Wissenschaftliche Leistungen werden ausgezeichnet

Verleihung des Liechtenstein-Preises an Innsbrucker WissenschafterInnen

 

Im Rahmen einer akademischen Feier wird am 21. Februar 2005 der Liechtensteinpreis 2004 an drei Wissenschaftler der Innsbrucker Universitäten verliehen. Der Liechtenstein-Preis wird seit 1983 jedes Jahr für herausragende wissenschaftliche Arbeiten vergeben. Heuer erhalten ihn mit Frau Univ.-Prof. Dr. Magdalena Pöschl, vom Institut für Öffentliches Recht, Finanzrecht und Politikwissenschaft und Herrn Dr. Selim Jochim vom Institut für Experimentalphysik zwei VertreterInnen der Leopold-Franzens-Universität und mit Herrn Dr. Michael J. Außerlechner von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde ein Vertreter der Medizinischen Universität.

 

Das Preisgeld von insgesamt 7.500 Euro wird von der stellvertretenden Liechtensteinischen Regierungschefin Rita Kieber-Beck überreicht. Die PreisträgerInnen werden im Rahmen der Veranstaltung auch einen kurzen Einblick in ihre Arbeiten geben.

 

Im Namen des Fürstentum Liechtenstein und beider Innsbrucker Universitäten laden wir Sie herzlich zur akademischen Feier am Montag, den 21, Februar 2005, um 15 Uhr in den Senatssitzungssaal der Universität Innsbruck, Christoph-Probst-Platz, Innrain 52 ein.

 

Univ.-Prof. Dr. Magdalena Pöschl, Institut für Öffentliches Recht, Finanzrecht und Politikwissenschaft beschäftigte sich in ihrer Habilitationsschrift mit Fragen der Gleichheit vor dem Gesetz. In ihrer Arbeit zeigt Pöschl, dass die historische Entwicklung des Gleichheitssatzes, sein Wortlaut, seine Zielsetzung und seine Stellung im System der Verfassung ein bislang unausgeschöpftes Auslegungspotential beinhalten. Die Bedeutung dieses Grundrechts wird maßgeblich erhellt und seine rationale, im Einzelfall vorhersehbare Anwendung erheblich erleichtert.

 

Magdalena Pöschl wurde 1970 in Innsbruck geboren und studierte seit 1988 Rechtswissenschaft an der Universität Innsbruck. Ab 1990 setzte sie ihr Studium an der Universität Wien fort. Sponsion zur Magistra iur. 1992, Doktoratsstudium von 1993 bis 1995. Magdalena Pöschl promovierte 1995 mit einer Dissertationsschrift zum Thema „“Die Sprache der Grundfreiheiten“. Sie habilitierte sich 2004. Für ihre Habilitationsschrift wurde ihr der Liechtensteinpreis verliehen.Ihre berufliche Karriere startete Pöschl am Institut für öffentliches Recht und Politikwissenschaft an unserer Alma Mater von 1993 bis 1999. In diese Zeit fielen auch Gerichtspraktika am Bezirks- und Landesgericht in Innsbruck, sowie wissenschaftliche Mitarbeit am Verfassungsgerichtshof. Ab 1999 war Prof. Pöschl als Universitätsassistentin am Institut für Öffentliches Recht, Finanzrecht und Politikwissenschaft tätig.Im Jahr 2000 folgte die Zuerkennung des APART-Stipendiums durch die Akademie der Wissenschaften. Sie verfasste die mit dem Liechtenstein-Preis ausgezeichnete Habilitationsschrift im Rahmen dieses Stipendiums. 2004 wurde ihr die Lehrbefugnis für das Fach „Verfassungs- und Verwaltungsrecht verliehen. Seit März 2004 lehrt Prof. Pöschl am Institut für öffentliches Recht, Finanzrecht und Politikwissenschaften in Innsbruck. Derzeit ist sie in einer Lehrstuhlvertretung im Fachbereich für öffentliches Recht an der Universität Salzburg.

 

Dr. Selim Jochim, Institut für Experimentalphysik beschäftigte sich in seiner Dissertation mit dem Bose-Einstein-Kondensat aus Molekülen. Ihm ist es mit seiner Arbeit zur Dissertation gelungen, im Bereich ultrakalter Atome eine stabile Wolke aus Lithiumatomen, ein so genanntes Bose-Einstein-Kondensat (BEC) zu erzeugen. Im Rennen mit amerikanischen Forschern war Jochim nicht nur schneller, er konnte auch ein stabileres Kondensat erzeugen. Während das Kondensat aus Kalium-Atomen der Amerikaner nur 10 Millisekunden bestand, blieb das von Jochim geschaffene Lithium-Kondensat für 20 Sekunden stabil und konnte genauer untersucht werden. Die Fachpresse feierte die Gruppe von Wissenschaftern um Dr. Selim Jochim und Prof. Rudolf Grimm, gemeinsam mit dem Institut für Quantenoptik und Quanteninformation der Österreichischen Akademie der Wissenschaft, als „Top-ten Scientists“

 

