Kritische Betrachtung des Transitverkehrs

Nach Ablauf des Transitvertrags zu Beginn des Jahres ist der Transitverkehr nach wie vor ein stark emotional beladenes Thema, das, wie die Osterblockade zeigte, tausende TirolerInnen auf die Straße bringt. Die Osttirolerin Liebgard Fuchs vom Institut für Geographie hat in ihrer Diplomarbeit dieses heiße Eisen aufgegriffen und die Transitbelastung zwischen Kiefersfelden und dem Brenner (A12-A13) einer quantitativen Bestandsaufnahme unterzogen. Daneben analysierte sie die Schadstoffbelastung seit den 70-er Jahren und den Kombiverkehr Straße-Bahn. Sie lieferte mit ihrer Arbeit von unabhängiger Seite objektive Datengrundlagen zum Verkehr, die sich deutlich von den in der Öffentlichkeit und von den Medien teilweise tendenziell benutzten Daten unterscheiden. Sie will damit zur Entwicklung von realistischen  Lösungsansätze beitragen. Sie bekam für ihre Grundlagenarbeit den Europäischen Verkehrsforschungspreis für Nachwuchswissenschaftler verliehen, der in Opatija (Kroatien) im Rahmen des dritten Europäischen Verkehrskongresses übergeben wurde.


Grundsätzlich stellt Fuchs fest, dass rund 80% des gesamten Verkehrsaufkommens von PKWs stammt, und 20% dem LKW-Güterverkehr  zuzurechnen ist (Bsp. Vomp). Davon wiederum 10% sind Transitverkehr. Der Transitverkehr kann also nicht alleiniger Verschulder der Verkehrsmisere sein, was bei Lösungsstrategien bedacht werden soll. Betrachtet man nur den Güterverkehr, so ergeben sich für die einzelnen Verkehrsstellen sehr unterschiedliche Zahlen für Binnen-, Bilateral- und Transitverkehr: In Vomp sind ca. 55% aller LKWs dem Binnen- und Bilateralverkehr zuzuordnen, d.h. die LKW-Fahrten dienen der Versorgung der Tiroler Bevölkerung und dem Handel zwischen Tirol und den Nachbarländern. Der Rest entfällt auf Transitfahrten. Am Brenner hingegen zählen 80% der LKW-Fahrten zum Transit. Eine isolierte Darstellung der Daten oder die Bildung von Durchschnittswerten verzerrt das tatsächliche Bild.


Auch die Schadstoffbelastung der Luft muss differenziert betrachtet werden: Sie hat sich seit den 70er Jahren zwar in der Zusammensetzung verändert, die Luftqualität hat sich aber nicht unbedingt  verschlechtert. Während die Industrie durch strenge Auflagen den Ausstoß wesentlich gesenkt hat und sich die Kohlenmonoxid- und Schwefeldioxidbelastung verringert hat, ist der Verkehrssektor ein Negativbeispiel. Der Verkehr, und hier vor allem der Güterverkehr, hat sich zu einem gewichtigen Emittenten entwickelt. Trotz Transitvertrag haben sich die NOx-Werte in den letzten 10 Jahren um 18% erhöht. Den Kombiverkehr sieht Fuchs nicht als Löser aller Verkehrsprobleme. Sie räumt aber ein, dass durch einen weiteren Ausbau des Kombiverkehrs der Mehrverkehr bewältigt werden könnte.
Fuchs zeigte in ihrer Studie deutlich, dass nicht nur der Transitverkehr zum Sündenbock der Verkehrs- und Schadstoffbelastung gemacht werden kann, sondern dass der hausgemachte Verkehr, vor allem auch der PKW-Verkehr, bei einer ganzheitlichen Problemlösung berücksichtigt werden muss. Ihre Studie kann als CD unter der email-Adresse l.fuchs@desalla.at bestellt werden.

 

Kontakt:
Silvia Prock
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
LFU Innsbruck
6020 Innsbruck
Tel.: 0512/507-2014
silvia.prock@uibk.ac.at

 

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