Offener Brief

der UniversitätslehrerInnen der Universität Innsbruck
vom 3. April 2001 an

- die Frau Vizekanzlerin, Dr. S. RIESS-PASSER
- die Frau Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur,
E. GEHRER
- den Herrn Bundesminister für Finanzen, Dr. K. GRASSER


· Wir sind seit der vagen Präsentation der Vorstellungen zum "Neuen Dienstrecht" ("Vier-Säulen-Modell") und zur "Ausgliederung" ("Entlassung in die Vollrechtsfähigkeit") der Universitäten durch die Frau Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur am 15.12.2000 sehr beunruhigt.

· Wir sind seitdem bezüglich unserer Karrieremöglichkeiten sehr verunsichert und pessimistisch.

· Wir haben in mehr als 50 Fällen unsere Besorgnisse in einem persönlichen Brief an die Frau Bundesministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur artikuliert.

· Wir haben nach eineinhalb Monaten nur eine allgemein formuliere, inhaltsleere Antwort erhalten.

· Wir warten noch immer auf eine konkrete Beantwortung unseren konkreten, individuell unterschiedlichen Fragen.

· Wir warten auch noch immer auf detaillierte Aussagen zum "Neuen Dienstrecht", insbesondere zu den Übergangsbestimmungen, und zur "Ausgliederung".

· Wir haben eine Meinungserkundung zum "Neuen Dienstrecht" und zur "Ausgliederung" durchgeführt, an der 71.6 % der erreichbaren stimmberechtigten UniversitätslehrerInnen teilgenommen haben.

· Wir haben bei der Meinungserkundung das "Neue Dienstrecht" mit einer Mehrheit von 88.7 % als weniger geeignet als das derzeitige beurteilt.

· Wir lehnen daher das "Vier-Säulen-Modell" als forschungsfeindlich, demotivierend und die Zukunft der Universitäten gefährdend mit aller Entschiedenheit und ohne Einschränkung ab.

· Wir akzeptieren nur ein Dienstrechtsmodell mit Übergangsbestimmungen, die auch den im zeitlich befristeten Dienstverhältnis tätigen Universitätslehrern die derzeitigen Karrierechancen sichern.

· Wir bauen auf den verfassungsmäßig garantierten Vertrauensschutz, unsere Karriere nach den bisher geltenden gesetzlichen Regelungen fortsetzen zu können.

· Wir fordern auch für die neu eintretenden Universitätslehrer ein nach dem Doktorat durchgehendes Karrieremodell.

· Wir bekommen bereits jetzt die Auswirkungen des "Vier-Säulen-Modells" bei der Unmöglichkeit, Stellen qualitätsvoll zu besetzen, zu spüren.

· Wir haben bei der Meinungserkundung die "Ausgliederung" mit einer Mehrheit von 82.2 % als den falschen Ansatz erkannt.

· Wir wehren uns mit allen uns demokratisch zur Verfügung stehenden Mitteln gegen ein Ausgliederungsmodell, dessen Untauglichkeit vor allem in England bereits erwiesen ist.

· Wir sind überzeugt, daß die "Ausgliederung" qualitätsvolle Forschung im Allgemeinen und Grundlagenforschung im Besonderen unmöglich machen wird. Auch eine unabhängige Lehre ist in ausgegliederten Universitäten schwer vorstellbar.

· Wir protestieren gegen den schleppenden Verlauf der Gespräche, die den Namen Verhandlungen nicht verdienen.

· Wir haben es satt, von einer Verhandlungsrunde auf die andere vertröstet zu werden, weil kein politischer Verhandlungsspielraum besteht.

· Wir sind nicht grundsätzlich gegen Reformen, aber wir lehnen diese Formen auf das Entschiedenste ab.

· Wir sind heute über den bisherigen Verlauf der "Verhandlungen" sehr genau informiert worden und drücken unseren Unmut über den Stand mit diesem Schreiben aus.

· Wir behalten uns vor, eine schärfere Gangart einzuschlagen, wenn nicht bald substanzielle Fortschritte erzielt werden.

Dieser Offene Brief wurde von einer sehr kurzfristig einberufenen, aber dennoch gut besuchten Versammlung der UniversitätslehrerInnen einstimmig am 3.4.2001 beschlossen.

Im Auftrag der UniversitätslehrerInnen der Universität Innsbruck zeichnen

A. Univ.-Prof. Dr. Norbert ORTNER e.h.
Vorsitzender der Landessektion Hochschullehrer

Dr. Ludwig CALL e.h.
Vorsitzender des Dienststellenausschusses

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