Methodologien und Methoden der Politikwissenschaft

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Abbildung: Das Bild stellt dar inwiefern Länder in ihren Handelsabkommen Texte von bereits unterzeichneten Handelsabkommen kopieren. Links sind Handelsabkommen abgebildet, welche fremde Texte als Ressourcen verwenden. Rechts sind Handelsabkommen abgebildet, welche eigene Texte als Ressource verwenden (vom Arbeitspapier Lechner und Rablen, 2019, “International Bargaining over Policy Innovation”).


Über

Wir arbeiten an der Verbreitung und Verbesserung von Methoden der Politikwissenschaft. Ziel ist es Methoden aufzuzeigen und zu entwickeln, welche politikwissenschaftliche Fragen möglichst effizient, effektiv und transparent beantworten. Das Team beschäftigt sich vor allem mit der quantitativen Erfassung und Analyse von großen Datenmengen.

Der Forschungsprozess umfasst meist drei Schritte: die Datensammlung, die Informationsgewinnung und die deskriptive und inferentielle Datenanalyse. Unsere Agenda orientiert sich an diesen drei Phasen:

Datensammlung

Die Datenmenge im Web hat bereits im Jahr 2000 die Datenmenge von allen Bibliotheken der Welt überstiegen und wächst rapide. Dies versuchen wir als Forscher_innen auszunutzen und gewinnen einen Großteil unserer Daten durch sogenanntes “Web Scraping”. Wir erstellen dazu Technologien, welche den gezielten Download von Daten aus dem Internet ermöglichen.

Informationsgewinnung

Da ca. 80 Prozent der Information im Internet Text ist, spielt die computergestützte Textanalyse eine wichtige Rolle in unserem Forschungsprozess. Wir skalieren Texte nach bestimmten Dimensionen (politische Ideologie, Fortschritt versus Stagnation in Verhandlungen etc.), messen Zitate und Plagiate zwischen Texten und versuchen latente Konzepte in Texten zu verstehen. All dies ermöglicht uns Informationen, welche zur Beantwortung unserer Fragestellungen relevant sind, von großen unstrukturierten Datenmengen zu gewinnen.

Datenanalyse

Das Team arbeitet mit diversen statistischen Verfahren, um die Daten deskriptiv und inferential zu analysieren. Neben klassischen Verfahren, wie Regressionsanalysen, beschäftigen wir uns mit Netzwerkanalysen. Das Zusammenleben von Menschen und Gesellschaften funktioniert in Netzwerken. Spezielle Methoden erlauben uns die Dynamiken in diesen Netzwerken zu erforschen.

 

Mitglieder

Ass.-Prof. Dr. Lisa Lechner (  Homepage)

Ass.-Prof. Dr. Christian Traweger (  Homepage)

Kohei Watanabe, PhD (  Homepage)

 

Studienassistent_innen:

  • Georg Berger, BA
  • Christoph Ivanusch, BA
  • Marc Kuschick, BA
  • Sarah Weiler, BA
  • Melanie Silvia Martinz, BA
  • Jana Lea Muigg, BA
  • Christian Schwaderer, BA
  • Matthias Torggler, BA


Aktuelle Projekte

  • Policy-diffusion across international institutions: A text-network approach

    Lisa Lechner, 2020-2022, Vizerektorat für Forschung (Universität Innsbruck)

    Assistants: Christian Schwaderer, Matthias Torggler

    Abstract:

    Das Handelsabkommen zwischen Kanada und Peru beinhaltet einen Abschnitt mit dem Titel "Zeitplan der Tarifkürzungen von Kolumbien". Dies ist überraschend, da Kolumbien gar kein Mitgliedsstaat im entsprechenden Handelsabkommen ist. Es stellte sich heraus, dass der Abschnitt zu Kolumbien Resultat von schlampigem Kopieren und Einfügen des Textsegmentes aus einem anderen Abkommen ist. Texte zu internationalen Verträgen werden häufig für weitere Abkommen wiederverwendet. Wir wissen wenig darüber, unter welchen Bedingungen sich Gruppen von Staaten bei internationalen Verhandlungen darüber einigen Texte aus fremden Verträgen im eigenen Abkommen zu integrieren. Es fehlt nicht nur an politikwissenschaftlichen Theorien, welche Mechanismen der Politikdiffusion über internationale Verträge erklären, sondern auch an Daten und methodischen Werkzeugen zur empirischen Überprüfung von derartigen Mechanismen. In dem hier vorgeschlagenen Projekt, plane ich a) neue spieltheoretische Modelle zu entwickeln um Politikverbreitung in internationalen Regimen zu erklären, b) Texte zu internationalen Verträgen strukturell aufzubereiten, c) aus den Texten zu den internationalen Verträgen mit Hilfe von quantitativer Textanalyse neue Maße zur Politikdiffusion zu extrahieren, und d) Netzwerkanalyse und Textdaten zu kombinieren um Theorien der Politikdiffusion zu überprüfen. All dies sollte in einem neuen Datensatz, drei Publikationen, und einem ERC Starting Grant Antrag resultieren.

