Blog 1: Reportage über einen Bauernmarkt

BauernInterview_Gemüse   BauernInterview_BäuerinAufFeld

Verena und Christian Ölhafen führen einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb in der Umgebung Innsbruck. Sie sind fast jeden Tag in der Woche an einem ihrer Stände auf den verschiedenen Bauernmärkten in Innsbruck anzutreffen. Das sympathische Paar hat sich im Jahre 1983 auf einem Fest in Thaur kennengelernt und heiratete zwei Jahre später. Quasi im selben Zuge übernahmen sie den Bauernhof von Christians Familie und führten ihn weiter. Wie lange seine Familie schon im Besitz des Bauernhofs ist, weiß keiner so genau und vielleicht ist es gerade diese fehlende Information, die der Geschichte das gewisse Etwas gibt - wer weiß, vielleicht reicht die Tradition des Bauerntums der Ölhafens ja schon ewig in die Vergangenheit zurück.

Christians Mutter vertrieb die landwirtschaftlichen Produkte von 1957 bis 1960 vor der Markthalle und siedelte schon 1960 in den Bauernmarkt in der Markthalle über. Seit 1989 – vor 33 Jahren – wollte das Paar selber ein eigenes Standbein mit dem Bauernhof aufbauen und nutzten die Idee eines Wiltener Bewohners, der den Vorschlag für einen Bauernmarkt am Wiltener Platzl machte. Durch eine Ausschreibung in der damaligen Bauernzeitung schlossen sich kurz darauf verschiedene Bäuerinnen und Bauern zusammen und begannen ihre Produkte dort jeden Samstag zu verkaufen. Für das Paar fing es klein an mit einer Küchenwaage auf einem notbedürftigen Stand, doch der Bauernmarkt kam direkt gut bei den Innsbrucker*innen an. Kurze Zeit später kamen sie dann mit festen Ständen auf den Markt und die dort zusammengekommenen Bäuerinnen und Bauern schlossen sich als Verein zusammen. Der Bauernmarkt am Wiltener Platz florierte so stark, dass die Stadt Innsbruck darauf aufmerksam wurde. Nur ein Jahr später eröffnete der Verein auf Anfrage der Stadt einen neuen Bauernmarkt am Sparkassenplatz. Seit jeher ist der Bauernmarkt und damit auch Verena und Christian jeden Freitag auch dort vorzufinden.

Das Paar und nur ein Saisonarbeiter im Sommer kümmern sich um die Bewirtschaftung von 2,5 Hektar Land, das in kleineren Feldern in der Gegend um Arzl, Ruhm und Thaur liegt. Ihr Standpunkt als Bauernhof ist allerdings in Arzl, wo sie auch leben. Bei dem Direktvertrieb ihrer Ernte helfen ihnen noch drei weitere Feste Verkäuferinnen und eine, die flexibel aushilft. Insgesamt arbeiten also nur 7 Leute in dem Betrieb und sorgen dafür, dass ihr auf den Märkten frischestes Gemüse bekommt. Sie bieten querbeet eine ganze Reihe an Produkten an. Nicht nur die „Dauerburner“ wie Kartoffeln, Rohnen und Sauerkraut, sondern auch selbst angebaute exotische Lebensmittel, wie Portulak, Edamame oder Honigmelonen, findet man in ihrem Sortiment. Da fragt man sich, wieso man überhaupt noch im Supermarkt Obst und Gemüse einkauft, nicht wahr?

Heute führen die Ölhafens einen reinen Gemüsebauernhof. Doch das war nicht immer so. Bevor Verena und Christian den Bauernhof übernahmen, wurden nur Kraut und Rüben als Gemüse angebaut und damals gab es noch Kühe und Schweine auf dem Bauernhof in Arzl. Seit 20 Jahren konzentrieren sie sich allerdings nur noch auf Gemüse. Dadurch wurde Platz in ihrem Bauernhaus frei und gerade in diesen alten Bestallungen saßen wir während unseres Interviews. Natürlich saßen wir nicht zwischen Jahrzehnten alten Heuhaufen und Kuhfladen, denn Verena und Christian haben das Haus wunderschön saniert. Ein Lagerraum und ein wohliges Esszimmer füllen nun die Fläche, die damals als Stall genutzt wurde. An die Bestallungen erinnern heute nur noch Einbuchtungen ehemaliger Futterlöcher in der Decke, wo damals das Heu vom Lager hindurchfallen konnte. Verena und Christian erzählen uns, dass ihre Philosophie es war, sich nicht auf bestimmtes Gemüse zu spezialisieren und zu expandieren, sondern ein breites Angebot aufstellen zu können. Dies rührt ganz klar von ihrem Interesse an verschiedenstem Gemüse und deren Kombinationen beim Kochen. Sie sind immer offen für neue Vorschläge. So haben sie zum Beispiel angefangen, norddeutschen Grünkohl anzubauen, weil ein Kunde seinen Lieblingskohl hier in Tirol nicht finden konnte und sie von dem Grünkohl auch angetan waren. Die beiden fühlten sich inspiriert und nächstes Jahr gab es auf einmal Grünkohl. Dass der Norddeutsche sich darüber freute, muss man an dieser Stelle nicht extra hervorheben. Ähnlich ging es auch mit den Edamame, die man auch bei ihrem Bauernmarkt kaufen kann. Edamame sind japanische Bohnen, die traditionell gerne als salziger Snack abends mit Bier genascht werden. Verena und Christian finden aber auch, dass Weißwein ziemlich gut dazu passt.

