Kurzbeschreibung der Vorträge und Workshops

 

 

Eröffnungsvortrag:

 

Univ.-Prof. Dr. Eva Jaeggi, Berlin:


“Jugendlich altern – Täuschungen und Selbsttäuschungen?“

Wenngleich im Allgemeinen heutzutage alte Menschen jünger wirken als früher, so sollte man doch die Probleme und Schwierigkeiten des Alterns gerade in der Moderne nicht übersehen. Man muss sich damit auf vielen Ebenen auseinandersetzen: im körperlichen und intellektuellen Bereich, im sozialen Feld, auf der beruflichen Ebene. Eine gewisse Gelassenheit im Alter ist oft schwer zu erreichen. Einer der Wege dazu kann auch die Psychotherapie sein.   

 

 

Workshops:

 

WS 1: Richard Timel, Institut für Organisationsentwicklung und Dialog GmbH, Frankfurt:

 

„Die Berufsmotivation gegen Ende des Arbeitslebens – Mit welchen Fragestellungen werden gegenwärtig Männer und Frauen über 50 Jahre konfrontiert?“

Seit 20 Jahren beschäftige ich mich mit der Berufsmotivation von „älteren“ Arbeitnehmern. In einer Reihe von Workshops bin ich auf Menschen getroffen, welche noch einmal durchstarten und die Karriereleiter ein Stück noch hochklettern wollen. Andere bereiten sich schon auf die Altersteilzeit und den Ruhestand vor. Eine dritte Gruppe fühlt sich in der augenblicklichen Position unterfordert und denkt noch einmal an einen Stellenwechsel.

Jedenfalls haben Menschen über 50 Jahre in der Regel eine längere Berufskarriere hinter sich. Sie haben Höhen und Tiefen in ihrem Berufsleben erfahren, sowie Freuden und Frustrationen in ihrer Arbeit erlebt. Und sie haben oft Ängste, wie es weitergehen soll. Die Sinnfrage stellt sich im Berufsleben neu.

Auf diese Fragestellungen wurde in einer Reihe von Seminaren eine Antwort gesucht. Über die Erfahrungen in diesem Zusammenhang zu berichten und praktische Hinweise für die Situation und die Probleme der Arbeitnehmer über 50 Jahre zu geben, ist das Anliegen dieses Workshops.

 

 

WS 2: Mag. Dr. Reinhardt Lobe, Wien, Leiter des Lehrgangs Gerontopsychotherapie:

 

„Gerontopsychotherapie“

Steigende Lebenserwartung und der dadurch erheblich wachsende Bevölkerungsanteil an alternden Menschen haben das gesellschaftliche Interesse am Altwerden und Altsein deutlich verstärkt. Das zeigt sich auch darin, dass die Alten längst von der Wissenschaft entdeckt  thematisiert und beforscht werden: Gerontologie ist eine allseits anerkannte und in alle Richtungen ausufernde Universalwissenschaft geworden. In psychiatrischen Kliniken wurden mancherorts eigenständige geriatrische Abteilungen eingerichtet und geriatrische Psychiatrie wird als fachliche Spezialisierung allenthalben gefordert und gefördert. 

Die Etablierung einer speziellen Gerontopsychotherapie ist hingegen derzeit nur schemenhaft zu erkennen – ganz im Gegensatz zu diversen anderen, längst etablierten, zielgruppenspezifischen Psychotherapien, wie etwa „Suchtkrankentherapie“ oder „Kinderpsychotherapie“. Woran mag das liegen? Vielleicht am Widerstand der Psychotherapeuten/innen, sich mit Menschen zu beschäftigen, die aufgrund ihres hohen Alters keine lohnenden „therapeutischen Ernten“ mehr erwarten lassen, wie psychisch gestörte Kinder oder jugendliche Suchtpatienten. Vermutlich liegt es aber auch daran, dass psychisch belastete alternde Erwachsene sich nicht so leicht von anderen erwachsenen Menschen und deren psychischen Problemen abgrenzen lassen. Als nosologische Zielgruppe heben sich Alte bei weiten nicht so deutlich von ihrer Umgebung ab, wie etwa Kinder oder Suchtkranke. Wann und wodurch wird je­mand ein Fall für eine(n) spezialisierte(n) Gerontopsychotherapeuten/in? Diese Schwierigkeit ist auch in den Gremien der psychotherapeutischen Berufspolitik und in psychotherapeutischen Aus- und Fortbildungseinrichtungen wirksam, so dass eine Spezialisierung als Gerontopsychotherapeut/in ambivalent und skeptisch beäugt wird.

