Einleitung


Das Lehrziel dieses Kurses ist die Analyse von Sätzen nach den beiden Kriterien Form und Funktion.


Der Satz
(la phrase)

 

Neben vielen anderen, zumeist auch zutreffenderen Definitionen des Satzes läßt sich sagen, dass Sätze nach zwei Kriterien abgegrenzt werden: Sinn und Form:
Sinn: Ein Satz kann für den Hörer die vollständige Äußerung einer Idee, eines Gedankens des Sprechers ausdrücken.
Form: Sätze werden durch entsprechende Satzzeichen (zumeist ein Punkt) abgegrenzt und haben eine typische Intonation.


In jedem Satz sind bestimmte Funktionen erfüllt, in Sätzen, die eine Handlung, einen Vorgang ausdrücken, gibt es neben dem Verb zumindest die Funktion Subjekt. Abhängig vom Verb finden sich aber auch noch Objekte (Funktion Objekt). Weiters kann ein Satz Umstandsbestimmungen enthalten, die gleichsam die „Rahmenbedingungen“ der Handlung angeben. Auch die Umstandsbestimmungen sind eine syntaktische Funktion.
Ein anderer Satztypus sind die sog. attributiven Sätze, in denen keine Handlung beschrieben, sondern mittels der Funktion Attribut eine Aussage über das Subjekt gemacht wird.

Charles est étudiant.

In diesem Satz findet also keine Handlung statt, sondern es wird über das Subjekt Charles ausgesagt, dass dieser Student ist.


Die Funktionen können jeweils durch verschiedene Formen ausgedrückt werden. Formen können beispielsweise (mit zunehmender Komplexität) Pronomina, Nominalgruppen (Substantiv plus Artikel und ggf. Erweiterungen des Nomens wie Adjektive etc.), aber auch ganze Sätze (= Nebensätze) sein.

Beispiele:

Hier, il m'a écrit une lettre.
Quand je l'ai lue, le contenu de cette lettre m'a étonné.
Qu'il ne parle pas de notre projet dans sa lettre me montre qu'il ne travaille pas sérieusement.
Après la lecture, je l'ai appelé.
Je lui ai expliqué la situation et je lui ai dit que je ne pouvais pas accepter son comportement.

Legende: Rot=Subjekt, blau=direktes Objekt, lila=indirekt konstruiertes Objekt, grün=Umstandsbestimmung

Die Funktionen lassen sich einteilen in primäre und sekundäre Funktionen. Primäre Funktionen sind jene, die auf Satzebene bestehen und sich um ein Verb als Zentrum organisieren, die also die Mitspieler an der Verbalhandlung (oder an der Aussage über das Subjekt) und die Umstände, unter denen die Handlung abläuft, bezeichnen.
Sekundäre Funktionen befinden sich eine Ebene tiefer innerhalb jener Wortgruppen, welche die primären Funktionen ausdrücken (beispielsweise die Funktion Epithet innerhalb einer Nominalgruppe (Le train part. – Le train rapide part.)
Funktionen können darüber hinaus essentiell oder accessorisch sein, je nachdem ob ihr Vorhandensein im Satz obligatorisch oder fakultativ ist.
Alle sekundären Funktionen sind accessorisch; unter den primären Funktionen sind die Umstandsbestimmungen accessorisch, Subjekte, Objekte, Attribute etc. sind essentiell.

 

Primäre, essentielle Funktionen:

Subjekt

Le chat dort. -> * Dort.

Direktes und indirektes Objekt

Le chat attrape une souris. -> *Le chat attrape.
Souvent les enfants ressemblent à leurs parents. -> *Les enfants ressemblent.

Attribut

Cet étudiant est malade. -> *Cet étudiant est.

Locativ

Il est à Paris. -> *Il est.

Complément d’agent

Cette affaire est suivie par le patron. -> ?Cette affaire est suivie.

Accessorische Funktionen:

Primär: Il se promène (à la campagne).
Sekundär: Il a acheté une (grande) maison.


Fonctions primaires
Fonctions secondaires
 
essentielles
accessoires
accessoires
 
Sujet Compl. circonstanciel Expansions du nom
Compl. d’objet direct (COD)   Expansions du pronom
Compl. d'objet indirect (COI)   Expansions de l’adjectif
Compl. d'objet second (COS)   Expansions de l’adverbe
Compl. d’agent    
Compl. du présentatif    
Attribut du sujet    
Attribut du COD    
Locatif    





Satz, Satzreihe und Satzgefüge


Wenn ein Satz (auch bezeichnet als Ganzsatz, frz. la phrase) aus nur einem Teilsatz (frz. la proposition) besteht, dann ist der Teilsatz unabhängig und der Satz ein einfacher Satz (phrase simple). Wenn ein Satz aus mehr als einem Teilsatz (proposition) besteht, spricht man von einem komplexen Satz (phrase complexe). Zumindest einer der Teilsätze ist dann ein Hauptsatz (proposition principale), die anderen Teilsätze sind entweder Hauptsätze oder Gliedsätze (propositions subordonnées)


Unterscheide:

Satz / Ganzsatz
<-->
Teilsatz
Hauptsatz
<-->
Gliedsatz




Bei komplexen Sätzen sind je nach der Art der Verbindung mehrere Varianten zu unterscheiden. Sätze bzw. Gliedsätze können nämlich auf drei verschiedene Arten miteinander verknüpft werden:


- sie können unverbunden nebeneinander stehen,
- sie können durch koordinierende Konjunktionen verbunden sein,
- sie können durch subordinierende Konjunktionen verbunden sein.


