INNSBRUCK GOES SOUTHEAST

Austrian Student Program Asia 1996

Die "Asianisierung der Welt" ist besonders in Wirtschaftskreisen ein gängiges Schlagwort. Das verstärkte Engagement vieler Unternehmen in Südostasien sind dafür auch ein deutlicher Beweis. Um jedoch erfolgreich zu sein, muß man die Kultur, das Leben und die Gebräuche in diesem Teil der Welt kennen und respektieren lernen. Die Universität Innsbruckreagiert auf die Herausforderung und bietet im Februar erstmals ein Kurzstudium für 30 Studierende in Singapur und Thailand an.

Die Zukunft Österreichs und seines Bestehens in der 'global community', also in der internationalen Kommunikation, im internationalen Wissens- und Techniktransfer, auf internationalen Märkten, stellt heute eine große Herausforderung dar. Darüberhinaus ergeben sich aufgrund unterschiedlicher regionalwirtschaftlicher Entwicklungen in der Welt enorme Chancen für internationale Kooperationen zum wechselseitigen Vorteil.

Die derzeitigen globalen Veränderungen zwingen uns eine neue Wirklichkeit zur Kenntnis zu nehmen: den Aufstieg des Ostens, insbesondere der 'neuen Löwen in Südostasien'. Im Osten wie teilweise auch im Westen erkennt immer klarer, daß wir uns auf eine 'Asianisierung der Welt', vornehmlich im wirtschaftlichen Bereich zubewegen. Haben inzwischen die asiatischen Länder den Rat Yukichi Fukuzawas, 'um weiterzukommen, lerne vom Westen', stark aufgenommen, so hat Europa die notwendige Konsequenzen noch nicht vollzogen. Beispielhaft dafür: die 'neuen, jungen Eliten' Asiens weisen inzwischen ein hohes Wissen vom und über den Westen auf, viele haben ihre Studien in den USA und Europa betrieben. In die Gegenrichtung findet dieser Wissenstransfer noch kaum statt.

Den Herausforderungen der Zukunft begegnen

Viele Unternehmen und Institutionen in Österreich, speziell wenn sie inter- oder multinational agieren, sehen deshalb einen, vielleicht den wichtigsten Schlüssel die Herausforderungen zu bewältigen darin, die Österreicher und vor allem die österreichische Jugend kontinuierlich, qualitativ hochstehend und international ausgerichtet aus- und weiterzubilden. Die geeigneten Ausbildungswege und Programme dafür zu entwickeln ist ohne Zweifel auch Aufgabe der Universitäten.

Die Universität Innsbruck reagierte in der studentischen Ausbildung bereits sehr früh auf diese Herausforderungen und Chancen, die heute unter dem neuen/alten Schlagwort der 'Internationalisierung' eine weitere Aufwertung erfahren und nicht zuletzt finanziell besser abgesichert werden.

Diese Bildungsmaßnahmen sind jedoch durch einige Hemmnisse gekennzeichnet. Persönliche Bindungen, 'fremde Sprachen', in denen man kommunizieren muß, Mobilitätsschranken, wie Visa, Impfungen, ungewohnte Aufenthalts- und Studienbedingungen hindern oft daran, den Schritt ins Ausland zu wagen. Qualitativ hochstehende Kurzstudienprogramme bieten hier eine Alternative. Sie erlauben dem jungen Menschen, oft erstmals, diese Barrieren zu überwinden, im Bewußtsein 'in Bälde' wieder in die 'gewohnte Umgebung' zurückkehren zu können.

Über den Tellerrand hinausblicken

Nunmehr soll also erneut sehr früh auf eine der globalen Veränderungen vorbereitet werden. Hierzu wurde ein Kurzstudienprogramm, das sich mit den südostasiatischen Entwicklungen auseinandersetzt, konzipiert und nach einer relativ kurzen Vorbereitungsphase wird im Februar die erste Umsetzung folgen.

Ziel dieser 'Innsbrucker' Intensivprogramme war und ist es, im Rahmen eines kurzen, multinationalen Studienprogramms Studenten die Möglichkeit zu bieten, Fachthemen zu behandeln und Fachwissen auszutauschen, neue Ansätze des Denkens zu erarbeiten, Geschichte und Kultur zu erfassen und Länder und Leute kennenzulernen. Neben die akadamische Bereicherung soll die Förderung eines besseren gegenseitigen Verständnisses und gegenseitiger Toleranz treten sowie der Respekt vor anderen Kulturen gesteigert werden.

