Kommentar zu §14 UG 2002

Quelle: Biedermann in Perthold-Stoitzner, UG3.01 § 14 (Stand 1.12.2018, rdb.at)

I. Qualitätsmanagement

I.1. § 14 Abs 1 UG gebietet zwingend den Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems. Im Weiteren bezieht sich § 14 UG insb auf universitätsexterne und -interne Evaluierung, geht jedoch nicht näher auf das Qualitätsmanagement ein. Evaluierung ist allerdings nur als ein – wenn auch wesentlicher – Bereich des Qualitätsmanagements zu sehen, kann aber keinesfalls damit gleichgesetzt werden.

Ein solches Managementsystem zur Qualitäts- und Leistungssicherung stellt ein notwendiges, ergänzendes Element zur Leistungsvereinbarung und zum Globalbudget dar. Neben Effizienz und Effektivität der Leistungserbringung ist auch deren Qualität zentraler Gedanke des New Public Managements. Der Grundansatz ist dabei, die Qualität der Tätigkeiten, Prozesse und Strukturen zu sichern, um die Qualität der Ergebnisse aus Sicht der Adressaten der Leistungen zu gewährleisten. Gleichzeitig erbringen Evaluierungen im Input- und Output-Bereich der Universitäten auch Hinweise über die Wirkung der indikatorbezogenen Budgetzuweisung insbesondere in den Teilbeträgen für Lehre, Forschung und der strategischen Entwicklung (§ 12a Abs 2 Z 1b und 2b sowie Abs 3 UG)

Qualitätssicherung bedeutet die Entwicklung, Umsetzung und Adaption von Managementkonzepten, die eine hohe Qualität der Kernaufgaben und Leistungen der Universitäten sicherstellen sollen. Der Fokus liegt hierbei auf der Verhinderung von Fehlleistungen. Qualitätssicherungssysteme betonen insb die Steuerung und Kontrolle von Qualität. Interne und externe Evaluierungen spielen dabei eine zentrale Rolle: externe Evaluierungen haben Anstoß- und auch Präventivfunktionen, nachhaltige Qualitätssteigerungen müssen allerdings von innen sichergestellt werden.

Die Ergebnisse interner Evaluierungen sind insb für Entscheidungs- und Organisationsentwicklungsprozesse von Bedeutung.

Im Vordergrund steht die kritische Auseinandersetzung mit Zielen, Planungen oder Vorhaben, deren Wirkungsweise abgeschätzt und mit Blick auf die beabsichtigten Ergebnisse bewertet wird. Nach außen gerichtet sind Evaluierungen ein Instrument der Rechenschaftslegung als Leistungsnachweis gegenüber der Gesellschaft bzw dem Staat.

 

I.2. Die Debatte in Bezug auf die interne und externe Dimension der Evaluierung verläuft kontroversiell: Qualität beruhe nicht auf externer Kontrolle und Evaluierung, sondern auf internen kontinuierlichen Verbesserungen in kleinen Schritten, in Bezug auf jene Prozesse, die die Kernleistungen der Universität sicherstellen.

Der internationale Trend geht in Richtung der Frage, ob und wie Qualitätsmanagementsysteme in Universitäten implementiert werden können und welche Elemente des „Total Quality Managements“ relevant sein könnten. Folgende Grundprinzipien werden jedenfalls in die Diskussion eingebracht:

  • Orientierung an den Anspruchsgruppen: Die Befriedigung der Bedürfnisse der Anspruchsgruppen (sowohl der internen als auch der externen) steht im Vordergrund des universitären Handelns.
  • Prozessorientierung: Die Leistungen werden in Prozesse bzw Teilaufgaben zerlegt, die in einer „Qualitätskette“ voneinander abhängen und entsprechend gesteuert und koordiniert werden müssen (zB Gesamtplanung der Curricula und der im Durchführungsprozess inhaltlichen und zeitlichen Abstimmung).
  • Kontinuierliche Verbesserungen: Die Identifizierung von Schwächen, deren Verbesserung und entsprechende Veränderungen werden als permanente Aufgabe für alle Organisationsmitglieder gesehen (vgl dazu zB Hill/Wilkinson, Employee Relations 1995, 8 ff).

