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Presseinformation der Universität Innsbruck

13.01.2011

*****   SPERRFRIST: Donnerstag, 13. Januar 2011, 20.00 Uhr MEZ   *****

Neue Zusammenhänge zwischen Klimaschwankungen und historischer Entwicklung Europas

Europas Sommerklima der vergangenen 2500 Jahre mittels Jahrringen bestimmt

Ein internationales Forscherteam unter Beteiligung der Innsbrucker Geographie hat erstmals das europäische Sommerklima der letzten 2500 Jahre anhand von Jahrringen umfassend bestimmt. Dabei stellten die Forscher aus unterschiedlichen Disziplinen eine auffällige Beziehung zwischen starken Klimaschwankungen und großen gesellschaftlichen Veränderungen wie Völkerwanderung, mittelalterlicher Blütezeit sowie den Folgen von Pest und Krieg fest. Sie berichten darüber in der renommierten Fachzeitschrift Science.

Ein Team von Archäologen, Geographen, Historikern und Klimatologen aus der Schweiz, Deutschland, Österreich und den USA hat erstmals den Niederschlag und die Temperatur der letzten 2500 Jahre in Mitteleuropa lückenlos rekonstruiert. Dies gelang nach der Auswertung und Analyse der Jahrringe von rund 9000 subfossilen und archäologisch-historischen Hölzern sowie lebenden Bäumen. Die Jahrringforschung (Dendrochronologie) erlaubt eine Einschätzung von Temperatur und Feuchtigkeit für jedes einzelne Jahr. Die Jahrringe geben allerdings meist nur über die Wachstumszeit, also den Sommer, Aufschluss. Für die Abschätzung der frühsommerlichen Niederschlagsverhältnisse wurden Eichenhölzer aus dem Nordosten Frankreichs und aus Deutschland verwendet. Die Rekonstruktion der Entwicklung der mitteleuropäischen Sommertemperatur lag in der Verantwortung von Kurt Nicolussi vom Institut für Geographie der Universität Innsbruck und basiert auf Hochlagenhölzern der österreichischen Alpen und angrenzenden Gebieten.

Auffällige Parallelen in der Geschichte

Die interdisziplinäre Studie, geleitet von Ulf Büntgen von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in der Schweiz, zeigt den möglichen Einfluss vergangener Klimavariabilität auf historische Entwicklungen. Die Wissenschaftler stellen die Schwankungen des europäischen Sommerklimas von der späten Eisenzeit vor 2500 Jahren bis in die Gegenwart auffallenden historischen Ereignissen und Epochen gegenüber.
Nach den Rekonstruktionen war das Klima während der Römerzeit überwiegend feucht-warm und vergleichsweise stabil. Eine Abkühlung und das Einsetzen wechselhafter Bedingungen um 250 n. Chr. fällt mit Krisen des Weströmischen Reiches zusammen. Diese Phase starker Klimaschwankungen dauerte über dreihundert Jahre an und überlagerte die sozioökonomische Katastrophe der Völkerwanderung. Steigende Temperaturen und zunehmende Niederschläge ab dem siebten Jahrhundert begünstigten wahrscheinlich den kulturellen Aufstieg des Mittelalters. Naheliegend ist auch ein klimatischer Einfluss auf die Verbreitung und Virulenz der Pest nach 1347. Genauso kann eine Kältephase während des Dreißigjährigen Krieges am Anfang des 17. Jahrhunderts die verbreiteten Hungersnöte verstärkt haben.
Das Autorenteam betont allerdings die Komplexität der Beziehungen zwischen Klimaschwankungen und historischen Ereignissen und warnt vor einfachen kausaldeterministischen Verknüpfungen.

Vergleich mit der natürlichen Klimadynamik möglich

Die internationale Studie stellt auch eindrücklich das durch den Menschen (mit)beeinflusste Klima des 20. Jahrhunderts seiner natürlichen Variabilität der letzten 2500 Jahre gegenüber. Im Kontext der natürlichen Klimadynamik erscheinen die Sommer des späten 20. und frühen 21. Jahrhunderts als außergewöhnlich warm. Frühere Veränderungen der Niederschläge hingegen haben die heutigen Messwerte durchaus übertroffen.

Bitte beachten Sie die Sperrfrist: Donnerstag, 13. Januar 2011, 20.00 Uhr MEZ!

Publikation: 2500 Years of European Climate Variability and Human Susceptibility. Ulf Büntgen, Willy Tegel, Kurt Nicolussi, Michael McCormick, David Frank, Valerie Trouet, Jed O. Kaplan, Franz Herzig, Karl-Uwe Heussner, Heinz Wanner, Jürg Luterbacher, Jan Esper. Science Express am 13. Januar 2011. DOI: 10.1126/science.1197175 (ab 14.1.)

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Bildunterschrift: Die Jahrringforschung (Dendrochronologie) erlaubt eine Einschätzung von Temperatur und Feuchtigkeit für jedes einzelne Jahr. Die Jahrringe geben allerdings meist nur über die Wachstumszeit, also den Sommer, Aufschluss.
Fotonachweis: Uni Innsbruck


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Bildunterschrift: Subfossiler Holzstamm in einem Hochlagensee der zentralen Ostalpen. Solche Hölzer finden bei der Erarbeitung von Jahrringdaten für Klimarekonstruktionen Verwendung.
Fotonachweis: Uni Innsbruck


Rückfragehinweis:
Ao.Univ.Prof. Dr. Kurt Nicolussi
Institut für Geographie
Universität Innsbruck
Tel.: +43 512 507 5673
E-Mail: Kurt.Nicolussi@uibk.ac.at

Dr. Christian Flatz
Büro für Öffentlichkeitsarbeit
Universität Innsbruck
Tel.: +43 215 507 32022
E-Mail: presse@uibk.ac.at