8 Gärtner Blöcke Parteien_935x561

Parteienkonzentration

Reinhold Gärtner

 

Daten aus: bmi-homepage NR Wahlergebnisse; eigene Zusammenstellung RG

NRW

SPÖ und ÖVP %

andere %

1945

94,4

5,6

1949

82,7

17,3

1953

83,4

16,6

1956

89,0

11,0

1959

89,0

11,0

1962

89,4

10,6

1966

90,9

9,1

1970

93,1

6,9

1971

93,1

6,9

1975

93,4

6,6

1979

92,9

7,1

1983

90,9

9,1

1986

84,4

15,6

1990

74,9

25,1

1994

62,6

37,4

1995

66,4

33,6

1999

60,1

39,9

2002

78,8

21,2

2006

69,6

29,4

2008

55,3

44,7

2013

50,8

49,2

2017

58,4

41,6

2019

58,7

41,3


Das lange Zeit für Österreich geltende Zweieinhalbparteiensystem – ÖVP, SPÖ und eine kleine FPÖ – geriet Mitte der 1980er ins Wanken. Bis dahin lagen ÖVP und SPÖ gemeinsam zwischen 89 Prozent und 94,4 Prozent (mit den Ausnahmen 1949 und 1953). 1986 konnten ÖVP und SPÖ gemeinsam nur mehr 84,4 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen, es kam nicht nur eine gestärkte FPÖ zum Zug, sondern erstmals seit Jahrzehnten fanden sich wieder vier Parteien im Nationalrat ein. Und es ging – für ÖVP und SPÖ dramatisch – weiter. 1994 verloren sie erstmals die Verfassungsmehrheit (62,6 Prozent), seit 2008 bewegen sich beide gemeinsam unter 60 Prozent. Das hat bzw. hatte insofern nur bedingt Auswirkungen, als die große Koalition zunehmend von anderen Koalitionsvarianten (ÖVP-FPÖ bzw. ÖVP-BZÖ) abgelöst wurde. Dass ÖVP und SPÖ 2019 gemeinsam nochmals 58,7 Prozent der Stimmen bekamen, täuscht: Das Stimmenverhältnis hat sich dramatisch von der SPÖ weg und zur ÖVP hin verändert. Ähnlich wie 2002, als beide gemeinsam zwar wiederum 58,8 Prozent der Stimmen erreichten, die SPÖ aber – im Vergleich zu 1999 – nur um 3,3 Prozent zulegte, die ÖVP aber um 15,4 Prozent.

Die ÖVP sank in den Jahren von 1945 bis 1986 von 49,8 Prozent auf 41,3 Prozent (nimmt man 1949 aus Ausgangsbasis, war der Rückgang von 44,0 Prozent auf 41,3 Prozent kaum bemerkbar). Die SPÖ ihrerseits sank zwischen 1945 und 1986 von 44,6 Prozent auf 43,1 Prozent. In den 1990er Jahren wurden die Schwankungen dann wesentlich größer: ÖVP NRW 1986/1990: – 9,2 Prozent; SPÖ NRW 1990/1994: – 7,9 Prozent.

Die Änderungen zwischen 1986 und 2019 waren im Vergleich zu den ersten Jahrzehnten der Zweiten Republik vor allem für die SPÖ dramatisch:

1986 bis 2019
SPÖ
– 21,9 Prozent

ÖVP
– 3,8 Prozent

FPÖ
+ 6,5 Prozent

Grüne
+ 9,1 Prozent

Deutlich ersichtlich wird auch, dass seit den 1980er Jahren nicht nur die Anzahl jener Parteien zunimmt, die zur NRW antreten – Höchststand war 2017 mit 16 Parteien (davon 10 österreichweit), sondern dass auch mehr und mehr Parteien die 1 Prozent Hürde überspringen, die zwar bei weitem nicht für den Einzug in den Nationalrat reicht, immerhin aber Wahlkampfkostenrückerstattung bedeutet. Seit 2006 sind auch durchwegs zumindest fünf Parteien im Nationalrat vertreten (das war in früheren Zeiten lediglich 1994 bis 1999 der Fall).

 

NRW – Parteien

Jahr

Anzahl* (Ö)

mehr als 1 %

Mandate

 

1945

  3 (4)

3

3

ÖVP, SPÖ, KPÖ

1949

  4 (10)

4

4

ÖVP, SPÖ, KPÖ, VdU

1953

  4 (11)

4

4

ÖVP, SPÖ, KPÖ, VdU

1956

  4 (10)

4

4

ÖVP, SPÖ, KPÖ, FPÖ

1959

  4 (5)

4

3

ÖVP, SPÖ, FPÖ

1962

  4 (5)

4

3

 

1966

  4 (7)

4

3

 

1970

  4 (7)

4

3

 

1971

  4 (5)

4

3

 

1975

  4 (6)

4

3

 

1979

  4 (5)

4

3

 

1983

  6 (8)

5

3

 

1986

  5 (8)

4

4

SPÖ, ÖVP, FPÖ, Grüne

1990

  6 (11)

4

4

 

1994

  7 (13)

5

5

SPÖ, ÖVP, FPÖ, Grüne, LiF

1995

  9 (7)

6

5

 

1999

  9 (7)

6

4

SPÖ, ÖVP, FPÖ, Grüne

2002

  9 (6)

4

4

 

2006

12 (7)

7

5

SPÖ, ÖVP, FPÖ, Grüne, BZÖ

2008

15 (10)

7

5

 

2013

14 (9)

8

6

SPÖ, ÖVP, FPÖ, Grüne, TS, neos

2017

16 (10)

6

5

SPÖ, ÖVP, FPÖ, neos, Pilz

2019

13 (8)

6

5

SPÖ, ÖVP, FPÖ, Grüne, neos

* Insgesamt angetreten bzw. (in ganz Österreich angetreten); eigene Zusammenstellung RG.

 

Nach oben scrollen