Institut für Wasserbau setzte sich gegen europäische Konkurrenz durch

Das Institut für Wasserbau (IWI) der Uni Innsbruck gewann vor einem Jahr eine internationale Ausschreibung zur Untersuchung eines Staudammmodells in Afrika. Neuartige Methoden in der Fertigung und in der Messdatenerhebung ermöglichen eine Ersparnis von Zeit und auch von Arbeit und machen das Institut für Wasserbau so zu einem Top-Anbieter auf dem internationalen Markt der wasserbaulichen Modelltechnologie.

 

Obwohl das IWI nicht der Billigstbieter war, hat es die internationale Ausschreibung für zwei wasserbauliche Modellversuche eines Staudammprojektes im Sudan gegen namhafte europäische Institute gewonnen, weil es vollkommen neue Wege in der Fertigung und Messung geht. Das Herzstück der Fertigung ist ein selbstgebauter Roboter, der aus den CAD Daten vollautomatisiert präzise Hartschaumformen erstellt, die dann in Glasfaser- oder Kohlefasertechnik laminiert werden. Bei der Messwerterfassung sind ebenfalls eigenentwickelte, elektronische Komponenten im Einsatz, die eine automatisierte Messung ermöglichen. An diesem Drittmittelprojekt waren insgesamt 27 Personen beteiligt, neben den neun Mitarbeitern des IWI auch viele studentische Teilzeitbeschäftigte.

 

Der Bau des Staudammes am Nil hat bereits begonnen. Die wissenschaftlichen Vorarbeiten wurden schon vor längerer Zeit durchgeführt, doch Zweifel der Experten an den Ergebnissen dieser Versuche führten zu einer neuen Ausschreibung, die das IWI gewann. Die zwei Modelle weisen einen Modellmaßstab von 1:40 bzw.1:25 auf. Das größere der beiden Modelle hat eine Wassertiefe von beinahe drei Metern und muss deshalb einem enormen Druck auf die Wandelemente standhalten. Der Staudamm wird bei Inbetriebnahme im Jahr 2007/2008 eine Länge von 9,2 Kilometern aufweisen und eine Höhe von 67 Metern haben, was in etwa der Höhe des Riesenrads in Wien entspricht. Der Aufstau wirkt sich auf eine Länge von ca. 200 Kilometern aus, was ungefähr der Strecke von Innsbruck nach Salzburg entspricht.

 

Das Kraftwerk hat eine installierte Leistung von 1250 MW (Megawatt), was ungefähr gleichzusetzen ist mit der Leistung eines Atomkraftwerks. Bei einer mittleren Stromproduktion müsste das Kraftwerk 1.040 Stunden arbeiten, um die Stadt Innsbruck für ein Jahr mit Strom versorgen zu können. Derzeit wird der Strom im Sudan vorwiegend durch Öl- oder Gasgeneratoren produziert. Mit dem geplanten Wasserkraftwerk wird die zur Verfügung stehende Energie verdoppelt. „Das bedeutet eine Infrastrukturverbesserung des Landes, das in großen Teilen sehr arm ist“, erklärt Prof. Peter Rutschmann, Vorstand am Institut für Wasserbau: „Der Bau des Staudammes ermöglicht eine landwirtschaftliche Bewässerung und eine industrielle Produktion, die bisher nur unter erschwerten Bedingungen möglich war. Es ist zu hoffen, dass dieses zusätzliche Energie- und Beschäftigungsangebot dem Land neue Chancen eröffnet und das Konfliktpotential reduziert.“

 

Es war Bestandteil der Ausschreibung, das Modell nach Untersuchung in den Versuchshallen des Auftraggebers wieder aufzubauen. Das sollten zwei Mitarbeiter des IWI in Zusammenarbeit mit lokalen Arbeitskräften in konventioneller Technik innerhalb eines halben Jahres realisieren. Das Institut für Wasserbau hat jedoch einen einzigartigen, vollkommen modularen Aufbau der Modelle angeboten, was die Montage auf einen Monat verkürzen wird. Nach Ende der Untersuchungen am IWI werden alle Modellbauteile in Container verpackt, verschifft und vor Ort neu zusammengeschraubt.

 

Rückfragehinweis:

 

Manuela Rainalter

Büro für Öffentlichkeitsarbeit und Kulturservice

Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

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