Neue Forschungsergebnisse über die Vermehrung der Trüffel

Ein Forschungsteam der Universitäten Wien und Innsbruck entdeckte unter Anwendung moderner molekularbiologischer Methoden eine neue Form asexueller Fortpflanzung bei Trüffeln. Darüber berichten die WissenschafterInnen in der Juli-Ausgabe der Fachzeitschrift Mycological Research.

Dr. Alexander Urban und Ao. Univ.-Prof. Irmgard Krisai-Greilhuber vom Institut für Botanik der Universität Wien kamen in Zusammenarbeit mit Dr. Isabell Neuner-Plattner und Univ.-Prof. Kurt Haselwandter vom Institut für Mikrobiologie der Universität Innsbruck asexuellen Sporenstadien bei Trüffeln auf die Spur. Sie entdeckten diese neue Form der Sporenbildung bislang bei zwei Trüffelarten (weißliche Trüffel, Tuber borchii, und wenigsporige Trüffel, Tuber oligospermum).

Erkennung durch DNA-Test
Bei den neu entdeckten Vermehrungsstadien handelt es sich um einen etwa 0,5 mm hohen, mit freiem Auge kaum sichtbaren, weißlichen Flaum, den die Forscher in naturnahen Wäldern der Wienerwaldes und des Waldviertels fanden. Die Sporen sind mikroskopisch klein und tropfenförmig. Im Gegensatz zu den stark duftenden, meist unterirdisch wachsenden Trüffeln werden die asexuellen Sporen an der Bodenoberfläche gebildet und sind geruchlos, sie werden deswegen auch nicht von Trüffelhunden gefunden. Der Nachweis der Zugehörigkeit der Sporen zu den Trüffeln gelang durch DNA-Sequenzanalyse ähnlich wie bei einem Vaterschaftstest. „Bei den Schlauchpilzen, zu denen die Trüffel zählen, sind über 30.000 Arten mit asexueller Sporenbildung beschrieben. Unsere Funde ließen sich jedoch keiner der bekannten Sporenformen zuordnen, daher haben wir die Proben weiter analysiert. Das Ergebnis war absolut überraschend, da bei Trüffeln trotz intensiver, internationaler Forschungstätigkeit diese Form der Sporenbildung noch nie beobachtet worden war“, erklärt Urban seine Forschungsarbeit.

Erstfund einer Trüffelart in Österreich
Der Fund von Sporenträgern der wenigsporigen Trüffel (Tuber oligospermum) ist zugleich auch der Erstnachweis dieser im Mittelmeerraum beheimateten Art in Österreich. Dies wirft mehrere Fragen auf: Kommt die Trüffel in Österreich zur Reife oder beschränkt sich das Vorkommen auf die asexuelle Vermehrung, ein Phänomen, das nicht selten am Rand des Verbreitungsgebietes einer Art zu beobachten ist? Besteht das österreichische Vorkommen bereits seit längerer Zeit oder ist es das Resultat einer Arealausweitung dieser Art in Folge des Klimawandels?

Wirtschaftliche Bedeutung: „Trüffelgarten“ – Trüffelzucht in Österreich
Für die Praxis der Trüffelkultur eröffnet der Nachweis asexueller Vermehrung bei Trüffeln neue Perspektiven. Die asexuelle Fortpflanzung findet sich in der Natur meist dann, wenn es auf hohe Vermehrungsraten ankommt. Zukünftige Forschungen werden klären, ob die asexuelle Fortpflanzung auch bei den besonders begehrten Trüffelarten, wie der heimischen Burgundertrüffel (Tuber aestivum var. uncinatum), der schwarzen Périgord-Trüffel (Tuber melanosporum) oder der weißen Alba-Trüffel (Tuber magnatum) vorkommt. Alexander Urban arbeitet gemeinsam mit dem französischen Trüffelsucher und -züchter Tony Pla im Rahmen des INiTS-Gründungsprojektes „Trüffelgarten“ an der Etablierung der Trüffelkultur in Österreich. Da Trüffel nur in Symbiose mit Bäumen und Sträuchern gedeihen können, beimpft er Bäumchen mit Trüffel und bietet diese nach einer strengen Qualitätskontrolle zum Verkauf an. Jüngste Trüffelfunde sowie der Nachweis neuer Trüffelarten zeigen, dass in Österreich ein bedeutendes Potenzial für die Trüffelkultur besteht.

Weitere Information unter:
http://www.trueffelgarten.at
http://www.botanik.univie.ac.at/mycology/intro.htm
http://titles.cambridge.org/journals/journal_catalogue.asp?mnemonic=MYC
http://www.inits.at

 

Bildmaterial finden Sie unter folgender Webadresse: http://www2.uibk.ac.at/public-relations/presse/medienservice

 

 

Kontaktperson:

Dr. Alexander Urban

Institut für Botanik, Universität Wien

Rennweg 14, 1030 Wien

Tel. +43-1-4277-54052

Mobil: 0650/910 83 83

E-Mai: alexander.urban@univie.ac.at                              

 

Univ.-Prof. Kurt Haselwandter

Institut für Mikrobiologie

Universität Innsbruck, Technikerstr. 25

Tel. +43-512-507-6003

E-Mail: kurt.haselwandter@uibk.ac.at

 


 

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