Kommentar zu §14 UG 2002

(Quelle: Biedermann/Strehl in Mayer, UG 1.03 § 14 (ug.manz.at); Stand: 1.3.2009 )

I.1. § 14 Abs 1 UG 2002 gebietet zwingend den Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems. Im Weiteren bezieht sich § 14 UG 2002 insbesondere auf universitätsexterne und -interne Evaluierung, geht jedoch nicht näher auf das Qualitätsmanagement ein. Evaluierung ist allerdings nur als ein - wenn auch wesentlicher Bereich des Qualitätsmanagements zu sehen, kann aber keinesfalls damit gleichgesetzt werden.

Ein solches Managementsystem zur Qualitäts- und Leistungssicherung stellt ein notwendiges, ergänzendes Element zur Leistungsvereinbarung und zum Globalbudget dar. Neben Effizienz und Effektivität der Leistungserbringung ist auch deren Qualität zentraler Gedanke des New Public Managements. Der Grundansatz ist dabei, die Qualität der Tätigkeiten, Prozesse und Strukturen zu sichern, um die Qualität der Ergebnisse aus Sicht der Adressaten der Leistungen zu gewährleisten.

Qualitätssicherung bedeutet die Entwicklung und Umsetzung von Managementkonzepten, die eine hohe Qualität der Kernaufgaben und Leistungen der Universitäten sicherstellen sollen. Der Fokus liegt hierbei auf der Verhinderung von Fehlleistungen. Qualitätssicherungssysteme betonen insbesondere die Steuerung und Kontrolle von Qualität. Interne und externe Evaluierungen spielen dabei eine zentrale Rolle: externe Evaluierungen haben Anstoß- und auch Präventivfunktionen, nachhaltige Qualitätssteigerungen müssen allerdings von innen sichergestellt werden.

Die Ergebnisse interner Evaluierungen sind insbesondere für Entscheidungs- und Organisationsentwicklungsprozesse von Bedeutung.

Im Vordergrund steht die kritische Auseinandersetzung mit Zielen, Planungen oder Vorhaben, deren Wirkungsweise abgeschätzt und mit Blick auf die beabsichtigten Ergebnisse bewertet wird. Nach außen gerichtet sind Evaluierungen ein Instrument der Rechenschaftslegung als Leistungsnachweis gegenüber der Gesellschaft bzw dem Staat.


I.2. Die Debatte in Bezug auf die interne und externe Dimension der Evaluierung verläuft kontroversiell: Qualität beruhe nicht auf externer Kontrolle und Evaluierung, sondern auf internen kontinuierlichen Verbesserungen in kleinen Schritten, in Bezug auf jene Prozesse, die die Kernleistungen der Universität sicherstellen.
Der internationale Trend geht in Richtung der Frage, ob und wie Qualitätsmanagementsysteme in Universitäten implementiert werden können und welche Elemente des „Total Quality Managements" relevant sein könnten. Folgende Grundprinzipien werden jedenfalls in die Diskussion eingebracht:

- Orientierung an den Anspruchsgruppen: die Befriedigung der Bedürfnisse der Anspruchsgruppen (sowohl der internen als auch der externen) steht im Vordergrund des universitären Handelns.

- Prozessorientierung: die Leistungen werden in Prozesse bzw Teilaufgaben zerlegt, die in einer „Qualitätskette" voneinander abhängen und entsprechend gesteuert und koordiniert werden müssen (zB Gesamtplanung der Curricula und der im Durchführungsprozess inhaltlichen und zeitlichen Abstimmung).

- Kontinuierliche Verbesserungen: Die Identifizierung von Schwächen, deren Verbesserung und entsprechende Veränderungen werden als permanente Aufgabe für alle Organisationsmitglieder gesehen (vgl dazu zB Hill/Wilkinson, In search of TQM, Employee Relations 1995, 8 ff).

Als zentrales Problem der Qualitätssicherung und des Qualitätsmanagements wird die nachhaltige Implementierung der Prinzipien und Instrumente gesehen. Besondere Kriterien sind hierbei:

- Rolle der Leitungsorgane auf allen Ebenen („Leadership")
- Zielgruppenorientierung
- Strategieentwicklung und strategische Qualitätsplanung
- Personal- und Organisationsentwicklung
- Steuerung und Kontrolle der Qualität der Leistungsprozesse
- Qualitätsansprüche und operative Ergebnisse (iS von Indikatoren, Kennziffern usw)
- Informationssysteme und die Analyse und Verwendung der Informationen.


I.3. Die Qualität von Lehre und Forschung ist national und international zunehmend ein Wettbewerbsfaktor zwischen Universitäten, der in Ressourcenallokation, Nachfrage nach den Leistungen und Attraktivität einer Universität zum Ausdruck kommt.
Sowohl aus staatlichem als auch aus universitärem Interesse umfasst das Gesetz die Verpflichtung zur Evaluierung und Qualitätssicherung der Aufgaben und Kernleistungen jeder Universität.

§ 14 UG 2002 bietet wichtige Ansatzpunkte des Qualitätsmanagements von Universitäten. Insofern sind die postulierten universitären Evaluierungsperspektiven notwendige Voraussetzungen für die Erreichung bzw Sicherstellung von Qualität.

Die große Herausforderung besteht in Bezug auf die Entwicklung und Implementierung nachhaltiger Qualitätsmanagementsysteme und einer entsprechenden universitären „Qualitätskultur". Diese müssen als grundsätzliches Element in jeder Universität von innen entwickelt und auf allen Ebenen und in allen Organisationseinheiten gelebt werden.

Es ist anzumerken, dass in der internationalen Diskussion den Konzepten des Total Quality Management zwar grundsätzlich Nutzen für die Qualitätsentwicklung und -sicherung an Universitäten zugeschrieben wird, dass jedoch konzeptionelle und inhaltliche Schwierigkeiten in Bezug auf die Entwicklung für und Anpassung an die universitären Kernleistungen bestehen. Diese stellen besondere Herausforderungen an die Universitätsleitung und alle anderen leitenden Organe dar.

 

Quelle: Biedermann/Strehl in Mayer, UG 1.03 § 14 (ug.manz.at); Stand: 1.3.2009