 

 

WS 3: Univ.-Prof. Dr. Heinz Barta & Dr. Michael Ganner, Universität Innsbruck:

 

„Rechtliche Rahmenbedingungen der Alten- und Pflegebetreuung“

Entgegen einer weit verbreiteten Einschätzung sind die „Rechtlichen Rahmenbedingungen der Alten- und Pflegebetreuung“ von einiger praktischer Bedeutung. Wir haben am Institut für Zivilrecht den Gesetzgebungsprozess – zu dem es mittlerweile partiell gekommen ist – vorbereitet und können uns damit auseinandersetzen inwieweit das rechtlich Geschaffene ausreicht und was für die Zukunft an Arbeit noch ansteht oder doch wünschenswert wäre.

 

 

WS 4: Univ.-Prof. Dr. Thomas Leithäuser, Universität Bremen:

 

„Lifelong learning und Altersweisheit“

Weisheit ist nicht notwendig die Folge lebenslangen Lernens, das sich heute meistens auf Arbeit und Beruf, technische Fertigkeiten und praktische Kompetenzen beschränkt. Davon abgekoppelt bleiben Fragen nach dem Lebenssinn, Lebensglück und der Unbeständigkeit menschlichen Seins (Liebe, Sterben und Tod), auch die Fragen nach den ungelebten und versäumten Lebensformen. Wenn solches philosophisches, vielleicht auch religiöses und künstlerisches Denken überhaupt stattfindet, dann beim Älterwerden meist nach der Verrentung oder Pensionierung. Dann ist man auf dem Wege zur Altersweisheit, einer neuen Perspektive, die Dinge und Erfahrungen rückwärtsgewandt zu reflektieren und neu zu verstehen durchaus im Lichte einer gewissen Abgeklärtheit. Wenn heute von Altersweisheit so wenig die Rede ist, so weil sie als romantisch abgewertet gilt und weil es kein soziales Feld ihrer Verwertung und Reproduktion gibt. Altersweisheit bleibt bestenfalls literarisch kommunizierbar. Es könnte durchaus darum gehen das Lifelong learning mit der Altersweisheit und den schon genannten mit ihr verbundenen Sinnfragen zu vertiefen.

 

 

WS 5: Univ.-Prof. Dr. Matthias scharer, Universität Innsbruck:

 

„Fit bis zum Ende?

Ein Perspektivenwechsel in der Sichtweise der Tiroler Altersstudie“

Der Beitrag orientiert sich an den Ergebnissen der Tiroler Altersstudie, die in den Grundzügen vorgestellt werden. Angesichts der darin aufgezeigten Altersdiagnose wird ein theologisch-kommunikativer Blick auf das Altern versucht. In diesem Zusammenhang werden u. a. folgende Fragen aufgegriffen:

  • die Altersgeschichte(n) einzelner Menschen als konkrete Heils-/ Unheilsgeschichte(n),
  • die Kommunikation zwischen den Generationen unter den Herausforderungen des Alterns,
  • biblische Bilder vom guten/abscheulichen Altern mit dem Blick auf den beziehungsreichen Gott des Lebens.      

Aus der Vernetzung der Perspektiven werden Anliegen und Themen entwickelt, die den gesellschaftlichen Umgang mit der Thematik neu bestimmen können. Der Workshop wird teilnehmerInnenorientiert durchgeführt.

 

 

WS 6: Univ.-Prof. Dr. Josef Christian Aigner, Universität Innsbruck:

 

„Alter, Sexualität und Beziehungsbiographie“

Viele Menschen können sich ein erfülltes Sexualleben jenseits der 60 kaum vorstellen, weil sexuelle Aktivitäten automatisch mit dem "Jungsein" assoziiert werden. Dennoch bleibt die Sexualität eine wichtige Quelle für das Wohlbefinden, das Selbstwertgefühl und das Gefühl der partnerschaftlichen Gemeinschaft.