Als zentrales Problem der Qualitätssicherung und des Qualitätsmanagements wird die nachhaltige Implementierung der Prinzipien und Instrumente gesehen. Besondere Kriterien sind hierbei:

  • Rolle der Leitungsorgane auf allen Ebenen („Leadership“)
  • Zielgruppenorientierung
  • Strategieentwicklung und strategische Qualitätsplanung
  • Personal- und Organisationsentwicklung
  • Steuerung und Kontrolle der Qualität der Leistungsprozesse
  • Qualitätsansprüche und operative Ergebnisse (iS von Indikatoren, Kennziffern usw)
  • Informationssysteme und die Analyse und Verwendung der Informationen.

Näher zu diesen Konzepten Hill/Wilkinson, Employee Relations 1995, 10 ff, sowie Yong/Wilkinson, Total Quality Management 2001, 247 ff.

 

I.3. Die Qualität von Lehre und Forschung ist national und international zunehmend ein Wettbewerbsfaktor zwischen Universitäten, der in Ressourcenallokation, Nachfrage nach den Leistungen und Attraktivität einer Universität zum Ausdruck kommt.

Sowohl aus staatlichem als auch aus universitärem Interesse umfasst das Gesetz die Verpflichtung zur Evaluierung und Qualitätssicherung der Aufgaben und Kernleistungen jeder Universität.

§ 14 UG bietet wichtige Ansatzpunkte des Qualitätsmanagements von Universitäten. Insofern sind die postulierten universitären Evaluierungsperspektiven notwendige Voraussetzungen für die Erreichung bzw. Sicherstellung von Qualität.

Die große Herausforderung besteht in Bezug auf die Entwicklung und Implementierung nachhaltiger Qualitätsmanagementsysteme und einer entsprechenden universitären „Qualitätskultur“. Diese müssen als grundsätzliches Element in jeder Universität von innen entwickelt und auf allen Ebenen und in allen Organisationseinheiten gelebt werden.

Es ist anzumerken, dass in der internationalen Diskussion den Konzepten des Total Quality Management zwar grundsätzlich Nutzen für die Qualitätsentwicklung und -sicherung an Universitäten zugeschrieben wird, dass jedoch konzeptionelle und inhaltliche Schwierigkeiten in Bezug auf die Entwicklung für und Anpassung an die universitären Kernleistungen bestehen. Diese stellen besondere Herausforderungen an die Universitätsleitung und alle anderen leitenden Organe dar. Unbestritten ist, dass vermehrt die Wirksamkeit des implementierten Qualitätsmanagementsystems zu prüfen und ggf dasselbe zu adaptieren ist.

Zu Quality Assurance und Quality Assessment s auch die Publikationen der OECD – Journal of the Programme on Institutional Management in Higher Education, und insb die Fallstudien „Institutional Experiences of Quality Assessment in Higher Education“ (2001): http://www.oecd.org/.

 

II. Weitere Qualitätssicherungsmaßnahmen im Hochschulbereich

II.4. „Sowohl auf universitätsinterne als auch auf externe Evaluierungen sollen international übliche Evaluierungsmethoden angewendet werden, um die Akzeptanz der Ergebnisse im internationalen Kontext sicherzustellen“ (ErlRV UG 02, 75). Für die unterschiedlichen Zwecke müssen unter Berücksichtigung der differenzierten Zielgruppen allerdings unterschiedliche Evaluierungsverfahren und -instrumente zur Anwendung kommen.

