ERGEBNISSE DER FACHTAGUNG

Substrate use for characterization of microbial communities in terrestrial ecosystems (SUBMECO) (Substratnutzungstests zur Charakterisierung mikrobieller Gemeinschaften); Innsbruck, Austria, Oct. 16 - 18, 1996

In Innsbruck fand auf Einladung von Doz. H. Insam, Mag. Rangger und Mag. Sharma, Institut für Mikrobiologie der Universität, vom 16.-18. Oktober eine internationale Mikrobiologen-Tagung statt, an der 150 Wissenschaftler aus aller Welt teilnahmen. Im Mittelpunkt der Tagung standen neue Methoden zur Untersuchung mikrobieller Gemeinschaften in Ökosystemen, vor allem in Böden.

Barry Bochner (Biolog Inc., USA) sprach über die Möglichkeit, sogenannte Substratnutzungstests, die er für die Identifizierung von Bakterien entwickelt hat und dazu immer häufiger verwendet werden, zur Untersuchung von Umweltproben zu verwenden. Erste Arbeiten dazu haben Jay Garland (NASA) und Aaron Mills (Univ. of Virginia), die ebenfalls bei dieser Tagung sprachen, im Jahre 1991 publiziert. In internationalen Journalen gibt es seither nur eine Handvoll Publikationen, die sich die Methode zunutze machen. Diese Substratnutzungstests bestehen auf dem Prinzip, daß einer Mikrobiellen Gemeinschaft, die z.B. aus einem Boden stammen kann, auf Mikrotiterplatten geimpft werden, die in 95 kleinen Näpfchen 95 verschiedene Substrate enthalten. Je nachdem, welche Substrate genutzt werden, ergibt sich auf diesen Platten ein unterschiedliches Muster, hervorgerufen durch einen Farbumschlag in den „positiven" Näpfchen. Mithilfe mathematisch-statistischer Methoden können solche Muster erfaßt und miteinander verglichen werden.

Dr. Christoph Tebbe von der Forschungsanstalt für Landwirtschaft in Braunschweig (Deutschland) fand veränderte Nutzungsmuster nach der Freilandapplikation gentechnisch veränderter stickstofffixierender Bakterien. Für die Risikoforschung von Bedeutung war dabei die Tatsache, daß die Veränderung nicht nur im Versuchsfeld selbst, sondern in abgeschwächter Form auch im Nachbarfeld eintrat. Christiane Mayer vom Institut für Mikrobiologie in Innsbruck berichtete über veränderte Nutzungsmuster durch die Einwirkung von erhöhtem CO2 (Klima-Gas) in einem Simulationsexperiment das von Prof. Christian Körner, Uni Basel, durchgeführt wurde. Prof. Clive Pankhurst, Adelaide (Australien) berichtete über die Änderung der mikrobiellen Gemeinschaft während des biologischen Abbaus von Eukalyptusblättern. Andreas Fließbach vom Forschungsinstitut für Biologischen Landbau, Oberwil, Schweiz, konnte deutlich zeigen, daß die Vielfalt der Mikroorganismen unter organischem Landbau höher als unter konventionellem war. Dies ist für die Nachhaltigkeit der Bewirtschaftung von außerordentlicher Bedeutung.

Prof. T. Hattori (Sendai, Japan), lud die anwesenden Wissenschafter ein, an einem bodenökologischen großrojekt teilzunehmen, dem 'Soil Genome Project', das, vergleichbar dem „Human genome project" zum Ziel hat, das genetische Potential von Böden zu erfassen. Dabei sollen hunderte laboratorien und tausende Wissenschafter weltweit mitmachen.

Auch für zukünftige Vorhaben der bemannten Raumfahrt, dazu gehört die Entwicklung von selbsterhaltenden Systemen auf Mond oder Mars, lassen sich Erkenntnise aus der mikrobiellen Ökologie nutzen. Jay Garland, an der Entwicklung von 'life support systems' am Kennedy Space Center der NASA beteiligt, berichtete über mikrobielle Gemeinschaften im Wurzelbereich von Containerpflanzen, deren Funktionieren wesentlich zum Aufbau selbsterhaltender, im Kreislauf geführter Systeme beitragen. Aaron Mills konnte zeigen, daß simulierte Mikrogravitation dazu führte, daß die Mikroorganismen manche Umsetzungsprozesse nicht mehr durchführen konnten, dafür aber andere Fähigkeiten dazukamen.

Ziel der Tagung war, die nunmehr weltweit gewonnenen Erfahrungen auf diesem Forschungsgebiet zusammenzubringen, um bessere Grundlagen für die Interpretation der Ergebnisse zu erhalten. In einem anschließenden workshop wurde beschlossen, die bisher weltweit verfügbaren Datensätze zusammenzufassen und gemeinsam zu analysieren um später die Auswahl der auszutestenden Substrate verbessern zu können und dadurch die Methode universell einsetzbar zu machen.

Die internationale Beteiligung an dieser Tagung (Wissenschafter aus 30 Ländern nahmen daran teil) ist eine Bestätigung der internationalen Anerkennung, die die Wissenschafter des Instituts für Mikrobiologie insbesondere auf dem Gebiet der Mikrobiellen Ökologie, genießen. Für die Studenten des Institutes konnten durch diese Tagung zahlreiche Kontakte geknüpft, und spätere Forschungsaufenthalte im Ausland vorbereitet werden.

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