INTERNATIONALER TAG DER FAMILIE:

Die Familie im steuerlichen Widerstreit

Buchneuerscheinung: „Die Familie im Sozialstaat - Familienbesteuerung aus ökonomischer und juristischer Sicht"

Zum Internationalen Tag der Familie präsentierte das Institut für Finanzwissenschaft der Universität Innsbruck gestern seine jüngste Publikation „Die Familie im Sozialstaat". Die beiden Herausgeber, Prof. Dr. Erich Thöni und Mag. Hannes Winner haben in diesem Band die Ergebnisse eines gleichnamigen Symposiums zusammengefaßt, das anläßlich der Inauguration von Rektor Christian Smekal -ebenfalls Finanzwissenschaftler- am 9. und 10. November 1995 in Innsbruck stattfand.

Die Familie wird heute vielfach als „Keimzelle" der kulturellen, sozialen und gesellschaftlichen Entwicklung bezeichnet. Empirische Untersuchungen kommen indessen zu dem ernüchternden Ergebnis, daß die wirtschaftliche Lage der Familien zusehends ernster wird. So leben gegenwärtig viele Familien am Rande der Armutsgefährdung. Vor diesem Hintergrund kommt der Familienpolitik besondere Bedeutung zu. Dabei stellt sich die Frage, ob und in welcher Form das steuer- und transferpolitische Instrumentarium eingesetzt werden kann, um die Funktionsfähigkeit der Familie nachhaltig zu fördern bzw. zu gewährleisten. Diese und ähnliche Fragen werden in dem am Institut für Finanzwissenschaft präsentierten Buch „Die Familie im Sozialstaat. Familienbesteuerung aus ökonomischer und juristischer Sicht" zu beantworten versucht.

Keine wirkliche Wahlfreiheit zwischen Erwerbs- und Hausarbeit
Die Diskussion um die Familienpolitik im allgemeinen und die Familienbesteuerung im besonderen bewegt sich im Spannungsverhältnis von ideologischen Werturteilen über und um die Familie einerseits und der sozialen Wirklichkeit andererseits. Dieser Ziel- und Wertekonflikt bricht regelmäßig in Fragen der Familienpolitik auf. Ein System der Haushaltsbesteuerung, das nicht auf das Einkommen der einzelnen Familienmitglieder, sondern auf das Haushaltseinkommen abstellt, würde die Leistungsfähigkeit der Steuerzahler zwar besser erfassen können. Die Tatsache jedoch, daß in einem derartigen Steuersystem zusätzliche Haushaltseinkommensteile entweder in höhere Steuerprogressionsstufen fallen oder die Streichung einkommensabhängiger Transferzahlungen zur Folge haben, wirkt sich in der Tendenz gegen die Aufnahme einer eigenen Erwerbstätigkeit der Frauen aus. Damit wird ein für die Gesellschaft und die Politik gleichermaßen wichtiges Postulat - nämlich jenes der „Wahlfreiheit zwischen Erwerbs- und Hausarbeit" - verletzt.

Hohe Armutsgefährdung der Familien in Österreich
Das anonyme Wirtschaftsleben nimmt kaum Rücksicht auf die persönlichen und familiären Umstände der Wirtschaftssubjekte. Statistisch zeigt sich, daß Familien mit Kindern ein deutlich geringeres Pro-Kopf-Einkommen als Familien ohne Kinder bzw. Singles aufweisen. In Verbindung mit der im internationalen Vergleich beachtlich hohen Armutsgefährdung von Familien besteht auch in Österreich politischer Handlungsbedarf. Neben einer Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse, die eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern soll, nimmt insbesondere die Steuer- und Transferpolitik auf die Einkommenssituation der Familien Einfluß. Leider legen die Entwicklungen im Zusammenhang mit dem Sparmaßnahmen der Bundesregierung derzeit eine familienfeindliche Grundtendenz der österreichischen Politik zu tage: Wurden in der vergangenen, konjunkturstarken Phase die Leistungen für Familien zum Teil über Gebühr ausgeweitet, so wird die wirtschaftliche Lage der Familien nicht nur durch die schlechte Konjunkturlage, sondern zusätzlich durch Steuererhöhungen und staatliche Ausgabenkürzungen negativ beeinflußt. Damit sind die österreichischen Familien zur Zeit doppelt und sogar mehrfach benachteiligt. Eine breite Diskussion um die Rolle der „Familie im Sozialstaat", die längerfristig einen klar definierten Zielkatalog im Hinblick auf die österreichische Familienpolitik hervorbringen sollte, erscheint folglich mehr als dringlich.

Erich Thöni/Hannes Winner (Hrsg.):
Die Familie im Sozialstaat - Familienbesteuerung aus
ökonomischer und juristischer Sicht
1996, 284 Seiten, zahlr.Abb., brosch. ISBN 3-901249-30-3
Verkaufspreis: 360,--öS/56,-- DM/57,--Sfr)

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Institut für Finanzwissenschaft
Vorstand: Univ.Prof.Dr. Erich Thöni
Herzog-Friedrich-Str. 3 6020 Innsbruck
Telefon: 0512/507-7155

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