Index

(7) Bibliographie

(8) Commentaires

Die gesamte Website ist ergonomisch strukturiert. Besonders reizvoll gestaltet sind die Graphiken, Modelle und Bilder. Wichtige Begriffe und deren Definition werden durch Kästchen und deren angenehme Färbung visuell hervorgehoben und erleichtern somit den Lernvorgang. Es werden jedoch nicht alle verwendeten Begriffe erklärt. Dies kann vor allem für Linguistikanfänger eine Schwierigkeit darstellen.

INTRODUCTION A LA LINGUISTIQUE

Greg Lessard hat die Website "Introduction à la linguistique" http://qsilver.queensu.ca/french/Cours/215/index.html 1996 erstellt. Sie umfaßt die folgenden Kapitel:

  1. Concept de base:
  2. La phonétique:
  3. La phonologie: Dieses Kapitel wird nun genauer behandelt, um einen Einblick in den Kurs zu geben: Der Autor definiert die Begriffe Phonologie, Minimalpaar, Kommutation, Phonem. Darauf folgt eine Beschreibung der konsonantischen und vokalischen Phoneme, der komplementären Verteilung, der Neutralisation und der distinktiven Unterscheidungsmerkmale (voisement, nasalité, anteriorité, arrondissement, lieux d'articulation). Weiters werden die réactions phonologiques dans la chaîne (élision, enchaînement, liaison), der Akzent (accent final, accent d'insistance) und die Intonation (intonation de base, finalité, intonation de continuité, intonation interrogative, intonation impérative) behandelt.
  4. La morphologie
  5. La morphologie dérivationnelle
  6. La lexicologie
  7. La syntaxe
  8. La sémantique

Die verschiedenen Kapitel sind mit Übungen (exercice oder expérience) ausgestattet, die zum Kapitel Fragen stellen, jedoch dem User keine Antwort liefern und somit ihre Funktion als Kontrollmechanismus verlieren. Am Ende der meisten Kapitel befindet sich ein Link, der "A lire" genannt wird, der auf eine themenzentrierte Bibliographie verweist.

 

AUFBEREITUNG LINGUISTISCHER EINZELTHEMEN

COURS DE PHONETIQUE

"Cours de phonétique" http://www.unil.ch/ling/index.html wurde von Aris Xanthos und Chrystophe Pythoud am 1. 3. 2000 auf den neuesten Stand gebracht. In dieser Website werden neben dem Phonetikkurs auch die Linguistiksektion der Universität, die Gruppe der am wissenschaftlichen Projekt beteiligten Linguisten und ein Kurs für Textstatistik vorgestellt. Der Phonetikkurs ist in fünf Großkapitel untergliedert:

  1. Introduction
  2. Les tableaux de l'alphabet phonétique international
  3. Description des consonnes
  4. Description des voyelles
  5. Introduction à la phonétique acoustique

Im Kurs werden immer wieder Graphiken des Mund-, und Nasenraumes abgebildet, um die Artikulationsart, die Artikulationsorte und die von der Artikulation betroffenen Organe zu veranschaulichen. Besonders dieser Bereich der Linguistik bietet sich für Sprachbeispiele an. Die Autoren arbeiten jedoch mit keinerlei Beispielen und denken schon gar nicht daran, Hörbeispiele in ihrem Kurs einzusetzten. Die Beschreibungen sind sachlich und verständlich. Als Anhang werden die Bibliographie und Diagramme angeboten. Der Einsatz von Farben in der gesamten Website wirkt sehr steril und kalt und weckt die Assoziation, sich in einem chemischen Labor zu befinden.

HISTOIRE DE LA LINGUISTIQUE ET DE LA PHILOLOGIE ROMANE

Diese Website kann über die Homepage "Notes de cours en ligne" der Université Libre de Bruxelles http://www.ulb.ac.be/ulb/docs/notes-cours.html erreicht werden. Sie besteht aus Manuskripten, die von verschiedenen Lehrveranstaltungsleitern ins Internet gestellt worden sind und bietet eine Auswahl aus den verschiedensten Fachbereichen an (Linguistik, Mathematik, Wirtschaft, Finanzwissenschaft).

