Mythos Gletscher

Gestern fand im Universitätszentrum Obergurgl eine Buchpräsentation des Brauchtumsspezialisten Hans Haid statt. Der Bildband „Mythos Gletscher“ beinhaltet noch nie dagewesenes Bildmaterial, Sagen rund um die Gletscherwelt, Tatsachenberichte bezüglich Gletscherkatastrophen sowie „Anspielungen“ auf neue Entwicklungen wie Gletschererschließung und Gletschersterben.

 

Das Naturschauspiel Gletscher hat die Menschen der Alpen immer fasziniert. Das geheimnisvolle Wachsen und Zurückweichen der Eismassen konnte nicht erklärt werden. „Schreckliche Ereignisse künden davon, dass die Gletscher über Almen und Dörfer gefahren sind, große Eisseen gebildet haben und dass es Überschwemmungen und Eislawinen gegeben hat“, erzählt der Buchautor Hans Haid. Diese Gletscherkatastrophen haben bei den Menschen im Tal Angst und Machtlosigkeit ausgelöst. Es wurden Gelübde abgelegt und es kam zu vielen kultischen Handlungen, um den Gletscher „milde zu stimmen“. Haid hat in diesem Bildband alle wichtigen Gletscherkatastrophen der Alpen festgehalten. In einigen Bergtälern der Alpen gehört das Leben mit den Gletschern seit Jahrhunderten zum Alltag. Die Einheimischen gaben diesem Phänomen viele verschiedene Namen. Allein im Bereich der Alpen hat Haid die Vielfalt von mehr als 15 Begriffen gefunden. “Gletscher“ wurde jedoch zum allgemein verständlichen Sammelbegriff.

 

Unzählige Mythen und Sagen zeugen als Erklärungsmuster von einem intensiven Leben in den Gebirgsregionen, in denen der Gletscher zum Alltag gehörte und gehört. Vor allem in diesen Geschichten kommt der Mythos Gletscher sehr stark zum Ausdruck. So fand Haid heraus, dass die wichtigsten Gipfel und Eisberge zum größten Teil weibliche Namen tragen. In den Sagen sind das die „heiligen Berge“, um die herum sich Sagen und Mythen ranken, in denen wiederum großteils Frauen die Hauptrolle spielen. So beispielsweise in der „Sage von der Frau im Gletscher“. In den Ötztaler Alpen handeln die Geschichten meist von drei Frauen. Außerdem kam Haid zu der Erkenntnis, dass es Sagenparallelen in Bezug auf Sagenmotive zwischen dem Ötztal, dem Langtauferertal und dem Schnalstal gibt.

 

Der Autor Hans Haid ist ein promovierter Volkskundler und Brauchtumsspezialist mit Forschungsschwerpunkt Ötztal. Aufgewachsen im Ötztal, beschäftigt er sich seit etwa zehn Jahren intensiv mit den Ötztaler Alpen. Haid ist freiberuflicher Schriftsteller und Organisator verschiedener internationaler Tagungen. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Regionalliteratur, Dialektliteratur, Volkskultur und vieles mehr. 1976 war Haid Mitbegründer des Internationalen Dialektinstiuts IDI und 1985 Gründer der Vereinigung Arge Region Kultur. Haid ist auch Initiator von EU-Projekten und seit 1997 Herausgeber der Schriftenreihe Ötztal Archiv. „Für dieses Buch habe ich alles zum Thema Alpen gesammelt, das mir in die Finger kam“, schildert Haid. So stellt das Buch „Mythos Gletscher“ nun die größte einschlägige Bildmaterialsammlung zum Thema Gletscher alpenweit dar.

 

„Diese Buchpräsentation im Universitätszentrum Obergurgl ist der Start für eine gute Kooperation“, erklärt Hans Haid. Haid ist bereits seit 30 Jahren mit diesem Haus verbunden. Schon im Jahre 1974 organisierte er dort Tagungen. „Das Obergurgler Universitätszentrum ist für uns eine große Chance und gleichzeitig eine Hoffnung. Neben dem Sport finden hier Naturschutz, Forschung, Wissenschaft und Kultur ihren Platz und machen den Standort Obergurgl zu einem Besonderen“, freut sich Haid über den neuen Schwerpunkt des Universitätszentrums Obergurgl.

 

Weitere Informationen zum Ötztal und der Gletscherwelt der Alpen sind unter http://www.similaun.at/   

zu finden.

 

Rückfragehinweis:

Manuela Rainalter

Büro für Öffentlichkeitsarbeit und Kulturservice

Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

Tel.: 0512 / 507 – 2593

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