Kein Parteigänger regionaler Selbstbespiegelung 

Die Verleihung des 1. Josef-Lackner-Preises an den Südtiroler Architekten und emeritierten Universitätsprofessor Othmar Barth sowie die anschließende Eröffnung einer Ausstellung zum 80. Geburtstag Barths lockte am ersten Juni zahlreiche prominente Architekten und Politiker ins ehemalige Adambräu.

Die Fakultät für Architektur der Universität Innsbruck feierte ihr dreijähriges Bestehen mit einem „movable feast“ wie Vizerektor und Dekan der Fakultät für Architektur, Tilman Märk, die Doppelveranstaltung nach Hemingway beschrieb: Der 1. Fakultätstag der Fakultät für Architektur stand ganz im Zeichen des Architekten und Lehrers Othmar Barth. Im Rahmen einer feierlichen Preisverleihung im AUT, die von Rektor Manfried Gantner eröffnet wurde, erhielt er den 1. Josef-Lackner-Preis der Fakultät für Architektur. Danach wurde die Ausstellung „Othmar Barth. Architekt und Lehrer“ im Archiv für Baukunst eröffnet. Unter den Gästen waren neben ProfessorInnen der Fakultät und zahlreichen ehemaligen StudentInnen Barths auch Stadtplanerin Schmeissner Schmid, Stadträtin Pokorny-Reiter, Altlandeshauptmann Weingartner sowie der über neunzigjährige Tiroler Architekt Hubert Prachensky.

Kommentare zu einer baukulturellen Situation

Othmar Barth, der im Mai seinen 80. Geburtstag feierte, ist ein äußerst würdiger Preisträger des ersten Josef-Lackner-Preises – darin waren sich alle Anwesenden einig. Geehrt wurde der emeritierte Professor für seine Pionierarbeit in Hinblick auf die Tiroler Architektur, sein Engagement zur Wiederentdeckung Lois Welzenbachers und nicht zuletzt für seine hervorragenden Leistungen als Professor an der Universität Innsbruck. Als Laudator für Othmar Barth fand sich kein geringerer als Architekt und Architekturkritiker Friedrich Achleitner ein.
In seiner Lobrede hob Achleitner die „Geschlossenheit und Kontinuität“ von Barths Lebenswerk hervor und schwärmte ausgiebig von seinem wohl bekanntestem Bauwerk, der Cusanus-Akademie in Brixen, die „nach 45 Jahren immer noch zu überraschen vermag.“ Barths Bauwerke seien „immer auch Kommentare zu einer baukulturellen Situation“ und beschäftigen sich mit dem Spannungsfeld zwischen Kultur und Landschaft ohne „Parteigänger regionaler Selbstbespiegelung zu sein.“

 

Pokal als Hommage an Josef Lackner

Indirekt geehrt wurde an diesem Abend aber auch der Namensgeber des von der Fakultät für Architektur neu geschaffenen Preises, Josef Lackner. Die Familie des verstorbenen Tiroler Architekten hat den Preis gemeinsam mit dem Haller Künstler Helmut Bruch realisiert. Das Ergebnis ist ein prismatischer Pokal aus Acryl, dessen Form der Geradlinigkeit der Architektur Josef Lackners nachempfunden ist, und aus dem man laut Künstler Bruch „nur Licht und Farben trinken kann.“

 

Charismatische Lehrpersönlichkeit und stille Größe

Othmar Barth ist kein Selbstdarsteller, sondern eher ein stiller Beobachter, bestes Beispiel dafür ist sein nur 15 Zeilen umfassender Lebenslauf, so charakterisierte Friedrich Achleitner den Preisträger. Barths langjähriger Wegbegleiter Friedrich Kurrent, ließ in seiner Rede zur Eröffnung der Ausstellung „Othmar Barth. Architekt und Lehrer“ seine Zusammenarbeit mit Barth Revue passieren. Barth sei „ein guter Lehrer, für den Fragen wichtiger sind als Antworten.“ Auch Rainer Köberl, der zusammen mit einem langjährigen Assistenten Barths, die Ausstellung „Barth-SchülerInnen 1975 – 1993“ konzipierte, war voll des Lobes für seinen ehemaligen Professor.
Barth vermittelte seinen StudentInnen während seiner über zwanzigjährigen Lehrtätigkeit im Rahmen von zahlreichen Exkursionen alle Aspekte von Architektur. Barth reiste – wie er es selbst formulierte – „dorthin, wo Architektur passiert“, um das Architektur- und Raumverständnis seiner StudentInnen zu wecken. Sein Ziel als Lehrer war, „eine Zusammenschau, eine Verschränkung der Erfahrung als Summe all dessen, was die Studenten in einzelnen Lehrveranstaltungen gelernt haben“ bewirken.

 

Ausstellung: Othmar Barth. Architekt und Lehrer

Barth-SchülerInnen 1975-1993 (Adambräu Ebene 6)
60 inzwischen international tätige ArchitektInnen wurden als ehemalige StudentInnen Othmar Barths aufgefordert, sich jeweils mit einer Studienarbeit und einem Projekt aus jüngster Zeit an einer Überblicksausstellung im Archiv für Baukunst zu beteiligen: So steht nicht der planende und bauende Architekt Barth im Mittelpunkt der Ausstellung sondern der lehrende Hochschulprofessor. Die pfiffige Idee, die hinter dem Konzept steckt, wurde in Zusammenarbeit mit Rainer Köberl, dem langjährigen Assistenten Othmar Barths an der Universität Innsbruck, entwickelt. 

Studien zum Werk von Lois Welzenbacher (Adambräu  Ebene 3)
In Lehre und Forschung beschäftigte sich Othmar Barth ausführlich mit Lois Welzenbacher und trug maßgeblich zu dessen Wiederentdeckung bei. Gemeinsam mit  Friedrich Kurrent erarbeitete er 1990 die Ausstellung „Lois Welzenbacher 1889-1955. Architekturmodelle. Studienarbeiten der Universität Innsbruck und der TU München“. Auf Ebene 3 Adambräu-Gebäudes erinnert die Präsentation von 12 ausgewählten Modellen an die außerordentlich erfolgreiche Initiative von Othmar Barth und Friedrich Kurrent.

 

Die Ausstellung ist vom 1. Juni bis 27. Juli 2007 im Archiv für Baukunst zu sehen.
Weitere Informationen auf: http://138.232.142.39/index.php 

 

Bildmaterial zur Aussendung auf:
http://www.uibk.ac.at/public-relations/presse/medienservice/index.html#pa87

 

Rückfragehinweis

Archiv für Baukunst der Universität Innsbruck
Lois Welzenbacher Platz 1 (Adambräu)
6020 Innsbruck

Telefon: +43 (0512) 507-6552 oder 6551
E-Mail: archiv.baukunst@uibk.ac.at
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