Die externe Qualitätssicherung im Hochschulbereich soll über die Hochschulsektoren hinaus nach europäischen Standards homogenisiert werden. Um dieses Ziel zu verwirklichen, wurde das Bundesgesetz über die externe Qualitätssicherung im Hochschulwesen und die Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria (Hochschul-Qualitätssicherungsgesetz – HS-QSG) BGBl I 2011/74 erlassen.

Dem vorliegenden Konsultationspapier (BMWF 2009) sind als „Ziele und Nutzen der Neuordnung der externen Qualitätssicherung“ zu entnehmen:

  • Festlegung gemeinsamer Standards für hochschulische Angebote und damit verbunden Verbesserung und Sicherung der Akzeptanz der Leistungen von Universitäten und Hochschulen;
  • Entwicklung eines einheitlichen nationalen Systems der externen Qualitätssicherung (unter Wahrung der institutionellen Autonomie der Hochschulen);
  • Verbesserung der Evaluierungs- und Qualitätssicherungsinstrumente, Rechenschaftslegung („accountability“) und Qualitätsentwicklung;
  • Verbesserung der (vertikalen und horizontalen) Durchlässigkeit im tertiären Bereich in allen Aktivitätsbereichen der Hochschulen (zB Transferierbarkeit von Abschlüssen und Modulen);
  • Beitrag zur Gestaltung und Umsetzung des gemeinsamen Hochschulraumes (Schaffung von gegenseitigem Vertrauen, Anerkennung, Entwicklung und Anwendung vergleichbarer Standards und Methodologien);
  • Neue Formen der Transparenz nach europäischen Standards (zB Veröffentlichung der Akkreditierungs- bzw Zertifizierungsentscheidungen, der Evaluierungsberichte, regelmäßige Peer Review der neuen Agentur).

Die Hauptverantwortung für die Qualität und die Evaluierung des Leistungsangebotes verbleibt bei den Hochschulen (Universitäten). Der Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems gem § 14 UG soll auditiert und beispielhaft auch für einzelne Studiengänge näher betrachtet werden. Die mit dem Audit verbundene Zertifizierung hat allerdings keine unmittelbare Rechtswirkung für die Universitäten, sondern wird vielmehr im Zuge der Leistungsvereinbarung zu Konsequenzen führen.

 

II.5. Die im § 13 Abs 6 UG bestehende Verpflichtung zur Erstellung einer jährlichen Wissensbilanz ist letztlich ebenfalls als Instrument der Qualitätssicherung im Sinne der Selbststeuerung und der Kommunikation innerhalb und außerhalb der Universität zu sehen (vgl Biedermann/Graggober/Sammer in Bornemann/Sammer 57 ff; s dazu auch Biedermann in Matzler/Pechlaner/Renzl 482 ff).

 

Literatur:  Biedermann, Wissensbilanz als Strategie- und Steuerungsinstrument, in Matzler/Pechlaner/Renzl (Hrsg), Werte schaffen – Perspektiven einer stakeholderorientierten Unternehmensführung (2003) 481; Biedermann/Graggober/Sammer, Die Wissensbilanz als Instrument zur Steuerung von Schwerpunktbereichen am Beispiel eines Universitätsinstitutes, in Bornemann/Sammer (Hrsg), Anwendungsorientiertes Wissensmanagement: Ansätze und Fallstudien aus der betrieblichen Praxis (2002) 53; BMWF, Konsultationspapier. Neuordnung der externen Qualitätssicherung im Hochschulbereich (2009); Hill/Wilkinson, In search of TQM, Employee Relations 1995, 17/3, 8; OECD – Journal of the Programme on Institutional Management in Higher Education: Higher Education Management and Policy; Sturm, Hochschulische Qualitätsmanagementsysteme: Vorgaben, Ausgestaltungsalternativen, in Hauser (Hrsg), Jahrbuch Hochschulrecht 2015 (2015) 37; Yong/Wilkinson, Rethinking total quality management, Total Quality Management 2001, 12/2, 247.


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