Vortrag "Interdisziplinarität für die Humanwissenschaften - ein Beitrag aus der Perspektive der Humanethologie" von Dr. Gerhard Medicus

 

"To date, there is no comprehensive, unifying theory of psychology. The various subdisciplines, from psychoanalysis to the psychology of management and business, have their own theoretical underpinnings. It seems to me that Gerhard Medicus’ analytical concept lays the groundwork for a building in which all members of the family of psychology could feel at home" (Univ.-Prof. Dr. Wulf Schiefenhövel in Forword zu Medicus 2015 [5])

 

Im Rahmen des monatlichen Institutskolloquiums fand am 19. Oktober 2015 um 17.15 Uhr der Vortrag von Herrn Dr. Gerhard Medicus in der Aula (Hauptgebäude, Innrain 52) statt. 

 

 

 Die Human-Ethologie ist eine junge Wissenschaft. Sie hat sich im Rahmen der Verhaltensbiologie entwickelt und in wenigen Jahrzehnten in ihren Schwerpunkten verändert[1]. Bei einzelnen Humanethologen lebt sie von der Integration des Wissens der Nachbardisziplinen, mehr als von der Spezialisierung auf immer engere Bereiche. Das ist ebenso eine Schwierigkeit wie eine Chance.

Wohl auch aus diesem Grund hat sich in der Ethologie eine heuristische Methode entwickelt, die es ermöglicht, das Wissen, das die verschiedenen Wissenschaften vom Menschen generiert haben, in Verbindung zu bringen.

Die Methode wird im Impulsreferat vorgestellt. Sie erschließt sich, wenn anhand des Rasters der Vier Grundfragen der biologischen Forschung[2] (Verursachungen, Ontogenese, Anpassungswert, Phylogenese[3]) gefragt wird und gleichzeitig die Bezugsebenen (z.B. Zelle, Organ, Individuum, Gruppe[4]) berücksichtigt werden, auf die sich die Fragen richten. Deshalb ist der Rückgriff auf das Wissen verschiedenster Fachbereiche und Disziplinen nützlich und notwendig[5].

Diese Methode soll an Beispielen zum Sozialverhalten verdeutlicht werden.


Kurzbiografie von Herrn Dr. Gerhard Medicus:

  • 1950 in Salzburg / Stadt geboren,
  • Promotion zum Doktor der Medizin in Innsbruck 1982,
  • Forschungsassistent bei Rupert Riedl am Zoologischen Institut der Universität in Wien: 1983-1985,
  • Ausbildung zum Praktischen Arzt: 1985-1988,
  • Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Neurologie: 1989-1993,
  • Facharzt für Psychiatrie bzw. Oberarzt am Landeskrankenhaus in Hall i.T. von 1994 bis 2015,
  • Freier Mitarbeiter in der Gruppe Human-Ethologie in der Max-Planck-Gesellschaft in Andechs/Seewiesen seit 1988,
  • Lehrauftrag am Institut für Psychologie der Universität Innsbruck seit 1990 (Titel der Lehrveranstaltung: „Einführung in die Humanethologie“),
  • Ethologische Studienaufenthalte auf den Trobriand-Inseln/Papua Neuguinea, Molukken/Indonesien, Himba/Namibia, Mali, Burkina Faso, Vanuatu und Madagaskar seit 1994,
  • Verheiratet seit 1980, drei Kinder.

 



Quellen:

[1] Eibl-Eibesfeldt I. 1995, Die Biologie menschlichen Verhaltens. Grundriß der Humanethologie. München: Piper

[2] Lorenz K. 1937, Biologische Fragestellungen in der Tierpsychologie. Z. f. Tierpsychologie 1: 24-32
  Tinbergen N. 1963, On Aims and Methods in Ethology. Z. f. Tierpsychologie 20: 410-433.

[3] Darwin Ch. 1859, On the Origin of Species. London: Murray.
  Lorenz K. 1973, Die Rückseite des Spiegels. München Piper.

[4] Hartmann N. 1964, Der Aufbau der realen Welt. Berlin: de Gruyter
  Riedl R. 1980, Biologie der Erkenntnis. Hamburg: Parey

[5] Medicus G. 2015, Being Human - Bridging the Gap between the Sciences of Body and Mind. Berlin: VWB

Nach oben scrollen