Der denkende Computer

„Wenn wir den Computer in die Lage versetzen, das Wissen zu verstehen, haben wir so etwas geschaffen wie ein Gehirn der Menschheit“, ist sich Prof. Dieter Fensel sicher. Wie nahe die Forschenden diesem Ziel sind, lesen Sie im folgenden Artikel.

 

 semantic

Bis dato ist ein Computer in der Lage, große Mengen von Daten und Informationen zu speichern und wiederzugeben. Es fehlen aber Beschreibungsstandards und Technologien zur Optimierung der Suche nach Informationen und Dokumenten sowie zur automatischen Verarbeitung von Daten und Wissen aus unterschiedlichen Quellen. Kurzum: Ein Computer kann Informationen speichern und wiedergeben, sie aber nicht selbständig verknüpfen.

 

Schlüssel semantische Technologien

 

Das Digital Enterprise Research Institute DERI wurde 2003 am Institut für Informatik der LFU gegründet. Unter der Leitung von Prof. Dieter Fensel wird dort versucht, dem Computer so etwas wie Selbstbewusstsein beizubringen. „Der Computer muss in der Lage sein, sich selbst zu verstehen – die Bedeutung der Daten und der Programme“, formuliert es Prof. Fensel. Im Mittelpunkt der Forschungsarbeiten steht dabei nicht das Programmieren, sondern das Modellieren, also das Darstellen von Bedeutung, um Programmieren möglichst überflüssig zu machen.

 

Ist da jemand?

 

Mit Hilfe semantischer Technologien sollen bestehende Wissensressourcen besser genutzt und darüber hinaus miteinander vernetzt werden. Bestehende Web Services, also Programme, die einen bestimmten Dienst über das Internet mittels einer standardisierten Schnittstelle anbieten, sind ein erster Schritt. Nach wie vor aber erkennt der Computer nicht, mit welchem anderen Service er es zu tun hat und wie er darauf aufbauend mit einem anderen Computer zusammenarbeiten soll. Dies funktioniert erst, wenn der Computer „versteht“, welche Informationen in welcher Form zu welchem Zeitpunkt relevant sind.

 

Metasprache und Ontologien

 

Semantic Web Services versuchen genau diese Fähigkeit Computern beizubringen. Bestehende Daten werden mit Metadaten angereichert, etwa wie bei einem Katalog: Dinge werden beschrieben, ohne dass sie selbst enthalten sind. Solche Metadaten sind aber nur eine Übergangslösung, bis spezielle Sprachlogiken (Ontologien) entwickelt sind, um Informationen mit einer für den Computer nachvollziehbaren Bedeutung zu versehen. Objekte und ihre Beziehungen zueinander müssen so gespeichert und verknüpft werden, dass ein Computer selbständig sinnvolle Schlussfolgerungen berechnen kann.

 

Terminator 4?

 

So gut wie das gesamte menschliche Wissen ist bereits im World Wide Web enthalten. Der Mensch versteht es, aber für einen einzelnen ist es viel mehr, als er allein jemals wissen und verstehen kann. Beim Computer ist es genau umgekehrt, er kann das gesamte Wissen speichern, aber er versteht es nicht. In etwa einer Generation wird sich dieser Sachverhalt grundlegend geändert haben, ist sich Prof. Fensel sicher: „Bis dahin werden wir unser Ziel erreicht haben. Dann wird ein Computer zwar nicht wie ein Mensch denken können, dafür aber allumfassend informiert seine Schlußfolgerungen ziehen können. Wir hätten dann so etwas wie ein Gehirn der Menschheit geschaffen.“