Die Intensität des reinen körperlichen Verlangens nimmt zwar im Alter bei vielen Menschen ab, nicht jedoch der Wunsch nach Zärtlichkeit, Sexualität und Befriedigung. Im Gegensatz dazu wird alten Menschen vitales sexuelles Begehren und erst recht eine ebensolche sexuelle Praxis tendenziell abgesprochen. Mythen wie „Alte Männer können nicht mehr“ und „Alte Frauen wollen nicht mehr“ sind immer noch populärer, als man meint. Die Sexualtherapie mit älteren Menschen zeigt dagegen erstaunliche Erfolge, was die engen Verquickungen von Lebensqualität, Selbsterleben und sexueller „Potenz“ eindrücklich belegt.

Eine wichtige Voraussetzung für ein erfülltes Sexualleben ist auch die Akzeptanz des eigenen Körpers. Das ist eine schwierige Aufgabe in einer Gesellschaft, die den auf perfekt retouchierten jugendlichen Körper zu einem Fetisch erhoben hat.

Welche Tabus es zu lichten gälte und welche Mythen zu widerlegen, welche Möglichkeiten in Richtung mehr Altenfreundlichkeit auch „in sexualibus“ schließlich denkbar erscheinen, ist Inhalt dieser Arbeitsgruppe.

 

 

WS 7: Univ.-Prof. Dr. Hans-Jörg Walter, Universität Innsbruck:

“Alter(n)sbilder“

Wenn man die Lebenserwartung als Kriterium nimmt, war das letzte Jahrhundert für die industrialisierte Welt von einer beeindruckenden Entwicklung gekennzeichnet. War die durchschnittliche Lebenserwartung um 1900 bei etwa 45 Jahren, so ist sie in der Gegenwart auf mehr als 75 Jahre angestiegen. Diese Veränderung hat zu neuen Bezeichnungen geführt. Es ist die Rede von einem 3. Lebensalter, nämlich von den „jungen Alten“, von dem ein 4. Lebensalter, die „alten Alten“ unterschieden wird. Von den „jungen Alten“ werden neue Bilder vermittelt, die sich von der Vorstellung eines fortschreitenden regressiven Prozesses abheben, wie er in der „Lebenstreppe“ dargestellt wurde.

 

Die veränderte Situation verlangt neue Orientierungen. An welchen Vorstellungen sollen/können sich Menschen im hohen Erwachsenenalter orientieren? Wie schauen die medialen Angebote aus, wie die Modelle in der wissenschaftlichen Literatur, welche Botschaften können aus den sozialpolitischen Diskussionen entnommen werden? Damit sind auch schon die Untersuchungsfelder genannt, in denen das Thema der Alter(n)sbilder behandelt wird.

 

 

Abschlussvortrag

 

Univ.-Prof. Dr. Franz Kolland, Universität Wien:

 

„Streit der Generationen?

Altern im Feld von Generationenbeziehung und Generationenverhältnis“

Das Generationenthema ist gleichermaßen populär wie kontrovers. Die Schwierigkeit des Generationenkonzepts und der Dissens darüber liegen weniger bei den familialen als bei den gesellschaftlichen Generationen. Generationenbeziehungen zwischen erwachsenen Kindern und Eltern sind von einer ausgeprägten funktionalen, affektiven und assoziativen Solidarität geprägt, und zwar bis ins hohe Alter. Befunde zu problematischen Aspekten der intergenerationellen Verhältnisse sind vor diesem Hintergrund zu betrachten. Der Streit der gesellschaftlichen Generationen dreht sich primär um das Argument, wonach immer mehr Leistungsempfänger immer weniger Beitragszahlern gegenüber stünden, so dass das gegenwärtige Niveau  wohlfahrtsstaatlicher Transfers in Zukunft nicht zu halten sei. Ist es mit der Solidarität zwischen den Generationen vorbei, ist sie dem zunehmenden Altern der Bevölkerung zum Opfer gefallen? Weitgehend unberücksichtigt bleiben in dieser Diskussion die Leistungen der Älteren selbst.

 

 

 

 

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