Wissenschaftspreis der Stadt Innsbruck verliehen


Auch heuer hat die Stadt Innsbruck wieder den mit 240.000 ATS dotierten "Preis der Landeshauptstadt Innsbruck für die wissenschaftliche Forschung an der Universität Innsbruck" vergeben. Diesmal waren Wissenschaftler der Katholisch-Theologischen, der Rechtswissenschaftlichen, der Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen sowie der Geisteswissenschaftlichen Fakultät eingeladen, ihre Forschungsarbeiten einzureichen. Wie bereits in den vergangenen Jahren wurden die sechs ausgezeichneten Projekte im Rahmen einer kleinen Festveranstaltung in den Räumen der Weiherburg vorgestellt. Die Vorstellung der Preisträger und ihrer Arbeiten übernahm diesmal der Vizerektor für Evaluation, Prof. Dr. Peter Loidl. Vizebürgermeisterin Hilde Zach überreichte den Wissenschaftlern die Urkunden und das Preisgeld und bedankte sich für deren Engagement.

In ihrer Rede betonte Vizebürgermeisterin Zach die Verbundenheit von Stadt Innsbruck und Universität. Gerade in diesen Zeiten des Umbruchs werde die Stadt die wissenschaftspolitischen Veränderungen genau mitverfolgen und der Universität noch stärker zur Seite stehen. Die Volkszählung habe wieder zeigt, wie wichtig die Universität für die Stadt Innsbruck sei. Zach bekräftigte das Nein von Bürgermeister van Staa zu einer Ausgliederung der Medizinischen Fakultät und wies auf die verstärkten Bemühungen zur Schaffung einer Kunstuniversität in Innsbruck hin.

Eingereicht werden konnten wissenschaftliche Arbeiten, die in den vergangenen zwei Jahren publiziert wurden bzw. noch nicht gedruckte Arbeiten (z.B. Dissertationen), die in den letzten zwei Jahren verfasst wurden. Jede eingereichte Arbeit wurde von jeweils zwei Gutachtern bewertet, die nur dem Dekan und dem Vizerektorat für Evaluation bekannt waren. Diese unabhängige Bewertung erhöht den Wert dieser Forschungspreise deutlich. Anschließend wurde im Vizerektorat für Evaluation ein Vergabevorschlag erstellt, über den in einer Sitzung des Evaluationsbeirats abgestimmt wurde. Insgesamt wurden über 50 Arbeiten für den Preis eingereicht.

Für das Jahr 2001 wurden folgende sechs Projekte ausgewählt, die jeweils 40.000 ATS erhielten.

Katholisch-Theologische Fakultät:

Mag. Dr. Andreas R. Batlogg SJ
Batlogg, Andreas R. (2000): Die Mysterien des Lebens Jesu bei Karl Rahner: Zugang zum Christusglauben

Andreas Batlogg zeigt in seiner Untersuchung auf, wie wichtig Elemente der Spiritualität und theologischen Erfahrung des Ignatius von Loyola für Karl Rahners theologische Neukonzeption und für viele seiner Vorschläge war. Dabei wird unter anderem die Schlüsselrolle der sogenannten "Mysterien des Leben Jesu" für ein lebendige Einübung in die Vertrautheit mit seiner Sendung herausgestellt, die für den Glauben öffnet. Schließlich werden die daraus resultierenden Ansätze Rahners, sich heute dem Anspruch des Evangeliums zu stellen, näher beleuchtet.

Rechtswissenschaftliche Fakultät:

ao. Univ.-Prof. Dr. Christian Markl
Institut für Wohnrecht und Bürgerlichrechtliche Quellenforschung
Markl, Christian (2001): Die rechtliche Stellung von Ehegatten im Wohnungseigentumsrecht, Wien: Verlag Österreich (=Juristische Schriftreihe. 181) (Habilitation 1999)

Von den Bestimmungen des Wohneigentumsgesetztes (WEG) sind in Österreich über 280.000 Wohnungseigentümer betroffen. Bereits im Standardkommentar zum WEG 1975 wurde von Innsbrucker Professoren die Unverständlichkeit und die schwache sprachliche Ausgestaltung bemängelt. Christian Markl widmet sich in seiner Arbeit - erstmals überhaupt - den überaus komplexen Rechtsfragen des Ehegatten-Wohnungseigentums. Bei der Darstellung und Lösung der Rechtsfragen legt Markl größten Wert auf die Praxisrelevanz ohne jedoch Kompromisse bei der wissenschaftlichen Qualität zu machen. Die Arbeit ist daher für Wissenschaftler wie für Praktiker von größtem Nutzen.