Fest, flüssig, gasförmig - im Alltag kommt man nur mit diesen drei Aggregatzuständen in Kontakt. Mit einem neuen Materiezustand, dem Fermi-Kondensat, beschäftigt sich Selim Jochim und das Quantenphysiker-Team rund um Prof. Rudolf Grimm. Die im vergangenen Jahr erstmals realisierten Fermi-Kondensate ähneln dem Bose-Einstein-Kondensat (BEC). Das ist eine Materieform von abgekühlten Teilchen sehr nahe am absoluten Nullpunkt von -273 Grad Celsius. Die Teilchen im BEC haben ganzzahligen Drehimpuls und gehören daher der Klasse der Bosonen an, die sich gesellig zu einem Kondensat zusammenschließen um sich dann kollektiv wie ein einziges Objekt zu verhalten. Im Zuge von Jochims Arbeit gelang es Ende letzten Jahres weltweit erstmals, jeweils zwei fermionische Lithium-6-Atome in einem ultrakalten Gas zu Molekülen (Bosonen) zu verbinden und zu einem BEC abzukühlen. Mit Hilfe dieser Forschungsarbeit konnte nicht nur ein superfluider Zustand geschaffen werden, es eröffnen sich auch grundlegende Einblicke in den Aufbau der Materie. Wenn man anschließend die Moleküle wieder aufbricht und die Atome auf andere Weise paart, sollte ein Zustand entstehen, der dem eines Supraleiters gleicht, in dem Elektronen widerstandsfrei durch die Leiter fließen.

 

Selim Jochim wurde 1975 in Leimen (Deutschland) geboren. Nach dem Abitur am Friedrich-Wöhler-Gymnasium in Singen nahm er im Sommer 1994 am High School Honors Reserch Program des U.S. Department of Energy, Brookhaven National Labatory, USA teil.

Von 1994 bis 2000 absolvierte er sein Physikstudium an der Universität Heidelberg. Einen Teil seiner Studienzeit (August 1996 – Mai 1997) verbrachte er an der University of California in Berkeley und an der San Francisco State University. Mit der Diplomarbeit am Max-Planck-Institut für Kernphysik in Heidelberg schloss er 2000 sein Studium ab. Kurz darauf begann er ein Promotionsstudium der Physik am Max-Planck-Institut in Heidelberg, das er ab Sommer 2001 in Innsbruck fortsetzte. Im Herbst 2004 promovierte er mit der durch den Liechtenstein-Preis ausgezeichneten Dissertationsschrift zum Thema „Bose-Einstein-Kondensat von Molekülen“.

Seit November 2004 ist Dr. Selim Jochim als Postdoc am IBM Zurich Research Laboratory tätig.

 

Dr. Michael J. Außerlechner von der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde beschäftigt sich in seiner Arbeit „Cyclin D3 und c-Myc kontrollieren Glukokortikoid-induzierten Zellzyklusarrest aber nicht Apoptose in lymphoblastischen Leukämiezellen“, die er gemeinsam mit Petra Obexer, Günther Böck, Stephan Geley und Reinhard Kofler verfasst hat, mit dem Einfluss von Glukokortikoiden auf die Zellteilung bei kindlicher Leukämie. Glukokortikoide sind Hormone der Nebennierenrinde, die eine Reihe von biologischen Vorgängen, wie Stoffwechsel, Immunantwort und entzündliche Reaktionen regulieren. In bestimmten Zellen des Immunsystems und davon abgeleiteten Krebszellen (Leukämien) können Glukokortikoide Zelltod (Apoptose) auslösen bzw. die Zellteilung stoppen. Dies macht man sich in der Therapie entsprechender Krebserkrankungen, ganz besonders der akuten lymphoblastischen Leukämien des Kindesalters, zu Nutze. In der vorliegenden Arbeit wurde der Mechanismus, wie Glukokortikoide die Zellteilung von kindlichen Leukämiezellen blockieren können, an Hand einer in der Gewebekultur gezüchteten kindlichen lymphoblastischen Leukämiezelllinie mit neuartigen molekularbiologischen Methoden aufgeklärt. Das Hormon unterdrückt die Expression zweier wichtiger Zellzykluregulatoren (Cyclin D3 und c-myc), wobei die Unterdrückung beider Gene für Zellzyklusarrest, nicht aber für Apoptoseinduktion, notwendig ist. Wir untersuchen gegenwärtig, inwieweit sich diese Daten auf die Situation bei Kindern mit ALL übertragen lässt und ob Störungen in dieser Regulation für das klinisch wichtige Phänomen der Glukokortikoidresistenz mitverantwortlich sind.

 

Michael J. Außerlechner wurde am 13. Dezember 1971 in Lienz/Osttirol geboren, wo er auch zur Schule ging. Im September 1990 begann er an der Universität Innsbruck das Studium der Mikrobiologie, das er im Herbst 1996 mit einer Diplomarbeit am damaligen Institut für Pathophysiologie bei Prof. Dr. Georg Wick abschloss. Im Januar 2001 folgte dann die Disseration bei Prof. Dr. Reinhard Kofler (Abteilung für Molekulare Pathophysiologie am Institut für Pathophysiologie), wo er im Anschluss auch als Forschungsassistent und von April 2001 bis April 2003 als Laborleiter arbeitete. Seit Mai 2003 ist Außerlechner Leiter des Molekularbiologischen Forschungslabors der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde. Im Herbst 2003 verbrachte er einen zweimonatigen Forschungsaufenthalt am Albert Einstein College of Medicine in New York.

 

 

Rückfragehinweis:

 

Mag. Stefan Reisigl
Büro für Öffentlichkeitsarbeit und Kulturservice

Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

Tel.: 0512 / 507 – 2589

Fax: 0512 / 507 – 2814

E-Mail: stefan.reisigl@uibk.ac.at

 

 

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