Neues Universitätslehrerdienstrecht - schwerer Schlag gegen den wissenschaftlichen Nachwuchs

Protestresolution der Mittelbaukurie der Medizinischen Fakultät der Universität Innsbruck gegen neues Dienstrecht und Vollrechtsfähigkeit.

Die Mittelbaukurie der Medizinischen Fakultät der Universität Innsbruck lehnt die in Schlagwortfolien vorliegenden Entürfe des bm:bwk (Präsentation vom 15.12.00) mit aller Entschiedenheit und ohne Einschränkung als den Zielen der Universität nicht dienlich ab und schließt sich vollinhaltlich der Resolution der Dienststellenversammlung der Universität Innsbruck an. Weiters sind wir zutiefst enttäuscht darüber, dass die Vorschläge offensichtlich nicht primär zur Steigerung der Leistungsfähigkeit der Universität entworfen wurden, sondern, allen gegenteiligen Beteuerungen zum Trotz, vor allem durchsichtigen Budget- und Gesellschaftspolitischen Zielen dienen, die nicht im Interesse der Universität liegen und die wir deshalb entschieden ablehnen. Auch die Art der Präsentation der Vorschläge, ohne Evaluation der bisherigen Strukturänderungen und ohne ausreichende Möglichkeit zur sachlichen Diskussion mit den entsprechenden Vertretungen, haben uns schwer enttäuscht. Auf die folgenden Punkte erlauben wir uns zusätzlich besonders hinzuweisen:

Das vorgeschlagene Dienstrecht ist Leistungsfeindlich, da die Verträge fast aller Kategorien auch bei erbrachten internationalen Spitzenleistungen auf alle Fälle ablaufen. Auch die verlängerbaren, befristeten Arztstellen (Ärzte für Allgemeinmedizin) scheinen uns rechtlich sehr bedenklich (Kettenverträge). Kein privater Betrieb könnte und würde es sich leisten, hochqualifiziertes akademisches Personal unter derartig haarsträubenden Bedingungen zu beschäftigen. Wir bezweifeln die Notwendigkeit der Totaländerung des bestehenden Dienstrechtes, das im Gegensatz zu dem "Vier-Säulen Modell" an mehreren Punkten Leistungsabhängige Entscheidungen vorsieht. Dieses scheint uns viel besser als das vorgeschlagene Modell zu gewährleisten, dass die Universität qualifiziertes Personal beschäftigen kann. Die vage, ohne Erklärung oder Begründung angedeuteten "negativen Entwicklungen" bei Beibehaltung des bestehenden Dienstrechtes sind für uns nicht nachvollziehbar, allenfalls könnten die Anwendung des bestehenden Rechtes verbessert und die Qualitätsansprüche erhöht werden.

Im Gegensatz dazu glauben wir, dass das vorgeschlagene "Vier Säulen Modell" einen schweren Schlag gegen die Leistungsfähigkeit der Universität darstellt, da zu wenig Kontinuität im wissenschaftlichen Personal gegeben ist und offenbar die Freisetzung einer großen Menge hochqualifizierten Personals beabsichtigt wird. Auswirkungen auf die Qualität von Forschung und Lehre, sowie auf den Klinikbetrieb und die Facharztausbildung bleiben dabei unberücksichtigt. Die fehlende Zukunftsaussicht durch die automatisch ablaufenden Verträge demotiviert besonders den wissenschaftlichen Nachwuchs, und macht die universitäre Berufslaufbahn selektiv für diese Gruppe weitgehend unattraktiv. Dies als "Chance für den Nachwuchs" zu bezeichnen scheint uns geradezu zynisch. Befristete Übergangsmöglichkeiten für Neu-, Um- und Quereinsteiger sind im Rahmen von Drittmittelstellen besser organisiert, und könnten durch entsprechende Dotierung der Fonds (FWF) effektiv gefördert werden. Die geplante ersatzlose Streichung der Mitbestimmung (mit Ausnahme des Senates) innerhalb der Universität, vorallem der Professoren und des Mittelbaus, bei gleichzeitiger Ernennung autoritärer, politisch besetzter Funktionsträger, wie sie im Modell der Organisationsreform angedeutet sind, wird von uns ebenfalls mit aller Entschiedenheit als nicht den Zielen der Universität dienlich abgelehnt. Weiters bindet eine neuerliche Reform, bevor die Laufende überhaupt abgeschlossen ist, in einem unzumutbarem Ausmaß die Ressourcen der Universität für organisatorische Umstrukturierungen, die besser in Optimierung von Forschung, Lehre und Patientenversorgung investiert würden.

Die Mittelbaukurie der Medizinischen Fakultät der Unversität Innsbruck fordert daher:

1. Rücknahme der völlig unannehmbaren und nicht zweckdienlichen Vorschläge für ein neues Dienstrecht. Fortbestand des bestehenden Dienstrechtes für die derzeit Beschäftigten statt Demotivation durch Zerstörung derer Zukunftsperspektiven.
2. Ein allfälliges neues Dienstrecht sollte jedenfalls den wissenschaftlichen Nachwuchs fördern und ihm bei entsprechender Leistung auch langfristige Perspektiven bieten können.
3. Beibehaltung der Mitbestimmung aller Kurien in Kollegialorganen, die sich als sachbezogene Entscheidungsträger bewährt haben.
4. Beibehaltung der Organisationsform der Universitäten als Teil des staatlichen Bildungsangebotes.
5. Überlegungen zu einer allfälligen Reform der Universitäten sollten sich an den Bedürfnissen der Universität orientieren und zweckmäßigerweise als Novellen bestehender Gesetze in einem vernünftigen Zeithorizont unter Einbeziehung der Betroffenen in Form deren Interessensvertretungen entworfen werden.

Für die Mittelbaukurie der Medizinischen Fakultät der Universität Innsbruck:
Ao. Univ. Prof. Dr. Ernst R. Werner Institut für Medizinische Chemie und Biochemie
der Universität Innsbruck, Fritz-Pregl-Str. 3, A-6020 Innsbruck
Tel.: (0512)-507-3517; Fax: (0512)-507-2865, E-mail: ernst.r.werner@uibk.ac.at


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