Sozial- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät:

Univ.-Ass. Mag. Dr. Rupert Sausgruber
Institut für Finanzwissenschaft
Sausgruber, Rupert (2000): Ursachen und Wirkungen von Steuerillusion. Eine experimentelle Untersuchung zur Wahrnehmung von Steuern. Dissertation Innsbruck

Steuern, deren Belastung in den Preisen enthalten sind (z.B. Mehrwertsteuer, Mineralölsteuer etc.) nennt man indirekte Steuern. Ihr Anteil wächst in modernen Industriestaaten ständig. Rupert Sausgruber beschäftigt sich mit der für Wirtschaftswissenschaftler interessanten Frage, ob sich der Steuerzahler der wirklichen Belastung bewusst ist, oder ob er einer Illusion erliegt und diese aufgrund der indirekten Besteuerung unterschätzt. Durch die innovative Anwendung neuerer Methoden der Wirtschaftsforschung gelingt es Sausgruber erstmals, in einem Bereich konkurrierender Ansätze, die Existenz dieser Steuerillusion unwiderruflich nachzuweisen und stößt daher in Fachkreisen auf höchste Resonanz.

Geisteswissenschaftliche Fakultät:

ao. Univ.-Prof. Dr. Michael Gehler (für das Projektteam)
Institut für Geschichte
Gehler, Michael (Hg.) (1999): Tirol. "Land im Gebirge": Zwischen Tradition und Moderne. Wien, Köln, Weimar: Böhlau (= Geschichte der österreichischen Bundesländer. 3)

Der Zeithistoriker Michael Gehler nimmt den Preis für ein monumentales Standardwerk zur Geschichte Tirols nach dem Zweiten Weltkrieg entgegen. Gemeinsam mit neun weiteren Autoren hat er die Landesgeschichte im Spannungsfeld von Tradition und Moderne anhand von bisher unveröffentlichten Dokumenten und Quellen sowie Aussagen von Zeitzeugen in fünfjähriger Arbeit untersucht und auf 900 Seiten dargestellt. Gehler, Projektleiter und Herausgeber, befasste sich darini mit der Tiroler Südtirolpolitik unter dem Motto: Selbstbestimmung - geistig-kulturelle Landeseinheit - Europaregion?

Mag. Dr. Christine Mühlegger-Henhapel
Mühlegger, Christine (2000): "Pierrot s´agite et Tout le mène" Metamorphosen einer Lachfigur. Jules Laforgue und die Pierrotfigur im Zeichen der Philosophie des Unbewußten Eduard von Hartmanns. Frankfurt am Main: Peter Lang (= Europäische Hochschulschriften. Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften. 80). Dissertation 1998

Christine Mühlegger-Henhapel beleuchtet in ihrer Arbeit das Werk eines den deutschsprachigen Lesern nahezu unbekannten Autors. Der französische Dichter und Kunstkritiker Jules Laforgue (1860-1887) gilt als Pierrot-Dichter schlechthin. Er hat die aus der Commedia dell'arte stammende Lachfigur zum Gegenstand intensiver literarischer Auseinandersetzung und zur zentralen Figur seines Werkes gemacht. Mühlegger-Henhapel untersucht in ihrer Dissertation insbesondere den Einfluss der "Philosophie des Unbewussten" von Eduard von Hartmann auf die Arbeiten Laforgues.

Mag. Dr. Martin Paul Schennach MAS
Tiroler Landmiliz und dem Söldnertum zwischen 1600 und 1650. Dissertation Innsbruck

In seiner Dissertation beschäftigt sich Martin Schennach mit dem Kriegswesen im Tirol der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Wenngleich Tirol gerade in der bewegten Zeit des Dreißigjährigen Krieges von unmittelbaren Kampfhandlungen weitgehend verschont blieb, wurde dem Kriegswesen und der Kriegsvorbereitung doch großes Augenmerk geschenkt. Die Arbeit Schennachs füllt insofern eine große Lücke, da sich die bisherige Forschung weitgehend auf die Ereignisse der Jahre 1703 und 1809 konzentriert hatte und in den vorangegangenen Jahrhunderten nur die kurzen Episoden tatsächlicher Kriegshandlungen näher untersucht wurden.

Bilder von der Veranstaltung finden Sie unter folgender Adresse zum Download: http://www2.uibk.ac.at/public-relations/presse/download/index.html