Behinderte beleben die Hochschule

2. Internationale Konferenz "Hochschulbildung und Behinderung" zieht erfolgreiche Bilanz

„Behinderte beleben die Hochschule“, mit dieser Aussage ziehen die Veran-stalter der 3. Internationalen Konferenz „Hochschulbildung und Behinderung“ Bilanz. Laut Joachim Klaus, Geschäftsführer des Studienzentrums für sehbe-hinderte Menschen der Universität Karlsruhe, hat sich seit der ersten Konfe-renz im Jahre 1992 einiges an den Universitäten getan. Behinderte sind zu einem festen Bestandteil der Hochschulen geworden und daher müssen sich alle, Mitstudierende, Lehrer, Verwaltung und Hochschulleitung, damit ausein-andersetzen. Das hilft oft verkrustete Strukturen aufzubrechen.

Es wurde aber auch einmal mehr deutlich, daß die Entwicklung in den USA bereits viel weiter ist als in Europa. Arbeiten Behindertenbeauftragte bei uns oft als „Einzelkämpfer“ ohne Strukturen, so gibt es jenseits des Atlantiks an den Universitäten entsprechende Servicestellen. In diesen Stellen werden jedoch nicht nur behinderte Studierende betreut, sondern es wird auch Lobbying bei späteren potentiellen Arbeitgebern betrieben. Darüber hinaus bieten diese Servicestellen auch spezielle Kurse für die Aus- und Weiterbildung von Behindertenbeauftragten an. Ein Beispiel, das man nun auch in Österreich forcieren will. Überhaupt zeigt sich, daß außerhalb Österreichs Behinderte oft sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, weil viele von ihnen über ihre gesamte Ausbildung hinweg auf neue und moderne Kommunikations- und Informationstechnologien angewiesen sind. Ein Umstand, der ihnen in der heutigen Ar-beitswelt häufig Vorteile bringt.

Internationale Mobilität verbessern
Ein wichtiger Punkt der Konferenz war die internationale Mobilität von Studie-renden. Hier gilt es Hemmschwellen abzubauen, denn gerade für behinderte Studierende ist das Umfeld sehr wichtig. Haben sie einmal an einem Studienort eine Wohnung gefunden, Assistenzleistungen organisiert und einen Freundes-kreis aufgebaut, ist für sie der Schritt ins Unbekannte oft sehr schwierig. Sie brauchen für ihre Entscheidung in jedem Fall spezifische Informationen über den neuen Studienort. Ein solches Informationsnetzwerk aufzubauen, wird die Arbeit der nächsten Jahre sein. Ein Vorteil ist es, wenn man dabei auf eine bestehende Partnerschaft oder existierende Programme zurückgreifen kann, zumal es auch wünschenswert ist, behinderte Studierende in bestehende Strukturen voll zu intergrieren und nicht gesonderte Programme zu schaffen. In Innsbruck hilft hier die bald 25-jährige Partnerschaft mit der Universität von New Orleans (UNO). Schon bald soll es im Rahmen der regelmäßigen Aus-tauschprogramme gelingen, auch behinderte Studierende einzubeziehen. Ei-nen Versuch gibt es bereits: An der diesjährigen Summer-School der UNO in Innsbruck nimmt ein hör- und sehbehinderter Student teil. Nach den ersten beiden Wochen herrscht große Zufriedenheit, und was noch die Ausnahme ist, wird hoffentlich künftig zur Regel werden.

Statements zur Konferenz „Hochschulbildung und Behinderung“
vom 13.-16. Juli 1998


Gayle Gagliano (Leiterin des Beratungs- und Organisationszentrums
für Behinderte der Universität New Orleans, USA):

„Diese thematisch umfassende Konferenz ist ein Beispiel von vielen für die fruchtbare Partnerschaft zwischen der Universität Innsbruck und der Universität New Orleans. Die internationale Veranstaltung hätte nie stattfinden können, gäbe es nicht seit 25 Jahren die intensive Partnerschaft zwischen den beiden Universitäten.“

Joachim Klaus (Leiter des Instituts für Fernstudien und Geschäftsführer
des Studienzentrums für sehbehinderte Menschen der Universität Karlsruhe):

„Wichtige Eindrücke dieser Konferenz: - das allgemein zunehmende Bewußtsein für die Belange behinderter Studie render - die verschiedensten institutionellen, organisatorischen und pädagogi schen/psychologischen Programme (Projekte zwischen Integration von be hinderten Studierenden) - internationale Austauschprogramme und Mobilität von Behinderten.“

Myriam Van Acker (Mitorganisatorin des Kongresses, Universität Leuven, B):
„Diese Konferenz eröffnet uns die einzigartige Gelegenheit zum interkulturellen Kontakt und Austausch zwischen Menschen, die alle eines gemeinsam haben: Die Situation für behinderte Studenten soweit zu verbessern, daß diese am gesamten Universitätsleben teilnehmen können. Ich persönlich habe die vielen Gespräche, das Einanderzuhören und Voneinanderlernen, als Bereicherung meines Wissensstandes und als Ermunterung für meine Anstrengungen erlebt.“

Alan Hurst (University of Central Lancashire, GB,
Leiter von Skill: National Bureau for Students with Disabilities):

„Es ist eine gewisse Beruhigung zu sehen, daß wir alle, die wir mit behinderten Studierenden arbeiten, die gleichen Schwierigkeiten haben. Das Interessante dieser Konferenz ist dabei aber, mit welchen unterschiedlichen Ansätzen die Kollegen aus den anderen Ländern versuchen, diese Schwierigkeiten zu überwinden.“

Mag. Harald Morandell, Beauftragter für Behinderte und
chronisch Kranke an der Universität Innsbruck:

„An der Universität Innsbruck gibt es nun seit ca. 3 ½ Jahren einen Behinder-ten-beauftragten. Bei dieser Konferenz kann man anhand der Beispiele von Universitäten, die bereits seit Jahrzehnten eine solche Einrichtung haben, sehr schön sehen, welche Möglichkeiten bestehen und wie weit man kommen kann. Andererseits ist es interessant, daß man selbst dort immer wieder vor den glei-chen Problemen steht, wie auch in Österreich, oder den anderen Ländern die im Bereich der Integration keine so lange Tradition haben. Beispielsweise ist der Begriff „Learning Disability“ (Lernbehinderung) bei uns nahezu unbekannt, in den USA aber gang und gäbe. So betreut das Büro des Behindertenbeauftragten der Universität Iowa (gesamt ca. 27.000 Studierende) ungefährt 900 Studierende, von denen die Hälfte eine Lernbehinderung haben. Ein wichtiges Ergebnis der Konferenz ist es, daß in den nächsten Jahren die internationale Mobilität für behinderte Studierende verbessert werden soll. Es geht dabei nicht so sehr um spezielle Programme, sondern um die volle Inte-gration in bereits bestehende Programme. Es gilt daher, die Zugänglichkeit an unseren Universitäten deutlich zu verbessern. Die Technik und die Bauten dürfen nicht der Hemmschuh für einen Austausch sein.“

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