Wenn ein Teilsatz verbunden ist mit einem oder mehreren anderen Teilsätzen, die alle auf einer Stufe der Gleichwertigkeit stehen, so dass einer dieser Teilsätze isoliert werden und für sich alleine als unabhängiger Satz bestehen könnte, dann bilden diese Sätze eine verbundene oder unverbundene Satzreihe (propositions coordonnées, propositions juxtaposées)


Il pleut, il vente. Il pleut et il vente.

 

Juxtaposition
(Asyndetische Parataxe)


Der Ganzsatz ist eine unverbundene Satzreihe.


J'entends une voiture. Lumière de phares dans la rue. Un chien abboye dans le jardin du voisin.

 

Coordination
(Syndetische Parataxe)

 

Der Ganzsatz ist eine verbundene Satzreihe.

Les hommes, après le dîner, se rendirent au salon, où ils allumèrent des cigares et qu'ils empestèrent avec leur fumée.


Die koordinierenden Konjunktionen fügen durch ihre Bedeutung noch zusätzliche Informationen zur Koordination hinzu.
- Addition: Ils jouaient au cartes et buvaient du cognac.
- Exklusion: Il n'était pas gentil, mais méchant.
- Opposition: Il était sympathique, mais frappait par sa parcimonie.
- Erklärung oder Konklusion: Je pense, donc je suis.

Neben den koordinierenden Konjunktionen können auch noch manche Adverbien Koordination ausdrücken: PUIS, ENSUITE, AINSI ....

Subordination
(Hypotaxe)

 

Wenn von einem Teilsatz andere Sätze abhängig sind, dann nennt man ihn den Hauptsatz (auch Trägersatz / Matrixsatz, frz. proposition principale). Die untergeordneten, abhängigen Gliedsätze können nicht als selbständige Sätze auftreten. (Der Ganzsatz ist ein Satzgefüge, phrase complexe)


Je sais que tu es là. J'aime quand tu souris.


Die mit que bzw. quand eingeleiteten Sätze sind abhängig von den Hauptsätzen Je sais bzw. J’aime


Es gibt Nebensätze verschiedener Ordnung:


Je vis, quand je sortis, qu'elle abservait un chat qui guêtait une souris.

 

Überblick:


Satz / la phrase


La phrase simple
Pierre lit le journal.


La phrase complexe
Quand il rentre le soir, Pierre s'installe au salon pour lire le journal.


Ganzsatz / la phrase vs Teilsatz / la proposition

Quand il rentre le soir, Pierre s'installe au salon
<------------------------------ Ganzsatz / Phrase------------------------------>
Quand il rentre le soir
Pierre s'installe au salon
Teilsatz / proposition
Teilsatz / proposition
Gliedsatz / proposition subordonnée
Hauptsatz / proposition principale

 

Hauptsatz / la proposition principale vs Gliedsatz / la prop. subordonnée

Koordination: Hauptsatz + Konjunktion + Hauptsatz
Juxtaposition: Hauptsatz + Hauptsatz
Subordination: Hauptsatz + Nebensatz

 

 

Wortgruppen / Syntagmen

 

Innerhalb von Sätzen (phrases simples, Haupt- oder Gliedsätze in phrases complexes) können mehrere Wörter zusammen eine funktionale Einheit bilden. Sie sind dann zusammen ersetzbar durch beispielsweise ein Pronomen oder ein Adverb. Solche Einheiten nennt man Wortgruppe oder Syntagma (le syntagme).

 

Le grand-père de mon ami Pierre
s'installe
au salon de son appartement
Syntagma
Syntagma
Il

s’installe

 

 

Die französische Grammatik nennt noch zwei Sonderformen von Sätzen, die proposition incise und die proposition incidente:

Proposition incise: zeigt an, daß man die Worte oder die Gedanken eines anderen zitiert. Sie hält gleichsam den Lauf des Satzes auf oder sie ist an das Satzende verschoben. (dt. kein Terminus vorhanden)

Tout est perdu, pensa-t-il.


Proposition incidente: Hat denselben Platz im Satz wie die incise, ist aber besser in den Satz integriert. Sie drückt eine Nebenüberlegung aus. (dt. Parenthese, Schaltsatz)

Ce que tu dis est vrai, je le sais, mais je ne ferai tout de même pas ce que tu proposes.

 

Satz und Satztypen

 

Je nach dem Motiv, das jemanden zur Kommunikation mit anderen veranlaßt, können verschiedene Satztypen unterschieden werden:

• phrase déclarative

Pierre est venu te voir ce matin.

• phrase interrogative

Pierre est-il venu te voir ce matin ?

• phrase impérative

Viens me voir ce soir !

• phrase exclamative

Cela est scandaleux !

Jeder Satz der Sprache gehört zu einem, aber nur zu einem dieser vier Typen.

 

Die Formen des Satzes

 


Jeder der o.a. vier Typen kann sich unter verschiedenen Formen präsentieren:


• Affirmativ vs. negativ
• Aktiv vs. passiv
• Neutral Ø vs. emphatisch
Wenn ein Satz nicht emphatisch ist, ist er neutral.

Beispiele für emphatische Sätze:


Le jardinier, lui, a coupé les roses. (deklarativ)

Les roses, le jardinier les a-t-il coupées ? (interrogativ)

Vous, donnez-moi ça ! (imperativ)

Ça, c'est extraordinaire ! (exklamativ)


Jeder Satz gehört zu einem Typ und hat mehrere Formen.

Ce travail, le jardinier ne l'a pas encore fait.

Typ: deklarativ, Formen: aktiv, negativ, emphatisch.