Dieses Programm eröffnet erneut zum ersten Mal gleichzeitig einer größeren Zahl von Studenten die Möglichkeit, einen in diesen Kreisen (und nicht nur dort) bisher wenig vertrauten Kulturraum zu erschließen und von, und nicht über Südostasien, wie es der Tourist üblicherweise tut, zu lernen

Das Netzwerk nützen

1995/96 unterzeichneten 6 österreichische Universitäten (Uni Wien, WU, TU-Wien, Boku, TU-Graz unter Federführung der Uni Innsbruck) eine Vereinbarung über ein Universitäts-Kooperationsnetzwerk mit 3 Staaten in Südostasien (Thailand, Indonesien, Vietnam), in das dort zur Zeit 16 Universitäten bzw. Technische Hochschulen eingebunden sind.

Im Rahmen der neuen ASEA-Uninet-Aktivitäten an der Universität Innsbruck bereiten sich derzeit 30 Studenten und ihr Direktor, Univ.-Ass. Dr. Ch. Traweger, Institut für Statistik, auf ein neues Auslandskurzstudienprogramm, das Innsbrucker 'Austrian Student Program ASIA 1996' vor. Die Semesterferien 1996 werden sie in Singapur und Thailand verbringen, um dort akademische, aber auch persönliche Studien zu betreiben.

Dieses Programm, das neben dem äußerst erfolgreichen, seit 1982 jährlich durchgeführten USA-Kurzstudien- bzw. Intensivprogramm in New Orleans, stattfindet, sieht neben den täglichen Vorlesungen und Diskussionen an der Königlichen Chulalongkorn University, Bangkok, und der Chiang Mai University eine große Zahl von Firmenbesuchen, Seminar- und Diskussionsveranstaltungen mit dort ansässigen Politik- und Unternehmensvertretern und (teilweise in gemeinsamen Veranstaltungen) mit dort lebenden Österreichern (vom Botschafter über die Handelsdelegierten bis zu Unternehmensrepräsentanten) vor.

Weiterbildung in verschiedenen Bereichen erfahren

Das Vorlesungs- und Seminarprogramm in 'Southeast Asian- resp. Thai Economics, Politics, Culture/Arts and History' kommt mindestens den Anforderungen eines hiesigen ganzsemestrigen (Pro-)Seminars gleich. Es ist offen für alle Studenten der hiesigen Fakultäten, setzt aber guten Studienerfolg, ausgezeichnete Englischkenntnisse sowie Kenntnisse der Grundzüge der Ökonomik und Politikwissenschaft voraus. Die meisten Studenten tragen die Reise-, Aufenthalts- und Studienkosten selbst. Da jedoch niemand aus finanziellen Gründen vom Programm ausgeschlossen werden soll, gibt es für einen kleinen Teil der Studierenden, - sozial gestaffelt - einen Zuschuß.

Den eigenen Standpunkt hinterfragen

Akademisch kann dieses Intensivprogramm ein Lernen nicht nur über sondern von den Kulturen, deren Geschichte, deren Politk, deren Wirtschaft, ein Kennenlernen eines (teilweise) neuen Hochschulsystems, die kritische Reflexion und Verarbeitung der neuen universitären Umwelt und nach Rückkehr, die Infragestellung liebgewordener Erfahrungen und Gewißheiten an der eigenen Universität sowie die Einarbeitung dieses neuen, hoffentlich produktiven Inputs bedeuten.

Für den Einzelnen kann die Teilnahme zunächst eine Erweiterung des persönlichen Horizonts, aber auch einen großen Vorteil in der persönlichen Entwicklung darstellen. Viele neue Freundschaften waren schon oft das erfreuliche (Mit-)Ergebnis derartiger Programme.

Daneben können das persönliche professionelle Profil deutlich gestärkt und die Chancen für den beruflichen Einstieg erleichtert werden.

Wie die Erfahrungen mit dem USA-Programm zeigen (von 1982 - 1996 nahmen daran bereits mehr als 550 Studenten teil), ist ein derartiges Studienangebot bei vielen der erste Schritt, um nachfolgend längere Auslandsstudienaufenthalte aufzunehmen.

Sollten die Erwartungen erfüllt werden, ist an eine jährliche Weiterführung, wie auch Erweiterung im ASEA-Uninet gedacht.

Der Zukunft entgegengehen

Gewiss, Auslandsprogramme sind oftmals mit Problemen und Schmerzen vor und während des Auslandsaufenthaltes verbunden, jedoch lohnt die Überwindung. Erfahrungen dieser Art stellen einen unverzichtbaren Teil eines persönlichen Reife- und Lernprozesses dar.
Deshalb ist die akademische Dimension des Studienprogramms sicherlich bedeutend, insbesondere für uns, die wir diese Rahmenbedingungen schaffen, doch:
Alleine die 'Lebenserfahrung' ist für jeden Absolventen ein immenser Wert an sich.

Univ.-Prof. Dr. Erich Thöni
Auslandsreferent der Leopold Franzens-Universität Innsbruck
Innsbruck-Koordinator ASEA-Uninet

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