Ein weiterer Grund für den Aufbau eines breiten Sortiments ist, dass ein weitreichendes Angebot für Kunden auf dem Bauernmarkt attraktiver ist. Man findet beinahe alle Bodenfrüchte der Saison an ihrem Stand. Durch die überschaubare Größe ihres Betriebs ist es dem Paar möglich, das meiste ihrer Ernte durch die Direktvermarktung auf den Bauernmärkten in Innsbruck zu verkaufen. Selten und nur auf Anfrage beliefern sie Restaurants. Als wir sie – neumodern wie wir sind – nach der Vision ihres Unternehmens fragten, meinten beide, dass es alles einfach von selbst gekommen sei und dass hinter ihren Entscheidungen nie eine große Vision gesteckt hätte. Sie vertrauten einfach auf den Lauf der Dinge und ihrer Leidenschaft für Gemüse und Essen. Dadurch hat sich ihr Bauernhof über die Zeit hinweg so entwickelt, wie sie ihn gerne haben wollten.

Interessant ist auch, wie sich das exotische Angebot in ihr Sortiment geschlichen hat. Verena und Christian arbeiten zwar fast das ganze Jahr über leidenschaftlich auf ihren Feldern und Märkten, doch jeden Winter nehmen sie sich auch die Zeit, ihre Abenteuerlust zu befriedigen. Wenn sie im Urlaub sind, fahren sie gerne ohne viel Planen durch das Land und sprechen andere Bäuerinnen und Bauern auf ihren Feldern an. Als sie vor einigen Jahren Hawaii besuchten, sprachen sie mit einem Süßkartoffelbauern, der ihnen vom Anbau der heutzutage so begehrten Knolle erzählte. Dies führte dazu, dass Verena und Christian unbedingt probieren wollten, Süßkartoffeln in Tirol anzubauen. Seit 2015, – also mittlerweile seit 7 Jahren – gibt es nun ihre regionalen Süßkartoffeln. Immer wieder ergänzen sie ihr Sortiment. So gibt es seit einigen Jahren sogar Vulkanspargel und Wassermelonen aus eigenem Anbau.

Die Ölhafens selbst ernähren sich regional und saisonal. Nur für kleinere Ergänzungen und wenn das Katzenfutter leer ist, sagt Verena, geht sie in den Supermarkt, weil sonst die zwei Katzen das Haus verwüsten würden. Verena und Christian lieben es ihr Gemüse zu essen und reduzieren seit längerer Zeit auch ihren Fleischkonsum. Fertiggerichte gibt es nun schon seit Jahren nicht mehr in ihrem Haushalt. Sie ernähren sich also ausgewogen und sind achtsam beim Einkaufen ihrer Lebensmittel.

Wir fragten die beiden am Ende des Interviews, ob sie denn Essens-Tipps für Studierende hätten. Sie sagten, dass man so gut wie alle Lebensmittel regional und saisonal kaufen sollte. Man muss nicht zu jeder Jahreszeit alles essen können, sondern man kann sich von dem momentanen Angebot kulinarisch inspirieren lassen. Wenn man im Winter trotzdem unbedingt Tomaten essen möchte, dann kann man sich die regionalen Tomaten am Ende des Sommers ganz einfach einwecken. Das macht auch Verena selbst sehr gerne. Fisch und Fleisch sollte man erst recht auf den Bauernmärkten oder in der Markthalle kaufen, wenn man sichergehen möchte, dass die Qualität gut und das Produkt regional ist. Außerdem sollte man achtsamer beim Einkaufen sein, denn nur weil ein Produkt das Bio-Siegel hat, ist es nicht gleich auch gut für die Umwelt. Schaut, wo euer Gemüse herkommt, denn eine lokale Tomate ist sicherlich besser als eine Bio-Tomate aus Spanien.

Während des Interviews hat das sympathische Paar uns öfters wissen lassen, wie sie die junge Kundschaft zu schätzen wissen. Sie sagen, dass Studierende interessiert an ihrem Gemüse sind und verstehen, dass gutes Gemüse nicht immer perfekt aussehen muss.

Warst du noch nicht auf den Bauernmärkten? Dann wird es wirklich Zeit! Der Stand von Verena und Christian ist an folgenden Orten anzutreffen:

Mo-Sa, 6.30 – 12.00 Uhr: Bauernmarkt in der Markthalle

Do, 16.00 – 18.30 Uhr: Parkplatz beim Hofwaldweg in Sadrach (ab Mitte März)

Fr, 9.00 – 13.30 Uhr: Sparkassenplatz

Sa, 8.00 – 12.00 Uhr: Wiltener Platzl

 BauernInterview_InKüche   BauernInterview_BauerAufFeld

Nach oben scrollen