Der Kurs selbst http://www.ulb.ac.be/philo/spf/linguis/linguis.htm, der von D. Droixhe 1996 erstellt worden ist, arbeitet ausschließlich mit einer diachronen Perspektive, im Gegensatz zu den bisher dargestellten Websites. Es wird mit folgenden Kapiteln gearbeitet:

  1. Généralités: Adam ou Babel?
  2. Travaux sur Ménage
  3. Tradition française
  4. Tradition italienne
  5. Tradition espagnole
  6. Tradition allemande
  7. Orientations de recherche et sujets de mémoire

Der Vorteil dieses Kurses liegt darin, daß auch andere romanische Sprachen in die Analyse miteinbezogen werden. Für Linguistikanfänger ist diese Website nicht unbedingt zu empfehlen, da sie in gehobenem, teilweise schwer zugänglichen Französisch verfaßt ist und eine große Menge an Vorkenntnissen im Bereich der Linguistik und der Philosophie voraussetzt. Die Nachteile erklären sich auch aus der Skripturalität des Textes, da dieser ja als Vorlesung gedacht ist, es jedoch im Internet nur möglich ist über die email-Adresse an den Lehrveranstaltungsleiter direkt Fragen zu stellen.

HISTOIRE DE LA LANGUE FRANCAISE

Diese Website http://www.ulb.ac.be/philo/spf/langue/langue.htm wurde ebenfalls von D. Droixhe und N. Vanwelkenhuyzen 2000 erstellt. Es geht darum, die Sprachentwicklung des Französischen mit besonderer Rücksichtnahme auf das Französisch in Belgien darzustellen. Dies sind die angeführten Kapitel:

  1. Le français en Belgique
  2. Les Préfaces des dictionnaires de l'Académie française, 1694-1992
  3. Orientations de recherche et sujets de mémoire
  4. Les exemples de question
  5. HLF- II 2000 ouvrages

Liste provisoire

Ecrivains wallons de l'âge classique

Besonders angenehm ist die im 3. Kapitel angegebene Tabelle über die verschiedenen Autoren und Epochen, da sie einen Überblick verschafft und das Lernen erleichtert. Denselben Zweck erfüllen auch die Prüfungsfragen im 4. Kapitel. Diese Website ist gut strukturiert und ermöglicht folglich das Verständnis des Kurses.

COURS DE LINGUISTIQUE CREOLE DES PETITES ANTILLES

"Cours de linguistique créole des petites Antilles" http://www.aidel.com/aidel/iecf/cours ist eine Mischung aus einem kreolischen Sprachkurs und einem Linguistikkurs. Marie- Christine Hazael- Massieux hat die Website erarbeitet. Dieser Kurs ist in folgende Abschnitte geteilt:

  1. Textes en Créole et en Français
  2. Textes anciens
  3. Aspects linguistiques
  4. Aspects sociolinguistiques
  5. Aspects culturels
  6. Données littéraires

Vom Anfangstext aus startend erreicht man über die als Link im Text markierten Wörter die verschiedenen Kapitel. Es werden ausreichend Erklärungen und Hilfestellungen angeboten, wie z.B. Übungen und die dazugehörigen Lösungen, und die Struktur des Kurses erweist sich als übersichtlich und nachvollziehbar. Als Feedback dient der im Anhang angebotene Fragebogen. Die graphische Gestaltung ist besonders wegen der Auswahl der Farben reizvoll und macht den User neugierig, die angebotenen Kapitel zu erkunden.

 

SCHLUSSBEMERKUNGEN

Die Liste der Linguistikkurse hat nicht den Anspruch, vollständig zu sein, sondern kann natürlich noch erweitert werden. Mein Ziel war es die Heterogenität der im Internet angebotenen Websites aufzuzeigen. Die meisten Kurse werden von Universitäten in der ganzen Welt angeboten und auch daraus ist ersichtlich, wie weit sich das Feld der Frankophonie erstreckt und welches Interesse und welche Sorgfalt die Linguistik diesem Thema widmet.