2.1 Fach Interkulturelle Pastoraltheologie und Homiletik

Pastoraltheologie ist ein Abenteuer. Sie führt mitten hinein in einen faszinierenden Strudel von Differenzen: Kirche und Welt, Natur und Gnade, Menschen und Mächte. Aus diesen Spannungen heraus verwebt sie – am exemplarischen Praxisort der Predigt diskursiv verdichtet in der Homiletik – die großen Erzählungen von Schrift und Tradition mit den vielen kleinen Geschichten unseres Alltags.

Pastoraltheologie thematisiert religiöse wie säkulare Erfahrungen dieser impliziten ‚Leutetheologien’ in der potenziell kreativen Differenz von Praxisfeldern der Gegenwart und Diskursarchiven der Vergangenheit. Darin erweist sie sich als eine Fachdisziplin, deren Vertreterinnen und Vertreter permanent zwischen beiden Orten hin und her laufen (lat. discurrere) – sprich: einen ‚Diskurs’ über die kreativen Potentiale genau dieser Differenz führen.

Als ‚Ethnologie des Volkes Gottes’ verbindet sie die Wahrnehmungsfreude pastoraler Feldforschung („Sehen“) mit der Urteilsfähigkeit theologischer Archivrecherchen („Urteilen“) – um die Ergebnisse ihrer ‚teilnehmenden Beobachtung’ dann in das gleichberechtigte Gespräch mit Praktikerinnen und Praktikern einzubringen („Handeln“). Sie setzt sich im Kontakt mit dem Praxisfeld damit einer prinzipiellen Lernvermutung aus: Pastoraltheologie ist keine Einbahnstraße!

In diesem Zusammenhang kann man die Kompetenz erwerben, eigenständig und auf Augenhöhe mit möglichst vielen Beteiligten eine entsprechende kleine lokale Theologie für den eigenen Kontext zu entwickeln – und zwar ganz egal, ob der spätere Arbeitsort einmal in der Pfarrgemeinde, in der Schule oder anderswo liegt. Immer geht es um die Kompetenz, die großen Themen der Rede von Gott an den kleinen Orten seines Volkes zu verhandeln: neugierig, bodennah und erfahrungssatt.

Dabei gerät man unweigerlich in Kontraste, deren Differenzen unseren spätmodernen Alltag längst durchziehen: Religionen, Konfessionen und Säkularitäten des 21. Jahrhunderts. Interkulturell ausgerichtete Pastoraltheologie hat in den Abenteuern ihrer Gegenwart noch vieles zu entdecken. Neue pastorale Orte der Nachfolge Jesu, aber auch faszinierende Menschen, interessante Geschichten, aufrichtige Hingabe – und am allermeisten: ihren eigenen Gott als das Geheimnis der Welt.