Bernd Gössling, Michael Thoma

Gössling
(Credit: privat)

Institut

Institut für Organisation und Lernen

 

Fakultät

Fakultät für Betriebswirtschaft

 

Kontakt

  bernd.goessling@uibk.ac.at ,   michael.thoma@uibk.ac.at 

Zum Projekt

Das Modul „Wirtschaftspädagogische Forschungskompetenzen“ gehört zum Pflichtprogramm der Studierenden im Master Wirtschaftspädagogik. Aus anonymen Befragungen wissen wir, dass für die Mehrheit unserer Studierenden der klare Praxisbezug des Studiums im Vordergrund steht und Forschung eher sekundär ist. Um Akzeptanzproblemen des forschenden Lehrens vorzubeugen und die Motivation zu steigern, haben wir das Modul so konzeptioniert, dass die Studierenden mit ihren eigenen Forschungsprojekten eng an Problemen der Praxis arbeiten. Im Sommersemester 2020 wurde beispielsweise das Rahmenthema „Umgang mit digitalen Endgeräten in der schulischen Berufsbildung“ bearbeitet. Die von den Studierenden selbstständig bearbeiteten Forschungsprojekte sind so aufgebaut, dass es sowohl einen empirischen Bezug als auch die Möglichkeit gibt, Handlungsvorschläge für die Bildungspraxis abzuleiten. Unsere Absicht ist damit die Kluft zwischen Wissen und Handeln zu überbrücken. Das heißt, durch ein praktisches Interesse soll die Relevanz der Wissensgenerierung erkannt werden. Die Kluft zwischen Wissen und Handeln ergibt sich aus unterschiedlichen Wissensarten und -strukturen. Explizites Theoriewissen wird erst dann handlungsleitend, wenn es mit implizitem Handlungswissen verbunden wird. Das setzt eine Umorganisation von Wissensstrukturen voraus. Unsere Erfahrungen in dem Modul zeigen, dass diese Neuorganisation eher gelingt, wenn auch Erfahrungen mit der Generierung theoretischen Wissens vorliegen. Eine der teilnehmenden Studierendengruppen im vergangenen Semester erkannte beispielsweise, dass der Einsatz digitaler Endgeräte Lernaufgaben erfordert, die sich von denen unterscheiden, die üblicherweise in der Schulpraxis eingesetzt werden, um „Schummeln und Abschreiben“ zu verhindern. Diese Probleme mit reproduktiven Aufgaben hatten in der Phase des Fernunterrichts während der Schulschließungen massiv zugenommen. Durch eigene Forschung ausgelöste „Aha-Momente“ wie diese sind wichtig für den Erwerb von Forschungskompetenzen. Wir fördern solche Momente gezielt, indem wir die Studierende eng an die eigene Forschungspraxis anbinden, probeweise mit eigenen Rohdatensätzen, vorläufigen Ergebnissen, Rückmeldungen von Reviewern usw. arbeiten. Damit ermöglichen wir ein Eintauchen in die für viele unserer Studierenden fremde Welt einer Forschungscommunity. Entsprechend dem Ansatz des situated learning setzten wir also auf eine periphäre Partizipation an einer Community.

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