  • European Constitutional Court Network (ECCN) - Das Netzwerk europäischer Verfassungsgerichte

    Lisa Lechner und Lando Kirchmair (Universität Salzburg), 2019-2021, Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW)

    Assistent_innen: Georg Berger, Christoph Ivanusch und Sarah Weiler

    Abstract:

    Verfassungen beinhalten die zentralen Regeln unseres politischen Systems, und Verfassungsgerichte sind die wichtigsten Rechtsprechungsorgane europäischer Verfassungsstaaten. Sie sind die Wächter der Verfassung und garantieren zum Beispiel die Einhaltung der Grundrechte. Seit dem 20. Jahrhundert nimmt die Bedeutung der Verfassungsgerichte ständig zu. Trotz großem Interesse von Seiten der Wissenschaft und der Öffentlichkeit wissen wir noch relativ wenig darüber, wie verschiedene europäische Verfassungsgerichte zueinanderstehen. In dem ECCN Projekt über das Netzwerk europäischer Verfassungsgerichte wollen die Forscher_innen diese Lücke schließen.
    Was wir wissen ist, dass Entscheidungen von Verfassungsgerichten nicht in Isolation getroffen werden. Manchmal berufen sich europäische Verfassungsgerichte auch auf andere Verfassungsgerichte. Dennoch benötigen wir weitere Forschung, die darauf abzielt herauszufinden, in was für einem Ausmaß das geschieht. In dem ECCN Projekt erforscht das Projektteam empirisch, ob alle europäischen Verfassungsgerichte andere Verfassungsgerichtshöfe zitieren und wenn ja, wie oft z. B. der österreichische Verfassungsgerichtshof andere europäische Verfassungsgerichte, wie bspw. das deutsche, polnische oder spanische Verfassungsgericht, zitiert oder deren Argumentation übernimmt.
    Aufgrund der großen und vielsprachigen Entscheidungstexte seit 1952 stellen sie sich einer großen Aufgabe. Für Menschen wäre es wegen der zahlreichen unterschiedlichen europäischen Sprachen und der Quantität an Texten unmöglich, diese Aufgabe zu erledigen. Deshalb zieht das Forschungsteam moderne computergestützte Methoden heran. Neben der Erforschung des Zitationsnetzwerkes, d. h. dem Netzwerk der direkten Zitate europäischer Verfassungsgerichte, ermöglicht es durch maschinelles Lernen, auch semantische Textähnlichkeiten zu berücksichtigen. Sowohl das Zitationsnetzwerk als auch das Netzwerk von semantischer Textähnlichkeiten kann unter Zuhilfenahme moderner Technologien in unterschiedlichen Sprachen vorgenommen werden.
    Mit innovativen technologiebasierten Methoden, welche die Forscher_innen in im ECCN Projekt verwenden, können sie Muster in der Argumentation von Verfassungsgerichten offenlegen, die für einen menschlichen Beobachter bisher im Verborgenen geblieben sind.
    Kurzum, sie digitalisieren und erklären das Netzwerk europäischer Verfassungsgerichtsentscheidungen.

    ECCN

  • Multilinguale Textkorpora und Wörterbücher zur quantitativen Analyse von Sozialwissenschaftlichen Texten 

    Lisa Lechner und Kohei Watanabe, 2019-2020, 1669 Wissenschafft Gesellschaft - Förderkreis der Universität Innsbruck

    Abstract:

    Quantitative Textanalyse gewinnt in der sozialwissenschaftlichen Forschung an Popularität. Schätzungen zufolge werden mehr als 80 Prozent aller menschlichen Aktivitäten als Textdaten gespeichert. Bei traditionelleren Ansätzen, bei denen Menschen Texte bewerten, erhöht jeder zusätzliche Text den Zeit- und Kostenaufwand. Im Gegensatz dazu führen automatisierte Ansätze, bei denen Computer Texte skalieren und klassifizieren, niedrige variable Kosten auf. In diesem Fall verursacht ein zusätzlicher Text einen kaum spürbaren Zeit- und Kostenaufwand.
    Dennoch stehen die Forscher bei der Durchführung quantitativer Textanalysen vor erheblichen Herausforderungen. Zwei der größten Herausforderungen betreffen a) die Schwierigkeit, aus gedruckten oder maschinengeschriebenen Dokumenten erstellte Textdateien zu erstellen und zu bereinigen, die in der Regel unordentlich und fehlerhaft sind, und b) die Schwierigkeit, geeignete Wörterbücher für die Textbewertung zu haben. Beide Herausforderungen sind für nicht-englische Fälle am ausgeprägtesten.
    Im Allgemeinen stellen Forschungen, die länderübergreifende Analysen durchführen möchten, häufig fest, dass für nicht englischsprachige Länder entweder ein Wörterbuch oder ein Korpus fehlt. Da sowohl die Erstellung von Wörterbüchern als auch die Erstellung von Korpora in der Regel ressourcenintensive Aufgaben sind, müssen Forscher_innen häufig auf nicht-englischsprachige Länder in ihrer Fallstudie verzichten.
    Mit diesem Projekt wird das Forscherteam diesen Herausforderungen begegnen. Im Rahmen der Herausforderung a) wird das Projektteam eine Plattform für die Korpusreinigung schaffen und im Rahmen der Herausforderung b) neue Methoden für die Erstellung mehrsprachiger Stimmungswörterbücher testen und die resultierenden Wörterbücher der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen.

 

Aktuelle Publikationen

Cover Traweger Nomos 2019Traweger, Christian/Pallaver, Günther (2019): Verwaltungskooperation im Bewusstsein der Bevölkerung, in: Bußjäger, Peter/Happacher, Esther/Obwexer, Walter (Hrsg.): Verwaltungskooperation in der Europaregion. Potentiale ohne Grenzen? (Grenz-Räume, 2), Baden-Baden: Nomos Verlag, S. 157-186.

 

 

 

Lechner, Lisa/Wüthrich, Simon (2018): Bargaining Positions, Institutional Design and the Duration of Preferential Trade Negotiations, in: International Interactions 44 (5), 833-861.

Lechner, Lisa (2018): Good for some, bad for others: US investors and non-trade issues in preferential trade agreements, in: Review of International Organizations 13 (2), 163-187.

Morin, Jean-Frédéric/Dür, Andreas/Lechner, Lisa (2018): Mapping the trade and environment nexus: Insights from a new dataset, in: Global Environmental Politics 18 (1), 122-139.

Benoit, Kenneth/Watanabe, Kohei/Wang, Haiyan/Nulty, Paul/Obeng, Adam/Müller, Stefan/Matsuo, Akitaka (2018): Quanteda: An R package for the quantitative analysis of textual data, in: Journal of Open Source Software 3 (30).

Watanabe, Kohei (2018): Newsmap: A semi-supervised approach to geographical news classification, in: Digital Journalism 6 (3), 294-309.

 

Cover Traweger Pallaver Euregio 2018Traweger, Christian/Pallaver, Günther (2018): Die Europaregion Tirol – Südtirol – Trentino in Bewegung. Erwartungen und Potentiale: Ergebnisse einer Bevölkerungsbefragung / L'Euregio Tirolo - Alto Adige - Trentino - una realtà in movimento. Aspettavive e potenziale: risultati di un sondaggio, Innsbruck: Studia Universitätsverlag.

 

 

Lankina, Tomila/Watanabe, Kohei (2017): ‘Russian Spring’ or ‘Spring Betrayal’? The Media as a Mirror of Putin’s Evolving Strategy in Ukraine, in: Europe-Asia Studies 69 (10), 1526-1556.

Watanabe, Kohei (2017): Measuring news bias: Russia’s official news agency ITAR-TASS’s coverage of the Ukraine crisis, in: European Journal of Communication 32 (3), 224-241.

Watanabe, Kohei (2017): The spread of the Kremlin’s narratives by a western news agency during the Ukraine crisis, in: Journal of International Communication 23 (1), 138-158.

Lechner, Lisa (2016): The domestic battle over the design of non-trade issues in preferential trade agreements, in: Review of International Political Economy 23 (5), 840-871.

Traweger, Christian/Pallaver, Günther (2016): Die Europaregion Tirol – Südtirol – Trentino in Bewegung. Erwartungen und Potentiale: Ergebnisse einer Bevölkerungsbefragung / L'Euregio Tirolo - Alto Adige - Trentino - una realtà in movimento. Aspettavive e potenziale: risultati di un sondaggio, Innsbruck: Studia Universitätsverlag.

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